Unteres Aaretal
«Wir fangen und töten die Mäuse, weil sie Schädlinge sind»

«Wenn dich der Anblick einer toten Maus nicht erschreckt, dann zieh deine Stiefel an und ab auf die Felder!» – so heisst es im Ferienpass-Katalog der Region Unteres Aaretal beim Kurs «Mausen» mit Kursleiter Thomas Schwere.

Nadja Rohner
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Die az hat die Ferienpass-Gruppe begleitet, um herauszufinden, wie man richtig maust.

Einer, der das wissen muss, kreist über der Wiese in Hettenschwil. Dem Bussard ist das Treiben unter ihm nicht ganz geheuer. Neun Knaben und ein Mädchen, Erst- bis Fünftklässer, stapfen hinter Kursleiter Thomas Schwere durchs Gras.

Dieser erklärt: «Wir fangen und töten die Mäuse, weil sie Schädlinge sind. Sie können Bäume oder ganze Felder zerstören und ärgern die Bauern.» Mit einem Stock sondiert er die Erde rings um einen Maushügel – «wenn der Boden nachgibt, haben wir einen Gang gefunden.»

Es dauert nicht lange. Schwere zückt den Spaten, um den Gang aufzubuddeln – «Isch das s Mässer zum d’Müüsli schlachte», fragt ein Knabe, und alle lachen. Zimperlich scheint hier niemand zu sein. Schwere spannt die Metallfalle, legt sie in den Gang und verschliesst diesen wieder mit Erde.

«Wenn die Maus sieht, dass es hell ist, flieht sie», erklärt er und markiert die Stelle mit einem Stock. Dann dürfen die Kinder Fallen vergraben. Allen voran Erstklässler Jan aus Leibstadt: Mit ernster Miene sucht er unermüdlich nach neuen Gängen, während sich andere Kinder mit Gras bewerfen.

Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
13 Bilder
Viertklässlerin Alessia hält Mäuse als Haustiere. Feldmäuse zu töten macht ihr aber nichts aus.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.
Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.

Mausen: Auf Mäusejagd mit den Nachwuchs-Mausern vom Ferienpass Unteres Aaretal.

Nadja Rohner

Einen Franken pro Schwanz

Schwere bietet den Kurs schon seit über zehn Jahren an und maust selber seit seiner Kindheit, sehr zur Freude der Bauern. «Früher», sagt er, «war die Ausbeute besser. In guten Jahren, als meine Kinder noch mitkamen, habe ich um die 500 Mäuse gefangen.»

Er schneidet ihnen nur die Schwänze ab, der Rest ist für die Füchse – wortwörtlich. Pro Schwanz kann sich Schwere einen Franken «Schwanzprämie» abholen, Annahmestelle ist ein Bauer. «Ich weiss von jemandem, der die Schwänze im Couvert an die Gemeindekanzlei geschickt hat», sagt Schwere lachend.

Das sagt der Tierschutz

«Mausen ist vertretbar, wenn gewährleistet ist, dass das Tier sofort stirbt und nicht leiden muss», sagt Sara Wehrli vom Schweizer Tierschutz. «Wichtig ist, dass die Mausjagd durch Fachpersonal durchgeführt wird, das genau weiss, wie es die Fallen einsetzen muss.» Wehrli hält es für «ethisch fragwürdig», Kinder mausen zu lassen. Zudem bringe es kaum einen Nutzen. (NRO)

Nach dem Zvieri zieht die Gruppe zu einem anderen Feld. Hier hat Schwere schon am Vormittag Fallen aufgestellt. Nun sind die Kinder kaum mehr zu bändigen: Falle um Falle buddeln sie aus – «Häts en Muus?» Die ersten Fallen sind leer, die Enttäuschung gross.

Dann plötzlich: «Mir händ eini! – Mir au!». Sechs Mäuse sind in die Falle gegangen, zwei leben noch. «Die müssen wir jetzt sofort töten, damit sie nicht leiden», sagt Schwere und holt den Spaten. «Dörf i au mal schloh?», fragt Viertklässlerin Alessia, das einzige Mädchen. Sie darf. Auch die zweite Maus wird getötet – leider nicht mit dem ersten Schlag.

Der Tierschutz wäre nicht erfreut (siehe Box), den Kindern ist es egal. Stolz halten sie ihre Beute in die Kamera, nur ein Knabe findet es «ihgitt». «In früheren Kursen haben manche Kinder sogar Tupperware-Dosen mitgebracht, um die toten Mäuse nach Hause zu nehmen», sagt Schwere.

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