Lengnau
Roy Oppenheim: auch mit 80 Jahren ein Turbo, weit entfernt vom Bremspedal

Eine Hommage an den Lengnauer Kultur-Generalisten Roy Oppenheim zu dessen rundem Geburtstag am 2. September.

Rosmarie Mehlin
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Auch mit 80 noch aktiv: Ab Sonntag findet eine neue Veranstaltungsreihe mit Roy Oppenheim statt.

Auch mit 80 noch aktiv: Ab Sonntag findet eine neue Veranstaltungsreihe mit Roy Oppenheim statt.

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Wie fühlt man sich kurz vor dem 80. Geburtstag? «Runde Zahlen interessieren mich nicht.» Noch viel weniger interessiert es den Lengnauer Roy Oppenheim, von Beruf Rentner zu sein. Einen beachtlichen Embonpoint hat er sich zugelegt, was aber nicht etwa die Folge von Nichtstun ist. Seine dezidierte Feststellung «ich kann nicht aufhören» bezieht sich mitnichten aufs unkontrollierte Knabbern von Süssem vor dem Fernseher. Nein, Oppenheim kann nicht aufhören, als kreativer «Tausendsassa» aktiv zu sein.

Nach dem Lehrerseminar Wettingen und Kunstgeschichte-, Geschichte- und Publizistik-Studium in Zürich, war er in verschiedenen führenden Funktionen beim Schweizer Fernsehen tätig, war Direktor vom Schweizer Radio International und gründete den 4. Fernsehkanal S Plus.

«Unter meiner Leitung wurden damals die ersten Video-Journalisten der Schweiz ausgebildet.» Von seinen verschiedenen Jobs habe ihm jener beim Schweizer Radio International speziell gut gefallen. «Wir sendeten in 14 Sprachen, beschäftigt waren gegen 180 Redaktorinnen und Redaktoren, allein 40 davon sprachen Englisch und 15 Arabisch.»

Von den zahlreichen Interviews, die er unter anderem mit Yehudi Menuhin und Marc Chagall führte, ist ihm jenes mit Audrey Hepburn das unvergesslichste: «Sie war eine wunderbar strahlende Frau, intelligent und enorm liebenswürdig.»

Zum Buch- und Drehbuchautor, Film- und Fernsehproduzenten Roy Oppenheim gesellen sich zahlreiche nebenamtliche Engagements. Als Initiant des Jüdischen Kulturwegs und des Projekts «Doppeltür» hat er Lengnau und Endingen zu internationaler Bekanntheit verholfen. «Den Kulturweg besuchen heute Gruppen verschiedenster Nationalitäten und Glaubensrichtungen.»

Mit «Papa Moll» aufgewachsen

Als Sohn einer deutschen Halbjüdin – die Oma mütterlicherseits war Katholikin, der Opa Jude – und eines englischen Juden habe er sich schon immer mit dem Judentum beschäftigt. «Mama hatte konvertiert und uns Kinder protestantisch erzogen.

Ich gehöre heute aber keiner Glaubensgemeinschaft an.» In Baden aufgewachsen, hatte es ihn vor über 50 Jahren nach Lengnau verschlagen. «Meine Mutter hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass hier ein ganz günstiges kleines Haus zu kaufen sei. Mit meinem hellblauen VW-Käfer, bei dem etwa alle 20 Kilometer eine Schraube locker war, bin ich hierher gefahren.»

Die poppig gemusterten blauen Hosenträger funkeln mit dem Schalk in Roys Augen um die Wette. Nach der Heirat mit Rachela Frenkiel 1976 war das Haus zu einem richtigen Schmuckstück erweitert worden.

Oppenheims Fundus an persönlichen Erinnerungen ist ebenso gross wie jener an Fakten und Zahlen. Er schildert bildhaft, farbig, wechselt blitzschnell von einem Thema zum nächsten: Es ist weitherum bekannt, dass Roy gerne redet. Aber ebenso, dass man ihm nicht minder gern zuhört.

Ganz besonders, wenn er von seiner Mutter Edith Oppenheim-Jonas schwärmt: «Sie war eine begnadete Künstlerin, eine starke Frau und eine richtige Glucke für meinen Bruder Frank, meine Schwester Joan und mich. Unsere Vornamen verdanken wir übrigens der Tatsache, dass unser Vater Eric Engländer war.»

Roy war 12-jährig, als «Papa Moll» das Licht der Kinderbuch-Welt erblickte. «In den meisten Geschichten spiegeln sich Erlebnisse und Ereignisse, die sich in unserer Familie zugetragen hatten.» Betrifft das auch Tschips? «Oh ja, wir hatten immer Kurzhaardackel.»

Seit dem Tod der Mutter 2001 betreut Roy nicht nur die Rechte von «Papa Moll»; er kümmert sich auch um den umfangreichen Nachlass seines Onkels, des expressionistischen Malers Walter Jonas (1910 – 1979). Im gemütlichen Wohnzimmer in Lengnau hängen mehrere grossformatige Bilder. «Rachela und ich haben rund 4000 Werke digital katalogisiert – eine Riesenarbeit, aber wir lieben diese Bilder.»

80 Jahre und kein bisschen müde? Nicht Roy Oppenheim: Gemeinsam mit Bad Zurzach Tourismus bietet er ab dem 6. September mit «Roys Denk Tour» eine neue Veranstaltungsreihe an.