DDR

30 Jahre nach der Wiedervereinigung: Jeder vierte Ostdeutsche findet Demokratie nicht gut

Ganz so gross wie 1992 sind die Unterschiede zwischen Ex-Ost- und Ex-Westdeutschland nicht mehr. Gleichauf sind die wiedervereinigten Landesteile aber noch längst nicht.

Ganz so gross wie 1992 sind die Unterschiede zwischen Ex-Ost- und Ex-Westdeutschland nicht mehr. Gleichauf sind die wiedervereinigten Landesteile aber noch längst nicht.

Sie verdienen schlechter, sind rechter und werden immer weniger: Die Menschen im ehemaligen Ostdeutschland hinken den «Wessies» noch immer hinterher.

Am 30. Oktober 1990 feierten Millionen Deutsche die Wiedervereinigung. Wie sieht es eigentlich 30 Jahre nach der Einheit zwischen Ost und West aus? Am Mittwoch wurde in Berlin der Bericht zum Stand der Einheit vorgestellt. Die Unterschiede sind zwar kleiner geworden - aber nicht verschwunden. Die wichtigsten Punkte:

Wirtschaftskraft: Die neuen Bundesländer im Osten erreichen etwa drei Viertel (73 Prozent) der durchschnittlichen, gesamtdeutschen Wirtschaftskraft, gemessen am Bruttoinlandsprodukt BIP je Einwohner. Grund für die Unterschiede: Grosse Konzerne siedeln sich noch immer seltener im Osten an. Immerhin: 1990, kurz nach dem Mauerfall, erreichte die Wirtschaftskraft in der ehemaligen DDR bloss 37 Prozent des westdeutschen Niveaus.

Kaufkraft: Ostdeutsche haben noch immer weniger Geld zur Verfügung als Westdeutsche. Im gesamten Land lag das verfügbare Einkommen 2017 im Durchschnitt bei 22'600 Euro pro Kopf. Ostdeutsche haben durchschnittlich ein um 14 Prozent geringeres verfügbares Einkommen als Westdeutsche. Allerdings: Die Alltagspreise liegen in strukturschwächeren Gebieten - etwa in Mecklenburg-Vorpommern - deutlich unter den Preisen von München, Hamburg oder Stuttgart.

Arbeitslosigkeit: 2005 war die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland eines der vordringlichsten Probleme. 2005 waren 18,7 Prozent der erwerbsfähigen ehemaligen DDR-Bürger ohne Arbeit. Und heute? Die Quote erreichte 2019 einen historischen Tiefstand, sowohl im Westen als auch im Osten. Die Arbeitslosenquote im Osten lag bei 6,4 Prozent, im Westen bei 4,7 Prozent.

Politische Einstellung: Hier gibt es die wohl bemerkenswertesten Unterschiede zwischen Ost und West. 91 Prozent der Westdeutschen halten die Demokratie für die geeignetste Staatsform. Im Osten fremdeln noch immer etliche Menschen mit der Demokratie, lediglich 78 Prozent halten diese Staatsform für gut. Allerdings gleichen sich Ost und West auch diesbezüglich allmählich an. Noch vor 15 Jahren waren weniger als 40 Prozent der Ostdeutschen der Meinung, die in Deutschland angewandte Form der parlamentarischen Demokratie sei besonders geeignet.

Damit einher geht auch eine im Osten deutlich stärkere rechtsextremistische Szene als im Westen. «Das macht mir erhebliche Sorgen», sagt der Ost-Beauftragte der Bundesregierung Marco Wanderwitz gestern bei der Vorstellung des Einheits-Berichts in Berlin.

Unter anderem Grund für die stärkere rechtsextremistische Einstellung im Osten: In der DDR wurde die Schuldfrage nach dem Zweiten Weltkrieg kaum gestellt. Zudem gab es im Osten kaum Ausländer, viele DDR-Bürger der älteren Generation haben kaum Erfahrungen mit Migranten gemacht. Hinzu kam nach dem Zerfall der DDR bei vielen Frust durch Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven. Die Szene gewann an Kraft.

Schrumpfende Einwohnerzahl: West und Ost entwickeln sich bei der Einwohneranzahl in die entgegengesetzte Richtung. Im Gebiet der alten BRD ist die Zahl der Einwohner in 30 Jahren um 5,4 Millionen Menschen angewachsen. Der Osten hingegen hat in der gleichen Zeit 2,2 Millionen Bewohner verloren. Viele Ostdeutsche sind in den Jahren nach der Wende in den Westen abgewandert, wo es mehr Arbeitsmöglichkeiten, mehr Universitäten und bessere Verdienstmöglichkeiten gab. Viele kleinere und mittelgrosse Städte verloren an Einwohnern, mit Ausnahme von Ballungszentren wie Leipzig oder Berlin. Gut ausgebildete junge Menschen, die der Provinz einmal den Rücken zugekehrt haben, kehren meist nicht mehr in kleinere und mittelgrosse Städte im Osten zurück.

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