Geschlossene Grenzen

Babys von ukrainischen Leihmüttern können nicht abgeholt werden und sind nun im Hotel untergebracht

Hunderte Babies wegen Corona-Krise in der Ukraine gestrandet

Hunderte Babys können wegen der Coronakrise in der Ukraine nicht abgeholt werden.

Nach einem Clip voller schreiender Säuglinge diskutiert die Ukraine über Leihmutterschaft.

«Manuel» steht in blau auf dem Body eines Babys, «Antonie Rosmarie» in rosa auf dem nächsten. Die Säuglinge schreien, strampeln mit den Beinchen. Frauen in Maske und Handschuhen tragen sie herum, streicheln ihnen über die Wange, legen ihnen Windeln an. Sie schauen müde und sagen: «Es ist hart.»

Die Kamera schwenkt durch den Raum eines Hotels am Rande Kiews, in dem in drei Reihen, dicht an dicht, Metallbettchen stehen. 46 Babys finden sich darin. Babys, die Leihmütter in der Ukraine ausgetragen haben und die nun wegen geschlossener Grenzen im Zuge der Pandemie nicht abgeholt werden können. «Seid unbesorgt, Ihre Babys sind in guten Händen», fügt die Frau in Maske hinzu.

Das Video, das die Kiewer Reproduktionsfirma BioTexCom ins Netz gestellt hatte, sollte zweierlei bewirken: Die Aufnahmen sind Werbung und Hilferuf zugleich. Die Firma bittet die Länder um Mithilfe, aus denen die zahlenden Familien kommen und will auch zeigen, wie sie sich trotz der Umstände um die Babys kümmert.

Gestrandete Babys im Kiewer Hotel.

Gestrandete Babys im Kiewer Hotel.

Zwölf deutsche Familien haben wohl die Dienste der Firma in Kiew in Anspruch genommen. Wie auch Paare aus China, Grossbritannien, Portugal, Spanien, Italien, Frankreich, Österreich, Mexiko, Bulgarien und Rumänien. Während in den meisten Ländern die Leihmutterschaft verboten ist, bezeichnet so mancher ukrainischer Reproduktionsmediziner sein Land als «Mekka für Paare mit Kinderwunsch». Kaum hatte eine kirchennahe Organisation auf das gepostete Video hingewiesen, entfaltete es eine Wirkung, die wohl kaum im Blick von BioTexCom gestanden haben dürfte. Nun diskutiert die Ukraine heftig über die Leihmutterschaft. Wieder einmal. Nach mehreren Skandalen – auch BioTexCom stand im Fokus – fordern Menschenrechtler, den ukrainischen «Babyfabriken», wie sie es nennen, den Riegel zu schieben.

Bis zu 2000 Babys jährlich werden in der Ukraine meist für ausländische Kundschaft von Leihmüttern ausgetragen. Ukrainische Medien berichten, dass diese für ihre Dienste umgerechnet etwa 15'000 Franken erhalten. Ausländische Paare zahlen den Firmen bis zu 65'000 Franken für das Wunschkind. Allein in Kiew haben sich sechs Reproduktionskliniken auf Leihmutterschaft spezialisiert.

«Wissen nicht, wie viele Kinder das Land ausliefert»

Mykola Kuleba, der Ombudsmann für Kinder bei der ukrainischen Regierung, betrachtet die kommerzielle Leihmutterschaft als Menschenhandel und will sie in der Ukraine verbieten. «Die Ukraine hat sich zum internationalen Online-Handel mit Babys entwickelt, und wir wissen nicht einmal, wie viele Kinder unser Land auf diese Weise ausliefert», schrieb er auf seiner Facebook-Seite.

Die Reproduktionsfirma BioTexCom hat derweil die Betreuungspreise für die Babys im Kiewer Hotel gesenkt: Ein Tag kostet «statt 50 nur 25 Euro».

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