Zurzibiet
«Dra bliebe!»: Der Kampf der «Bösen» lockt viel Publikum in die Döttinger Arena – der Landammann pflanzt eine Eiche für die neue Halle

Rund 750 Zuschauerinnen und Zuschauer feuern am Schwingfest in Döttingen die Athleten an. An der Einweihungszeremonie der neuen Trainingshalle, der zweitgrössten des Kantons, hat auch der Landammann mitangepackt.

Stefanie Garcia Lainez
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Der Lengnauer Ralf Böni (im dunkelgrauen Hemd) misst sich im Sägemehl mit seinem Gegner.

Der Lengnauer Ralf Böni (im dunkelgrauen Hemd) misst sich im Sägemehl mit seinem Gegner.

Stefanie Garcia Lainez

«Dore zieh! Konzentrier di!» ruft ein Zuschauer, während sich vor ihm die Schwinger im Sägemehl einen Zweikampf liefern. Es ist der Schlussgang des Zurzibiet-Schwingets. Rund 750 Zuschauerinnen und Zuschauer fiebern mit, als der Aargauer Top-Schwinger und Eidgenosse Nick Alpiger in rund drei Minuten seinen Gegner komplett auf den Rücken legt und danach als Festsieger Muni «Birchi» in Empfang nehmen darf:

Stefanie Garcia Lainez

Seit 20 Jahren wird der Schwinget im Zurzibiet an jährlich wechselnden Ortschaften im Bezirk durchgeführt. Das Fest am Samstag ist aber nicht nur wegen der runden Jahreszahl besonders: Der Schwingklub Zurzibiet weiht mit Landammann Alex Hürzeler die neue Trainingshalle ein, die sich nur wenige Meter von der Arena entfernt befindet.

Doch bevor es soweit ist, messen sich 38 Schwinger in den Sägemehlringen. Es seien etwas weniger Aktivschwinger als sonst auf dem Platz, sagt Markus Birchmeier, Baukommissionspräsident der Halle und ehemaliger «Eidgenosse». Dies, weil das Schwingfest im Zurzibiet terminlich zwischen zwei sogenannten Kranzfesten stattfindet.

Rund 750 Zuschauerinnen und Zuschauer feuern am Schwingfest in Döttingen die Athleten an.

Stefanie Garcia Lainez

Zufrieden ist er auch so: «Wir haben einige Rohdiamanten im Klub, vor allem unter den Jungschwingern», ergänzt er mit Blick auf die Arena vor ihm.

Zwei Zurzibieter auf dem achten Rang

Einer davon dürfte Ralf Böni sein. «Dra bliebe! Schön!», feuert ihn ein Zuschauer an, während im Hintergrund Ländlermusik aus den Lautsprechern ertönt. Der Lengnauer mit Jahrgang 2004 befindet sich in seinem sechsten und somit letzten Kampf des Tages – den er schliesslich für sich entscheiden kann.

Im Ring 1 (links) und 2 messen sich die Bösen, während die Zuschauerinnen und Zuschauer in den beiden Festzelten Schutz vor der Sonne suchen.
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Das Alphornquartett Zurzibiet lässt die Blasinstrumente erklingen.
Der Lengnauer Ralf Böni (im dunkelgrauen Hemd) misst sich im Sägemehl mit seinem Gegner.
Das Alphornquartett Zurzibiet sorgt für volkstümliche Klänge.
Der Jodlerklub Am Rhy singt ein Ständchen, während vor ihnen ein Zweikampf stattfindet.
Ein Gang gilt als entschieden, wenn ein Schwinger mit dem Rücken ganz oder bis Mitte beider Schulterblätter (vom Kopf oder Gesäss, von linker oder rechter Seite her) gleichzeitig den Boden berührt.
Der Muni Birchi (in Anlehnung an den Sponsor) wird von den Kindern umsorgt - und "Birchermüesli" genannt.
Der Lengnauer Ralf Böni (im dunkelgrauen Hemd) gewinnt seinen sechsten Kampf.
Zusammen mit seinem Klubkollegen Samuel Birrer belegt er den achten Schlusslang.
Ralf Böni (im dunkelgrauen Hemd) klopft dem Gegner das Sägemehl vom Rücken.
Der Aargauer Topschwinger und Eidgenosse Nick Alpiger (im beigen Hemd) gewinnt den Schlussgang.
Er kann das Duell nach 3 Minuten und 20 Sekunden mit Fussstich und Nachdrücken für sich entscheiden.
Damit erreicht er sagenhafte 59.75 Punkte
Der Richter zeigt den Sieg von Nick Alpiger an.
Seine Teamkollegen tragen ihn auf den Schultern.
Der Jodlerklub Am Rhy eröffnet die offzielle Einweihungszeremonie der neuen Halle.
Baukommissionspräsident und ehemaliger «Eidgenosse» Markus Birchmeier.
Zur offiziellen Einweihung setzen Baukommissionspräsident und ehemaliger «Eidgenosse» Markus Birchmeier (links), der Döttinger Gemeindeammann Markus Mäder (2. von inks), weitere Klubmitglieder, Landammann Alex Hürzeler (rechts des Baumes im weissen Hemd) mit den Jungschwingern (rechts) eine Eiche.
Der Aargauer Topschwinger und Eidgenosse Nick Alpiger (rechts) mit dem Muni.

Im Ring 1 (links) und 2 messen sich die Bösen, während die Zuschauerinnen und Zuschauer in den beiden Festzelten Schutz vor der Sonne suchen.

Stefanie Garcia Lainez / Aargauer Zeitung

Zusammen mit Klubkollege Samuel Birrer (2006) aus Tegerfelden klassiert er sich somit auf dem achten Rang – sie sind die besten Zurzibieter des Tages. Die Eltern freuen sich. «Hauptsache ist: Er ist nicht verletzt», ergänzt die Mutter.

Nicht ohne Grund: Ihr Sohn schlägt sich zurzeit mit einer Knieverletzung herum. «Im 5. Gang habe ich einen Schlag ins Knie erhalten», sagt Ralf Böni. Deshalb sei er sehr zufrieden, dass er den sechsten Kampf trotzdem habe gewinnen können, so der Nachwuchsschwinger, der im vergangenen Jahr am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag den 14. Rang belegte.

Landammann pflanzt mit dem Schwingklub eine Eiche

Unterdessen hat der Jodlerklub Am Rhy auf der Bühne in einem der beiden Festzelte zu einem Ständchen angestimmt – und damit die offizielle Einweihungszeremonie der neuen Schwinghalle eingeläutet. Als Aargauer Sportminister sei er begeistert, mit welchem Elan Jung und Alt, Gross und Klein hier zu Werke gegangen seien, sagt Landammann Alex Hürzeler.

Landammann Alex Hürzeler ist nach Döttingen gereist, um die neue Halle offiziell einzuweihen.

Landammann Alex Hürzeler ist nach Döttingen gereist, um die neue Halle offiziell einzuweihen.

Stefanie Garcia Lainez

Mit Blick auf die mit 150 Quadratmetern zweitgrösste Schwinghalle des Kantons ergänzt er:

«Liebe Schwingerfamilie, dort drüben wachsen und trainieren künftige Könige.»

2000 Arbeitsstunden hätten rund 85 Helferinnen und Helfer geleistet, sagt Markus Birchmeier. Im ehemaligen Schützenhaus hätten auch die Jungschwinger wirken können: «Sie hämmerten, spitzten, nagelten und fuhren Bagger.» Zu Unfällen sei es zum Glück nicht gekommen. Nur sein mittlerer Sohn habe einmal die Kurve nicht gekriegt und sei in einen stehenden Trax gerannt, ergänzt er mit einem Schmunzeln.

Zusammen mit dem Nachwuchs des Schwingklubs Zurzibiet pflanzen unter anderem Alex Hürzeler, der Döttinger Ammann Michael Mäder, Vereinspräsident Niklaus Meier und Markus Birchmeier bei der Halle eine kleine Eiche. Letzterer sagt: «Dieser Baum wird hier Wurzeln schlagen – so wie wir hier unseren jungen Schwingern Wurzeln geben.»