Das Ebola-Virus tötet weiter. Bereits schraubte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Opferzahl auf 729 hoch. Etwa 1300 weitere seien bereits infiziert.

Was im Februar mit einer Handvoll Opfer im Süden Guineas begann, entwickelte sich schnell zum schwersten Ebola-Ausbruch in der Geschichte. Für die Krankheit mit einer neunzigprozentigen Todesrate gibt es keinen Impfstoff.

Virus bereits in Nigeria

Allen Vorsichtsmassnahmen zum Trotz breitete sich das Virus bis in die westafrikanischen Hauptstädte aus. Dort ist das Leben teilweise zum Erliegen gekommen.

In Liberia untersagten die Behörden in einem Versuch, die Ansteckungen einzudämmen, Fussballturniere und Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf schloss bis auf weiteres sämtliche Schulen. Dörfer wurden unter Quarantäne gestellt und Beamten für vier Wochen nach Hause geschickt.

In Sierra Leone und Guinea haben die Menschen Angst davor, mit dem Bus zu fahren oder auf Märkten einzukaufen.

Und auch im Boom-Land Nigeria, wo vor zwei Wochen der erste Ebola-Fall bekannt wurde, ist man alarmiert.

Bereits sind die Einsatzkräfte mit der rasanten Ausbreitung überfordert, viele Krankenhäuser sind ausgelastet. In Liberia begannen Ärzte, die Infizierten in ihren eigenen Häusern zu behandeln.

Dabei werden die Helfer nicht selten selber zu Opfer: In Liberias Hauptstadt Monrovia starb der prominente Chefarzt Samuel Brisbane an den Folgen einer Ebola-Infektion.

Wenige Tage später erlitt auch Sheik Umar Khan, der Einsatzleiter in Freetown (Sierra Leone), das gleiche Schicksal. Die christliche Organisation «Samaritan’s Purse» hat nun begonnen, einen Grossteil ihres Personals abzuziehen, nachdem einer ihrer Ärzte, ein US-Bürger, positiv auf Ebola getestet wurde.

Eine Technikerin der humanitären Organisation, die laut der südafrikanischen Tageszeitung «The Citizien» für die Desinfizierung der Schutzanzüge verantwortlich war, infizierte sich ebenfalls.

Es fehlt an Laboratorien

Unterdessen wächst in Sierra Leone Kritik gegen die Regierung. Zu langsam habe diese auf die Seuche reagiert und habe drei Monate gebraucht, bis sie schliesslich den nationalen Notstand ausrief.

«Jeden Tag steigt die Zahl der Opfer. Für uns ist das einfach inakzeptabel», sagt John Yambasu, Bischof der sierraleonischen Methodistenkirche.

Dabei machen sich ebenfalls die Folgen des jahrelangen Bürgerkriegs bemerkbar: Sierra Leone fehlt es sowohl an Laboratorien als auch an Experten, Ärzten und Krankenpflegern. Ihre Rolle übernehmen internationale Organisationen wie «Ärzte ohne Grenzen».

Am Freitag haben sich die Staatschefs der betroffenen Länder gemeinsam mit der WHO auf ein Notprogramm in der Höhe von 100 Millionen Dollar geeinigt. Damit soll insbesondere dringend benötigtes medizinisches Personal in die betroffenen Regionen entsandt werden. Zudem sollen verschärfte Grenzkontrollen ein weiteres Ausbreiten eindämmen.

Airlines treffen Vorsichtsmassnahmen

Derweil gab der Entdecker des Ebola-Virus, Peter Piot, Entwarnung. Er sagte, eine weltweite Verbreitung der Epidemie sei «unwahrscheinlich».

Der Tropenmediziner selbst würde jederzeit neben einem Ebola-Infizierten in der U-Bahn reisen, da das Virus nur beim Austausch von Flüssigkeiten übertragen werde. Etliche Regierungen hielten dennoch bereits Krisengipfel ab, darunter die USA und Grossbritannien. Aus Brüssel hiess es, man sei auf den Ernstfall vorbereitet.

Mehrere Fluggesellschaften, etwa Ethiopian Airlines, treffen auf ihren Flügen nach Westafrika besondere Vorsichtsmassnahmen. Auch in Kenia stehen die Flughafenbehörden in Bereitschaft, um Fluggäste unter Quarantäne zu stellen.