Döttingen
Refuna zahlt trotz Beznau-Ausfall die volle Dividende aus

Die Aktionäre der Regionalen Fernwärme unteres Aaretal (Refuna) sind trotz des Notfallbetrieb wegen der still stehenden Kernkraftwerke Beznau 1 und Beznau 2 gelassen. Der Preissprung für Fernwärme wird gedämpft.

Hans Lüthi
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Die Regionale Fernwärme Unteres Aaretal (Refuna) wartet auf grünes Licht für einen der beiden Beznau-Blöcke und die nötige Abwärme. key

Die Regionale Fernwärme Unteres Aaretal (Refuna) wartet auf grünes Licht für einen der beiden Beznau-Blöcke und die nötige Abwärme. key

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Die Welt der Fernwärme im unteren Aaretal hat sich in den letzten Monaten drastisch verändert. Seit dem Stillstand beider Beznauer Kernkraftwerke fliesst keine Abwärme mehr ins Netz. Gemäss Notfallplanung muss die Energie mit Heizöl in vier Reservekesseln erzeugt werden. Die per Anfang Oktober vom Verwaltungsrat verfügte Preiserhöhung hat unter den 2625 Kunden einige, teils harsche, Kritik ausgelöst.

Aber von einer turbulenten Generalversammlung im Kernkraftwerk Beznau kann überhaupt nicht die Rede sein. Aus zwei Gründen: Erstens ging es um das schon Ende März abgeschlossene 31. Geschäftsjahr, zweitens sind die Hauptaktionäre acht Gemeinden und grosse Unternehmen, die an einer finanziell gesunden Refuna interessiert sind.

Der ruhig durch die Versammlung führende VR-Präsident Kurt Müller bezeichnete es als «normal, dass die Kunden leicht erschrocken sind». Aber die Dividende von 200 Franken pro Aktie streichen wollte die Führung nicht. Erst ein Antrag der Gemeinde Würenlingen, die volle Dividendensumme von 359 800 Franken für die Mehrkosten des Heizöls einzusetzen, brachte kurze Spannung. Refuna stehe finanziell gut da, «wir wollen nicht auf die Dividende verzichten», sagte Ammann Peter Hirt im Namen der Gemeinde Döttingen und in Vertretung auch für Endingen. Die grosse Mehrheit der 17 Aktionäre war gleicher Meinung, nur 3 stimmten für den Verzicht.

Wegen der hohen Temperaturen ging der Wärmeabsatz um vier Prozent zurück. Der Gewinn betrug knapp eine Million Franken, die Rückstellungen von fünf Millionen Franken kommen zur Hauptsache in den Erneuerungsfonds. Beznau-Leiter Urs Weidmann geht in Pension und trat aus dem Verwaltungsrat zurück, Roger Gampp wurde als neuer Vertreter der Axpo einstimmig gewählt.

Mehrkosten in Millionenhöhe

Die ungeliebte Verbrennung von Heizöl wollte die Region mit dem Aufbau des grossen Fernwärmenetzes im unteren Aaretal verhindern. Schwierig ist laut Geschäftsleiter Kurt Hostettler jetzt die grosse Unsicherheit, ab wann einer der beiden Beznau-Blöcke wieder ans Netz kommt und die nötige Abwärme liefert. Allein von August bis Ende Dezember seien zirka 7,5 Millionen Liter Heizöl nötig.

«Das ergibt Zusatzkosten von 5 Millionen Franken oder 7,3 Rappen je Kilowattstunde», rechnete Hostettler vor. Für den ganzen Winter bräuchte Refuna 17 Millionen Liter Heizöl. Ende September werden alle Zähler abgelesen, Ende März 2016 erneut, dann kommt für die Kunden die höhere Rechnung. «Refuna löst Rückstellungen auf und bezahlt einen Anteil selber», versprach der Geschäftsleiter, ohne jedoch die Höhe zu beziffern.

Neue Energiequellen suchen

Gestützt auf die hohen Investitionen von 700 Millionen Franken geht die Refuna-Spitze davon aus, Beznau werde noch 15 bis 20 Jahre am Netz sein. Weil das Ende in Sicht ist, braucht es neue Wärmequellen. Rein rechnerisch würde ein Gaskraftwerk genügen oder zwei bis drei riesige Holzkraftwerke. «Zu den möglichen Quellen gehört Abwärme aus dem Zementwerk Station Siggenthal und ab 2030 die Geothermie», betont Kurt Hostettler. Ein Anschluss an das KKW Leibstadt würde 60 Millionen Franken kosten, zudem wisse niemand, wann das Schweizer Volk die AKW abstelle.

Sinnvoll sei der Weiterbetrieb der Fernwärme sowieso, weil die 146 Kilometer Leitungen 60 bis 80 Jahre Lebensdauer haben. Refuna habe seit dem Start 150 bis 170 Millionen Franken investiert und alle Schulden abbezahlt. In Zukunft brauche es einen neuen Investitionsschub in einer vergleichbaren Grössenordnung. Wenn das den Leuten klar werde, gehe das Unternehmen gestärkt aus der heutigen Notsituation hervor, meint Präsident Müller.

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