Hast kann man dem Iran wahrlich nicht vorwerfen. Ein Jahr lang hatte die Islamische Republik gewartet, bis sie auf den amerikanischen Ausstieg aus dem Atomabkommen und den damit verknüpften «schwersten Sanktionen der US-Geschichte» reagierte. Der jetzt in Teheran angekündigte schrittweise Ausstieg aus dem Vertragswerk bedeutet zwar noch nicht sein Ende. Allerdings ist der Spielraum der Europäer begrenzt, ihren Zusagen im Öl- und Bankensektor nachzukommen und dem Iran damit einen Ausweg aus der schweren Wirtschaftskrise, in der das Land derzeit steckt, zu ermöglichen.

Washington will mit aller Macht die Zerstörung des Abkommens und bestraft daher jeden, der mit Teheran Geschäfte macht. Selbst gegen Saddam Hussein waren die Amerikaner nicht so rigoros vorgegangen wie jetzt gegen den Iran.

Die amerikanische Irak-Strategie führte damals in einen verheerenden Krieg. Die Frage ist berechtigt, ob sich jetzt die Geschichte wiederholt.

Die amerikanischen Iran-Planer um den Hardliner John Bolton wollen – so scheint es – Teheran keine Luft zum Atmen lassen. In ihren Augen ist der Iran ein unbelehrbarer Terrorstaat. Ruhe in der Region werde erst nach einem «Regime Change» einkehren, hatte Bolton vor seiner Berufung zum Nationalen Sicherheitsberater erklärt.

Natürlich löst die Entsendung eines amerikanischen Flugzeugträgers noch keinen Krieg aus. Was die Situation aber so gefährlich macht, ist der Starrsinn der Hardliner auf beiden Seiten, die selbst einen Dialog über Dritte ablehnen.

Hier könnte Europa ansetzen und Russland und China könnten helfen, indem sie den Amerikanern vermitteln, dass sie sich auf einer brandgefährlichen Einbahnstrasse befinden. Gleichzeitig sollte man auf Iran einwirken, auf eine Aufkündigung des Atomabkommens zu verzichten. Viel Zeit dafür ist nicht. Die von Iran gesetzte 60-Tage-Frist reicht sicherlich nicht aus, um einen für alle Beteiligten akzeptablen Ausweg aus der Krise zu finden.