Klingnau
Peinlicher Fehler: Kanton veröffentlicht falsche Zahlen zu Kiesabbau-Projekt

Das kommt selten vor: Die Botschaft, welche die Aargauer Regierung zur Richtplan-Anpassung zum Kiesabbaugebiet in Klingnau an den Grossen Rat überwiesen hat, enthält falsche Zahlen. Das zeigen Recherchen der az.

Philipp Zimmermann
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Die falsche Abbildung in der Botschaft an den Grossen Rat (Ausschnitt)

Die falsche Abbildung in der Botschaft an den Grossen Rat (Ausschnitt)

HO/ag.ch

Die Döttinger Birchmeier Bau AG will in der Klingnauer Geländekammer Hard/Härdli Kies abbauen. Die Ortsbürgergemeinde als Landbesitzerin hat im Herbst 2015 dem Abbau auf 19 Hektaren zu einem Preis von 5 Franken pro Kubikmeter zugestimmt. Auf Grundlage einer ersten groben Schätzung war damals von 4 Millionen Kubikmetern Kies die Rede – was 20 Millionen Franken in die Kasse der Ortsbürger spülen würde.

Voraussetzung für den Kiesabbau ist eine Anpassung des kantonalen Richtplans. Dafür hat der Regierungsrat am letzten Freitag die Botschaft an den Grossen Rat überwiesen. Dieser wird auf dessen Grundlage demnächst über das Geschäft befinden.

So weit, so gut. In der Regierungs-Botschaft finden sich nun allerdings ganz andere Zahlen. Laut den Angaben auf einer Karte wolle die Firma Birchmeier in mindestens 25 Jahren «nur» 2,5 Millionen Kubikmeter abbauen. Und das auf der gesamten Geländekammer, deren Fläche 19 Hektaren betrage. Das würde also bloss 12,5 Millionen Franken für die Ortsbürger bedeuten. Kann das wirklich stimmen?

Recherchen des Badener Tagblatts zeigen: Nein. Die Zahlen sind falsch. Die ganze Geländekammer Hard/Härdli hat eine Fläche von 35,5 Hektaren. Und: Im Planungsbericht, den die Gemeinde Klingnau mit der Baufirma Birchmeier erstellt und dem zuständigen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) eingereicht hat, ist für rund 50 Jahre ein Abbauvolumen von über 4,9 Millionen Kubikmetern vorgesehen. Diese Angaben fanden sich auch in den Unterlagen, die im Mitwirkungsverfahren öffentlich auflagen.

In der Geländekammer Hard-Härdli will die Döttinger Baufirma in Zukunft Kies abbauen. Das Land gehört den Klingnauer Ortsbürgern. Heute wird das Land für die Landwirtschaft genutzt. (Bilder von 2017)
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Das Hard/Härdli liegt etwas erhöht: Von hier sieht man auch das AKW Leibstadt.
Auf mehreren Seiten grenzt das Hard/Härdli an ein Waldstück.
Die Klingnauer Ortsbürger werden profitieren vom Kiesabbau: Sie erhalten 5 Franken pro Kubikmeter Kies, der hier abgebaut wird. Dabei eingerechnet ist auch ein Betrag für das Wiederauffüllen.
Über das Gebiet führt eine Hochspannungsleitung, die vom nahen Wasserkraftwerk Klingnau herkommt.
Ein Grenzstein zeigt es an: An die Hard/Härdli-Parzelle grenzt auf einer Seite an die Nachbargemeinde Koblenz.
Blick auf einen der Hochstammbäume. Sie müssen weichen. Neue werden aber nach Auffüllen der Kiesgrube wieder gepflanzt.

In der Geländekammer Hard-Härdli will die Döttinger Baufirma in Zukunft Kies abbauen. Das Land gehört den Klingnauer Ortsbürgern. Heute wird das Land für die Landwirtschaft genutzt. (Bilder von 2017)

Philipp Zimmermann

Bernhard Fischer, stellvertretender Leiter der Abteilung Raumentwicklung, räumt den Fehler unumwunden ein. «Irrtümlicherweise wurden die eingereichten und öffentlich aufgelegten Planungsunterlagen in der Botschaft falsch zitiert», sagt er. Offenbar handelt es sich um einen redaktionellen Fehler. Die Zahlen zur ersten Abbauetappe auf jenen 19 Hektaren wurden vom einen Dokument auf das andere falsch übertragen und der gesamten Fläche der Geländekammer zugewiesen.

Fischer hebt hervor, dass sich «der Irrtum ausschliesslich auf die Wiedergabe der richtigen Angaben in der Botschaft am Schluss des Verfahrens» beschränke. Die planerische Beurteilung durch die kantonalen Fachstellen sei aufgrund des eingereichten Planungsberichtes der Initianten erfolgt.

Weder Verzögerung noch Folgekosten

Das Projekt, das Richtplan-Verfahren und die Beurteilung seien nicht in Frage gestellt, unterstreicht Fischer. Der Fehler soll nun ausgebügelt werden. «Das Departement unterbreitet der Kommission BVU und dem Grossen Rat eine entsprechende Korrigenda», fügt er an. «Nach derzeitigem Stand» sei weder mit einer Verzögerung noch mit Folgekosten zu rechnen.

Auf Anfrage reagierte Markus Birchmeier, der Inhaber der gleichnamigen Baufirma, überrascht über die falschen Zahlen in der Botschaft an den Grossen Rat. "Auf das Projekt hat der Fehler keinen Einfluss", sagt er später, nachdem er sich erkundigt hat und weiss, dass die falschen Zahlen ohne Folgen bleiben werden. In den nächsten Wochen wird der Grosse Rat über die Richtplan-Änderung entscheiden. Birchmeier ist optimistisch. Aufgrund der Stellungnahmen der Parteien wird ihr eine Ratsmehrheit sehr wahrscheinlich zustimmen.

In diesen Etappen soll der Kies in der Geländekammer Hard-Härdli abgebaut werden. Die Ortsbürger haben einen ersten Vertrag für den Abbau auf 19 Hektaren mit der Birchmeier Bau AG unterschrieben. Der Abbau erfolgt auf den Flächen A1 bis A4. Diese sind zusammen zirka 25 Hektaren gross. 

In diesen Etappen soll der Kies in der Geländekammer Hard-Härdli abgebaut werden. Die Ortsbürger haben einen ersten Vertrag für den Abbau auf 19 Hektaren mit der Birchmeier Bau AG unterschrieben. Der Abbau erfolgt auf den Flächen A1 bis A4. Diese sind zusammen zirka 25 Hektaren gross. 

ZVG

Ein Grossteil des Kieses in der Geländekammer soll, wie im Planungsbericht von Gemeinde und Baufirma steht, in zwei Etappen abgebaut werden. Im ersten Gebiet sollen es 2,52 Millionen Kubikmeter sein. Im zweiten Gebiet 2,39 Millionen Kubikmeter auf einer Fläche von 10,9 Hektaren für die folgenden 24 Jahre. Die Abbaumenge ist davon abhängig, bis in welche Tiefe jeweils Kies vorhanden ist. Die erste Fläche soll im Richtplan unter «Festsetzung», die zweite unter «Vororientierung» erfasst werden. Für die zweite Etappe wird ein neuer Vertrag mit den Klingnauer Ortsbürgern als Landbesitzern nötig sein. Denkbar ist sogar eine dritte Etappe für eine weitere Fläche von 5,6 Hektaren.

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