Baldingen
Legendäre Dorfbeiz: Für die Rettung der «Rose» fehlte eine Viertelmillion

Für die Rettung der «Rose» konnte nicht genug Geld aufgetrieben werden. Die Gemeinde steht nach dem Aus des Dorfrestaurants vor einem Scherbenhaufen.

Rosmarie Mehlin
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Aus der legendären «Rose» in Baldingen
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48 Jahre hat Martha Brusa in der «Rose» gewirtet. Als sie 2014 mitteilte, in absehbarer Zeit in Pension zu gehen, wurde die Gemeinde aktiv.
Die Gemeinde kaufte Ende 2014 die Liegenschaft für 320'000 Franken, um das Ende der «Rose» zu verhindern.
Die «Rose» bildet zusammen mit der Kirche das Herzstück des Dorfs.
Ein Bauprojekt umfasste ein verkleinertes Restaurant mit Gartenbeiz sowie fünf Wohnungen. Doch die Geldsuche verlief harzig. Nun ist sie samt Gründung einer Genossenschaft abgeblasen worden.
Ende Oktober 68 berichtete der «Blick» innert weniger Tage zweimal über den Skandal, den die «Rose»-Serviertochter mit ihrem Mini-Rock ausgelöst hatte: «Weniger Bein oder die Beiz wird geschlossen» so der Titel des ersten Artikels. «Beiz dank dem Mini-Streit bumsvoll!» lockte der Folgeartikel.

Aus der legendären «Rose» in Baldingen

Rosmarie Mehlin

Mit Schalmeien-Klängen hatte die Arbeitsgruppe «Restaurant Rose Baldingen» im Januar das Projekt vorgestellt, mit dem das endgültige Aus der legendären Beiz verhindert werden sollte. Fast auf den Tag genau sieben Monate später steht die Gemeinde vor einem Scherbenhaufen. Am Montagabend mussten der Gemeinderat und seine Arbeitsgruppe das Projekt «Rose» begraben. Zurück bleibt die Frage, was nun mit der Liegenschaft, die seit knapp zwei Jahren im Besitz der Gemeinde ist, geschehen wird.

Das Restaurant Rose bildet seit über 100 Jahren zusammen mit der markanten Kirche St. Agatha des bedeutenden Architekten Karl Moser das Herzstück des 270-Seelen-Dorfs auf einem der höchsten Punkte des Zurzibiets. 1969 war die Beiz, respektive der Minirock der Serviertochter, dem «Blick» einen ganzseitigen Bericht wert gewesen. Die Folge: Gäste aus der ganzen Schweiz kamen – vorwiegend auf Motorrädern – nach Baldingen, um die «Skandalbeiz» zu besuchen. 48 Jahre hat Martha Brusa darauf gewirtet. Als sie vor zwei Jahren mitteilte, in absehbarer Zeit in Pension zu gehen, hatte die Gemeinde Ende 2014 die Liegenschaft für 320 000 Franken erworben mit dem Ziel, das Ende der «Rose» zu verhindern.

Um das Weiterbestehen von Restaurant und Liegenschaft sinnvoll zu sichern, hatte ab dem Frühling 2015 eine neunköpfige Arbeitsgruppe sich mit der Zukunft der Liegenschaft beschäftigt. Im Januar dieses Jahres wurde das Ergebnis mit Pauken und Trompeten vorgestellt: Das Projekt umfasste ein verkleinertes Restaurant mit Gartenbeiz sowie fünf Wohnungen. Für die auf 2,4 Millionen Franken budgetierten Kosten wurden 1,3 Millionen Fremdkapital veranschlagt. Eine Genossenschaft sollte gegründet werden und das nötige Eigenkapital durch Anteile, private Darlehen, Gönner- und Sponsorenbeiträge zusammenkommen. Bereits im November hatten Einwohner- und Ortsbürgergemeinde euphorisch der Arbeitsgruppe Anteile von insgesamt 250 000 zugesichert.

Enttäuscht, aber nicht überrascht

Anlässlich der Präsentation des ambitionierten Projekts diesen Januar hatte alt Gemeindeammann Thomas Knecht in seiner Funktion als Präsident der Arbeitsgruppe angekündigt, die Gründungsversammlung der Genossenschaft finde am 8. April statt. Mitte Februar war mit der Zeichnungs- und Finanzierungskampagne begonnen worden: Es galt, 810 000 Franken zusammenzutrommeln. Als bis Ende März lediglich 373 000 Franken zugesichert waren, war die Gründung der Genossenschaft auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Und jetzt also das Aus: Die Gründung der Genossenschaft hat sich erledigt. Bis Anfang Juli waren seitens der Bevölkerung und von auswärtigen Gönnern insgesamt 573 000 Franken zugesichert. In den vergangenen Wochen dann wurden einige Zusicherungen zurückgezogen, sodass heute mit 563 000 Franken nur knapp 70 Prozent des benötigten Eigenkapitals zur Verfügung standen.

Darunter auch 25 000 Franken der Nachbargemeinde Böbikon. Dort war allerdings inzwischen das Referendum gegen die Beteiligung zustande gekommen. Die auf den 25. September festgelegte Referendumsabstimmung ist nun hinfällig. «So haben wir mit unserem Entscheid am Montag Böbikon also einen Gefallen getan», stellt Thomas Knecht lakonisch fest. Er sei vom Scheitern des Projektes zwar enttäuscht, aber nicht überrascht: «Die Suche nach Geldgebern war harzig angelaufen, und als wir im Juni nochmals 500 Briefe mit unserem Anliegen versandt haben, gab es so gut wie keine Reaktion darauf. Ganz klar haben offensichtlich nur wenige Einwohner von Baldingen ein Interesse am Erhalt der Dorfbeiz.»

Zur Frage, was die Gemeinde als Besitzerin der Liegenschaft nun mit dieser zu tun gedenke, müsse sich René Meier, Knechts Nachfolger als Ammann, äussern. «Wir haben im Gemeinderat einige Varianten in Betracht gezogen», so Meier. Man werde das in einer der nächsten Sitzungen konkretisieren und dann der Gemeindeversammlung unterbreiten. «Letztlich müssen die Einwohner entscheiden», hält René Meier fest.