"Ich bin überzeugt, dass wir uns in einer Situation befinden, in der jeder Verantwortung zum Besten des Landes übernehmen muss", sagte der derzeitige Regierungschef Enrico Letta am Freitag in Rom.

Er und Präsident Giorgio Napolitano hatten bereits fast wortgleich gemahnt, die Interessen den Landes müssten über diejenigen der Parteien gestellt werden. Letta plädierte für Zusammenhalt in der Koalition, denn er werde nicht um jeden Preis weiterregieren, sollte er feststellen, dass der interne Zusammenhalt nicht mehr vorhanden sei.

Die Verurteilung Berlusconis versetzt Lettas Demokratische Partei (PD) in Verlegenheit. Stimmen werden in der sozialdemokratischen Partei laut, das Bündnis mit Berlusconi zu beenden. Viele Linkspolitiker haben eine Zusammenarbeit mit Berlusconis konservativer Partei Volk der Freiheit (PdL) ausgeschlossen, wenn diese fortan von einem verurteilten Steuerbetrüger geführt würde.

Das sagen Italien-Kenner zum Berlusconi-Urteil

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Pass-Entzug

Berlusconi bekommt die Auswirkungen seiner definitiven Verurteilung zu vier Jahren Haft wegen Steuerbetrugs sofort zu spüren. Schon am Freitag musste er seinen Pass abgeben.

Der für die parlamentarische Immunität zuständige Ausschuss des Senats wird kommende Woche tagen, um bekannt zu geben, dass Berlusconi wegen seiner rechtskräftigen Verurteilung im sogenannten Mediaset-Prozess kein Recht mehr auf seinen Senatssitz hat. Der Senat wird dann darüber abzustimmen haben, ob Berlusconi ab sofort seinen Parlamentariersitz verliert.

Berlusconi darf zudem nicht mehr an Wahlen teilnehmen. Laut einem von der Regierung Monti verabschiedeten Gesetz dürfen sich nämlich keine Kandidaten an Wahlen beteiligen, wenn sie definitiv zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt wurden.

PdL-Abgeordnete wollen zurücktreten

Anhänger Berlusconis machten inzwischen für den Medienunternehmer mobil. „Berlusconi bleibt der Chef des Mitte-rechts-Blocks in Italien", versicherte PdL-Fraktionschef Renato Brunetta.

Medienberichten zufolge wollen die PdL-Abgeordneten zurücktreten. Sie hätten ihren jeweiligen Fraktionschefs in beiden Parlamentskammern ihre Rücktrittsgesuche übermittelt, berichteten italienische Medien am Freitagabend.

Damit wollen sie den Angaben zufolge gegen die rechtskräftige Verurteilung Berlusconis zu einer Haftstrafe protestieren. Die PdL-Abgeordneten fassten ihren Beschluss den Angaben zufolge bei einem Treffen in Rom.

Berlusconi seinerseits habe erklärt: "Wir dürfen uns nicht der Aufgabe einer wirklichen Justizreform entziehen und deshalb sind wir bereit für Neuwahlen." Die PdL-Fraktionschefs von Abgeordnetenhaus und Senat kündigten den Angaben zufolge an, mit den Rücktrittserklärungen zu Präsident Giorgio Napolitano zu gehen und "eine Rückkehr zur Gerechtigkeit" zu fordern.