Lengnau
Vier Frauen finden im Lebensherbst zu ihrer Kreativität

Im Dorfmuseum Lengnau stellen derzeit Renate Wiprächtiger, Ursula Steinmann, Monika Kaufmann und Gertrud von Aesch ihre Werke aus. Die Bilder und Skulpturen reichen von abstrakt bis konkret und haben ganz unterschiedliche Entstehungsgeschichten.

Ursula Burgherr
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Dorfmuseum Lengnau
6 Bilder
Ode an die Weiblichkeit - Malerei von Gertrud von Aesch
Weiblichkeit - dreimal unterschiedlich umgesetzt
Künstlerische Vielfalt auf allen Treppenaufgängen und in jeder Nische des Dormuseums Lengnau
Mallehrerin Soraya Hamzavi (r.) ist stolz auf die ausgestellten Werke ihrer drei Schülerinnen
Konraste sind bei der neuen Ausstellung im Dorfmuseum Lengnau in jeder Fensternische zu finden

Dorfmuseum Lengnau

Ursula Burgherr

Die leuchtend rote Mohnblüte in Acryl ist ein absoluter Eyecatcher; das typische, in Öl festgehaltene Tessinerdorf mit seinen verwinkelten Gässchen und Rustici erinnert an einen Urlaub im Tessin; die gazellenhaften Damen, die in wallender Abendrobe ein Tor durschreiten, scheinen einem Traum entsprungen zu sein; die aus Stein gemeisselte Skulptur mit vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten besticht durch die Schönheit des Materials und der Form. Wie unterschiedlich künstlerischer Ausdruck sein kann, zeigt sich bei der aktuellen Ausstellung des Dorfmuseums Lengnau schon im Entrée.

Es ist nie zu spät

Alle vier Frauen, die ihre Werke noch bis zum 12. April im Dorfmuseum Lengnau präsentieren, sind pensioniert und reich an Lebenserfahrung. Die gebürtige Badenerin Renate Wiprächtiger war über zwei Jahrzehnten in der Modebranche tätig. Sechs Jahre lebte sie in Asien. Dort entdeckte sie eine Faszination für die verschiedenen Verarbeitungsformen von Stein, die sie bis heute nicht losgelassen hat. Im Jahr 2000 kehrte sie in die Schweiz zurück und nahm ab dato Kurse in Bildhauerei. Wochenlang hämmert, meisselt, schleift und poliert sie am sperrigen Material, um daraus die perfekte Form zu schaffen, die sie sich zum Ziel gesetzt hat. Nicht immer gelingt es ihr: «Manchmal diktiert der Stein, was aus ihm werden soll», meint Wiprächtiger.

Abstraktes und Konkretes

Ursula Steinmann aus Birmenstorf wirtete 33 Jahre lang. Ihr Ausgleich zum anstrengenden Beruf: Porzellanpuppen herstellen. Erst in späten Jahren begann sie zu malen und fand heraus: «Wenn ich an der Staffelei sitze, kann ich total abschalten. Dann breitet sich in mir eine tiefe Zufriedenheit aus.» Ob ein geranienumranktes Tessiner Rustico oder Stillleben mit Blumen, sie liebt Flora und Fauna und gibt sie auf ihren Ölmalereien möglichst naturgetreu wieder.

Ganz im Gegensatz zu Monika Kaufmann, die in Untersiggenthal wohnt. Die rote Mohnblüte ist das gegenständlichste Bild, das die ehemalige Fakturistin in Lengnau präsentiert. Einige ihrer Werke sind gänzlich abstrakt, mit streng geometrischen Farbflächen. Andere lassen Sujets wie eine Wüstenlandschaft nur noch erahnen. Und sie gesteht: «Ich probiere mich immer noch in den verschiedenen Techniken und Stilen aus.»

Bei Gertrud von Aesch, die in Niederrohrdorf wohnt, steht die Frau im Zentrum ihrer Malereien. Zurückzuführen ist dies sicher auf den Beruf. Die ehemalige Hebamme gab Jahrzehntelang Geburtsvorbereitungskurse. Ihre grazilen Figuren in Ballkleidern und die durch Konfetti- und Farbenregen wirbelnden Tänzerinnen sind eine Ode an die Weiblichkeit. «2013 starb mein Mann. Ich fühlte mich sehr einsam. Deshalb begann ich Menschen zu malen», erzählt sie. Nach einer langen Trauerphase fand sie neues Glück. Heute ist sie auch selber oft auf dem Tanzparkett zu finden – und nicht mehr nur in den Fantasien auf ihren Bildern.

Die Werke von Monika Kaufmann, Gertrud von Aesch, Ursula Steinmann (Malereien) und Renate Wiprächtiger (Plastiken) können noch am 10. April (16 bis 18 Uhr), 11. April (11 bis 18 Uhr) und 12. April (11 bis 15 Uhr) im Dorfmuseum, Chratzstrasse 2, 5426 Legnau , besichtigt werden.