Koblenz
Heidi Wanner ist nach zwei Herzinfarkten wieder im Geschäft

Im August erlitt Heidi Wanner, Gemeindeammann von Koblenz, zwei Herzinfarkte hintereinander. Dies hätte fatal enden können. Der gesundheitliche Rückschlag erforderte eine Rehabilitation. Inzwischen hat Heidi Wanner die Geschäfte wieder aufgenommen.

Angelo Zambelli
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Die beiden Hunde halten Gemeindeammann Heidi Wanner auf Trab.

Die beiden Hunde halten Gemeindeammann Heidi Wanner auf Trab.

Angelo Zambelli

Im August erlitt Heidi Wanner, Gemeindeammann von Koblenz, zwei Herzinfarkte hintereinander. Dies hätte fatal enden können. Der gesundheitliche Rückschlag erforderte eine dreiwöchige Rehabilitation in Gais im Kanton Appenzell sowie eine viermonatige Absenz von ihrem Amt. Inzwischen hat Heidi Wanner die Geschäfte wieder aufgenommen.

Heidi Wanner, Sie sitzen völlig entspannt in Ihrem Arbeitszimmer im Gemeindehaus und strahlen Fröhlichkeit und Tatendrang aus. Sind Sie gesundheitlich vollständig genesen?

Heidi Wanner: Ich habe mir vier Monate Zeit genommen, um wieder gesund zu werden. Heute kann ich sagen: Ja, ich bin wieder völlig gesund.

Was genau ist passiert?

Ich wollte drei Tage im Glarnerland wandern gehen, als ich auf der Autobahn plötzlich ein starkes Stechen verspürte. Trotz der starken Schmerzen fuhr ich bis ins Hotel und wartete, bis sich die Schmerzen legten. Danach begab ich mich mit der Sesselbahn ins Wandergebiet oberhalb Filzbach. Beim talwärts Wandern traten die Schmerzen erneut auf, und da wurde mir schlagartig bewusst, dass ich beide Male einen Herzinfarkt erlitten hatte. In diesem Moment gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Dann ging alles sehr schnell: Spitalaufenthalt in Glarus, danach die Operation in Zürich.

Sie sagten, beim zweiten Herzinfarkt seien Ihnen tausend Gedanken durch den Kopf. Dürfen wir wissen, welche?

Der erste Gedanke war: Jetzt musst du sterben. In diesem Moment war ich ruhig und ausgeglichen. In diesem Moment schloss ich mit dem Leben ab. Der zweite Gedanke war: Wenigstens sterbe ich im Glarnerland, wo ich aufgewachsen bin.

Ist es möglich, dass das Gemeindeammannamt mitverantwortlich für Ihren Zusammenbruch war?

Sicher hat das Amt einen Teil dazu beigetragen. Eine Gemeinde zu führen ist sehr intensiv. Am Gemeindeammann bleibt sehr viel hängen. Er ist Ansprechperson für alle und bei allen Themen. Es ist aber meine Aufgabe - und auch meine Erwartung an mich selbst -, dass ich mit dieser Belastung umgehen kann.

Was hat in den Monaten vor den Herzinfarkten mehr gedrückt: Der Umfang der Arbeit oder die emotionale Belastung, weil man sich als Ammann mit den Sorgen und Nöten aller Dorfbewohner befassen muss?

Es war beides. Am meisten zu schaffen gemacht hat mir eine gewisse Ohnmacht. Koblenz steckt als Grenzgemeinde in einer ganz schwierigen Situation. Wir müssen beim Bund dafür kämpfen, dass wir als Gemeinde die Anerkennung erhalten, die uns aufgrund der Belastung, die wir als Gemeinde mit einem Grenzübergang, tragen, zusteht.

Haben Sie die Ihrer Meinung nach ungerechte Behandlung ihres Dorfes nicht zu persönlich genommen?

Ich habe mich deswegen nicht persönlich angegriffen gefühlt, aber ich habe das Thema zu nahe an mich herangelassen, habe es nicht geschafft, auf die nötige Distanz zu gehen. Die Folge war, dass ich die Probleme und Sorgen nicht mehr verarbeiten konnte, was letztlich die gesundheitlichen Probleme ausgelöst hat.

Das ist jetzt anders?

Ja, das hat sich grundlegend verändert. Ich führe die Gemeinde nach wie vor mit viel Herzblut und mit viel Engagement. Mein Pensum liegt auch heute noch zwischen 50 und 70 Prozent. Aber ich habe gelernt, meine Grenzen zu erkennen und einzuhalten.

Wie haben Sie die Auszeit Zeit in Gais erlebt?

Es war eine bewegungsmässig sehr intensive Zeit: Gymnastik vor dem Morgenessen, Gymnastik nach dem Morgenessen, Gymnastik im Wasser, Velo fahren, und, und, und ... Die Verbindung nach Hause habe ich über die az gehalten, die in Gais Gott sei Dank auflag. Sehr interessiert haben mich natürlich die Beiträge zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung betreffend die drei Sanierungsprojekte Buckhalde, Achenberg und Rütenenstrasse, die Gemeinderats-Ersatzwahlen in Tegerfelden und die Fusionsabstimmung in Endingen und Unterendingen. Ich habe mich jedenfalls nie gelangweilt. Man könnte fast sagen, die Aargauer Zeitung habe ihren Teil zu meiner Gesundung beigetragen.

Während Ihrer Abwesenheit hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, einen gut eingearbeiteten Vizeammann zu haben.

Roland Christen musste praktisch über Nacht einspringen. Er hat seine Sache ausgezeichnet gemacht, wofür ich ihm ausserordentlich dankbar bin.

Delegieren Sie heute mehr?

Ja. Gerade beim Thema Asylzentrum ist es nicht nötig, dass ich mich einmische. Roland Christen kennt die Situation bestens und wird das Thema auch in Zukunft betreuen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass die Menschen weniger das Negative suchen und mehr Gemeinschaftssinn, mehr Toleranz entwickeln. Für meine Gemeinde wünsche ich mir eine gute und vielleicht sogar noch engere Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, damit wir die Qualität halten können. Für mich persönlich wünsche ich mir mehr Zeit fürs Yoga, für unseren schönen Garten, fürs Saxofon spielen und für unsere Hunde.

Dürfen die Koblenzerinnen und Koblenzer davon ausgehen, dass die Frau Gemeindeammann künftig mehr Sorge zu sich selbst trägt?

Ja, das dürfen sie. Es liegt ganz alleine an mir, zur Gesundheit Sorge zu trage. Ein derartiger Zwischenfall relativiert vieles. Ich war in einer schwierigen Situation und habe sie mit viel Glück gemeistert. Gewisse Dinge nehme ich nicht mehr so wichtig wie früher. Ich war gezwungen, so etwas wie einen Neuanfang zu machen - einen Neuanfang mit mehr Gelassenheit und Ruhe.

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