Leibstadt
Längere Laufzeit des AKW Leibstadt wäre für Region «wünschenswert»

Die Debatte um die Lebensdauer der AKW ist noch nicht abgeschlossen. Das AKW Leibstadt könnte eventuell bis 2044 betrieben werden. Dies kommt Christian Burger, Gemeindeammann von Leibstadt, recht.

Pirmin Kramer
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Der Bund prüft, Leibstadt bis 2044 laufen zu lassen(Archiv)

Der Bund prüft, Leibstadt bis 2044 laufen zu lassen(Archiv)

Keystone

Energieministerin Doris Leuthard erwägt, das letzte Atomkraftwerk erst 2044 vom Netz zu nehmen. Bislang rechnete der Bund mit AKW-Laufzeiten von 50 Jahren, womit 2034 mit Leibstadt das letzte Atomkraftwerk stillgelegt würde. Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, prüfen die Energieexperten des Bundes nun eine Gnadenfrist fürs Atomzeitalter, um die Zahl der umstrittenen Gaskraftwerke zu verringern.

Berechnungen zeigen, dass auf zwei Gaskraftwerke verzichtet werden könnte, würde die Schweiz das AKW Leibstadt zehn Jahre länger am Netz lassen.

Gemeinde plant Ausstieg 2044

Christian Burger, Gemeindeammann von Leibstadt, sagt zur geprüften Laufzeitverlängerung: «Für unsere Gemeinde und unsere Region wäre eine längere Laufzeit wünschenswert.» Nach Fukushima und der Diskussion um den Atomausstieg sei zwar die Jahreszahl 2034 in den Raum gestellt worden, aber Leibstadts Gemeinderat sei immer davon ausgegangen, dass das Kernkraftwerk so lange läuft, wie es ursprünglich vorgesehen war – also bis 2044.

«Zwischen den Zeilen haben wir Bundesrätin Leuthard immer so verstanden, dass sie die Kernkraftwerke laufen lassen möchte, solange sie sicher sind und keine Versorgungslücke entsteht.» Das Kernkraftwerk habe mit seinen über 500 Arbeitsplätzen eine enorme Bedeutung für die Gemeinde, sagt Burger. Auch der Steuerertrag habe für die Gemeinde elementare Bedeutung. «Rund ein Viertel des gesamten Steuereinkommens erreicht uns vom KKL.» Leibstadt würde sich gemäss Burger auch offen zeigen für Alternativen: «Wir wären zumindest gesprächsbereit, wenn eine entsprechende Anfrage käme, in unserer Gemeinde ein Gas-Kombikraftwerk zu bauen. Jedoch steht die Umweltverträglichkeit immer im Vordergrund.»

SP-Grossrätin Astrid Andermatt, seit Jahren im Zurzibiet eine der vehementesten Atomstrom-Gegnerinnen, warnt im Zusammenhang mit der möglichen Laufzeitverlängerung vor einem «fahrlässigen Beschluss»: «Ein Atomkraftwerk kann man nur dann als sicher bezeichnen, wenn es abgestellt ist», sagt sie. «Es darf nicht sein, dass der Bund nun die Wirtschaft zu beruhigen versucht und Leibstadt länger laufen lassen will.» Bis 2034, glaubt sie, könne man mit erneuerbaren Energien und Energieeffizienz die Atomkraftwerke ersetzen. «Dafür muss man aber die Forschung unterstützen und sobald wie möglich Klarheit betreffend des Ausstiegsdatums schaffen.»