Noch nie wurden im laufenden Jahr mehr Flüchtlinge innerhalb solch kurzer Zeit vom Mittelmeer gerettet wie am vergangenen Wochenende: Allein zwischen Freitag und Sonntag verzeichnete das UNO-Flüchtlingswerk UNHCR über 5600 Ankünfte in Italien. Der Chef der EU-Grenzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, nannte es die grösste Flüchtlingswelle über das Mittelmeer im laufenden Jahr. Wie Frontex meldete, waren alle Flüchtlinge von Libyen aus gestartet.

Triton-Schiffe vor Libyen

Beim UNHCR zieht man vorsichtig eine erste positive Bilanz über die ausgebauten Rettungsbemühungen der EU im Mittelmeer. Damit hatte die EU auf die Hunderten von toten Flüchtlingen im vergangenen April reagiert. «Die Verstärkung der Frontex-Operation Triton zeigt erste Wirkung», sagt Beat Schuler. Der Schweizer Jurist arbeitet für das UNHCR in Rom.

UNHCR-Angaben zufolge starben im laufenden Jahr bereits 1850 Flüchtlinge im Mittelmeer oder werden noch vermisst. 2014 waren es nach offiziellen Schätzungen um die 3500 Menschen, die ihr Leben auf dem Meer liessen. Verglichen damit, sind die von Frontex gemeldeten 17 Todesopfer, die unter den Geretteten vom Wochenende entdeckt worden sind, zwar tragisch, aber tief an der Zahl.

Für Schuler vom UNHCR haben vor allem zwei Gründe zur rekordhohen Zahl der Geretteten geführt: Erstens sei die Operationszone von Triton in Richtung libyscher Küste vergrössert worden und zweitens seien mehr Schiffe im Einsatz. Neu auch aus Deutschland, Frankreich und Grossbritannien. Ein weiteres Schiff aus Norwegen sei zudem ins Mittelmeer unterwegs, so Schuler.

Tatsächlich waren an den Rettungsaktionen vom vergangenen Wochenende in der Nähe der libyschen Küste Schiffe aus Grossbritannien, Malta, Belgien und Italien beteiligt, wie Frontex schrieb. Zudem standen ein isländisches und ein finnisches Flugzeug im Einsatz.

Unbrauchbare Schlauchboote

Statistiken des UNHCR zeigen: Bis Ende Mai haben zwölf Prozent mehr Flüchtlinge Italien erreicht, als in den ersten fünf Monaten des Vorjahres. Bis Ende Mai verzeichnete das UNHCR rund 46 500 Ankünfte. Vor einem Jahr waren es Ende Mai etwas mehr als 41 000.

Die EU wollte nicht nur die Seenotrettung verbessern, sondern auch das Schlepperwesen rigoros bekämpfen. Was ist aus den Ankündigungen aus Brüssel geworden, Schlepperschiffe zu zerstören? Wie Beat Schuler vom UNHCR sagt, stechen die meisten Flüchtlinge derzeit auf Schlauchbooten in See. Die meisten dieser Boote seien nach den Rettungsaktionen ohnehin unbrauchbar oder würden noch auf dem Meer unbrauchbar gemacht.