Terror in Paris

Auf der Flucht: Polizei jagt achten Verdächtigen

Die französischen Behörden veröffentlichten dieses Bild des Verdächtigen

Die französischen Behörden veröffentlichten dieses Bild des Verdächtigen

Die Suche nach den Hintermännern der Attentäter von Paris läuft auf Hochtouren. Den gross angelegten Anschlag vermochte die Polizei aber nicht zu verhindern.

Während in Frankreich am Sonntag eine dreitägige Staatstrauer begann, suchten die Ermittler fieberhaft nach Tätern und Komplizen der verheerenden Anschläge vom Freitagabend. In Belgien wurden sieben Verdächtige festgenommen, der Grossteil im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Seit Sonntagabend läuft eine Grossfahndung nach einem achten Verdächtigen. Eines der Autos, mit denen die Terroristen in Paris zirkulierten, war in Belgien gemietet worden. Die Polizei hat den nach ihrer Ansicht noch lebenden Mieter des schwarzen VW Polo international zur Fahndung ausgeschrieben. Sie veröffentlichte ein Fahndungsfoto des Verdächtigen und bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Der 26-jährige Salah Abdeslam sei «gefährlich», warnten die Behörden am Sonntagabend.

Unklar ist nach wie vor, ob ein im Oktober nach Griechenland eingereister Flüchtling an den Attentaten beteiligt war. Sein syrischer Pass wurde bei einem der Attentäter gefunden. Jetzt werden die Fingerabdrücke verglichen. Laut dem US-Newssender CNN sollen sie übereinstimmen.

Täter dank Finger identifiziert

In der französischen Stadt Chartres wurden ferner nach einer Hausdurchsuchung der Vater und der Bruder eines der Selbstmordattentäter festgenommen. Dessen Name wird mit Ismaël Omar Mostafaï angegeben. Der 29 Jahre alte Franzose algerischer Herkunft stammte aus einer Pariser Vorstadt und wohnte mit seiner Familie zuletzt in der Kathedralenstadt Chartres. Er war Familienvater, arbeitslos und trotz acht Verurteilungen wie Drogenhandel und Raub noch nie im Gefängnis. Seine Identifizierung erfolgte mit einem Fingerstück, das die Ermittler im Pariser Konzertsaal Bataclan fanden, wo sich der Terrorist nach der Erschiessung von 89 Konzertbesuchern selber in die Luft sprengte.

Mostafaï hatte sich vor knapp zwei Jahren in Syrien aufgehalten. Er war beim französischen Geheimdienst in der Fiche «S» eingeschrieben. Darin figurieren Tausende von Salafisten und andere Islamisten. Der Staatsanwalt von Paris betont allerdings, gegen den Attentäter sei nie im Zusammenhang mit einer «terroristischen Vereinigung» ermittelt worden.

Damit reagiert der Pariser Staatsanwalt auf die zunehmende Kritik an den Sicherheitsmassnahmen. Nach den «Charlie Hebdo»-Anschlägen vom Januar hatte Frankreich die Antiterror-Einheiten zwar massiv aufgestockt. Es wurden zusätzliche 3700 Stellen in der Polizei, den Geheimdiensten sowie der Justiz geschaffen. Die Kosten beliefen sich auf mehr als 700 Millionen Euro. Der zuvor geplante Abbau der Armeebestände wurde gebremst. Zudem gab sich Frankreich ein Überwachungsgesetz, das den Pariser Ermittlern ähnlich umfassende Kompetenzen einräumt wie sie die US-Sicherheitsagentur NSA hat. Trotzdem wurde der Terroranschlag von Freitagabend nicht vereitelt. Viele Pariser Politiker und Medien verstehen nicht, wie die Polizei, die mit solchen Anschlägen rechnen musste und auch rechnete, eine dermassen koordinierte, wahrscheinlich aus Syrien ferngesteuerte Kommandooperation übersehen konnte.

Der Kriminologe Alain Bauer erklärte, die Ermittler seien von den Methoden der Terrormiliz IS «überfordert». Radikalisierte Salafisten, von denen es in der Pariser und anderen Banlieues hunderte gebe, schlüpften meist durch die Maschen ihrer «S»-Fiche. Dagegen nütze auch der nationale Notstand nichts, den Präsident François Hollande ausgerufen hat. Und offenbar vermag auch die höchste Alarmstufe des französischen Antiterrordispositivs «Vigipirate» gross angelegte Terroranschläge nicht zu verhindern.

Findet der Klimagipfel statt?

Dieser Umstand wirft ein Schatten über die anstehende Klimakonferenz COP21, die am 30. November in Paris beginnen und 40 000 Delegierte, Journalisten und Besucher anziehen soll. Der konservative Oppositionschef Nicolas Sarkozy fordert eine Verschiebung des Gipfeltreffens. Der gastgebende Präsident François Hollande will aber daran festhalten.

Blumenmeer vor dem Bataclan

Blumenmeer vor dem Bataclan

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