Prozess
Gericht rabenschwarz belogen: Drogendealer bleibt noch lange in Haft

Der 27-jähriger Drogendealer, der sich vor dem Bezirksgericht Zurzach zu verantworten hatte, hatte bei seinem letzten Prozess noch versprochen, Drogen nicht mehr anzurühren. Doch das war damals schon eine Lüge. Nun hat er die Quittung erhalten.

Rosmarie Mehlin
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Der Angeklagte hatte gut vier Kilo Marihuana verkauft. (Symbolbild)

Der Angeklagte hatte gut vier Kilo Marihuana verkauft. (Symbolbild)

Keystone

Kurze Rückblende: Im August 2013 hatte das Bezirksgericht Zurzach Kevin (Namen geändert) wegen Betäubungsmittel-Delikten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Der heute 27-jährige Deutsche mit Schweizer Pass hatte damals hoch und heilig beteuert, dass er seit Abschluss der Untersuchungen weder erneut delinquiert habe noch in Zukunft je wieder mit Drogen handeln werde.

Beides war, wie sich herausstellte, rabenschwarz gelogen. Denn noch in den zwei Monaten vor jener Verhandlung – als er bereits im Besitz der Vorladung war – hatte Kevin im 2- bis 4-Tage-Rhythmus intensiv mit Ecstasy-Pillen, Marihuana und Amphetaminen gedealt. Und – nur einen einzigen Tag nach der Verhandlung und erneut sieben Tage später hatte er erneut solche Betäubungsmittel an seinen Stammkunden verkauft!

So sass Kevin nun wieder vor Schranken, beschuldigt, zwischen über drei und gut vier Kilo Marihuana, rund
260 Gramm Amphetamine und bis zu 500 Stück Ecstasy verkauft zu haben, was einen geschätzten Umsatz von zwischen 14 600 und 31 000 Euro ausmacht. Angeklagt war der 27-Jährige überdies des Besitzes und Konsums von Betäubungsmitteln. Seit neun Monaten sitzt er in U-Haft respektive im vorzeitigen Strafvollzug.

Verlobte will nichts gemerkt haben

Der Verhandlung im August 2013 hatte die heute 28-jährige, im Saarland lebende Bosnierin Jasmina als Zuschauerin beigewohnt. Jetzt trat sie als Zeugin auf: Seit zweieinhalb Jahren seien sie und Kevin ein Paar, seit einem Jahr verlobt, das Ehevorbereitungs-Verfahren läuft. «Leider musste ich es in Lenzburg einreichen, viel lieber wäre es mir hier in Bad Zurzach gewesen», seufzt Kevin. Jasmina besucht ihn jede Woche im Gefängnis. «Ich übernachte dann jeweils in seiner Eigentumswohnung hier im Bezirk.»

Kevin hatte ein stattliches Vermögen geerbt – mit tragischem Hintergrund. Als er 14 war, wurde sein Vater erschossen, die Mutter zu lebenslänglich verurteilt. «In Deutschland bedeutet das 15 Jahre hinter Gitter, 2017 kommt Mutter frei», so Kevin. Einen Beruf hat er nicht, kümmerte sich aber rührend um seinen jüngeren Bruder. Kevin lebte vom Vermögen – und seinen Drogengeschäften. Jasmina will von diesem, ebenso wie von Kevins Drogenkonsum rein gar nichts gewusst und auch nicht das Geringste bemerkt haben.

Eigene Firma endet in Liquidation

Einmal hatte Kevin einen Anlauf zur beruflichen Selbstständigkeit genommen, wollte eine Autovermiet-Firma aufbauen. «Er hat Tag und Nacht geschuftet, in Deutschland fünf Autos gekauft und verzollt, Räumlichkeiten gemietet, Flyer und so gemacht», so Jasmina. Bevor das Geschäft richtig begonnen hatte, war es bereits in Liquidation. «Es ist aber alles abbezahlt.»

Neben der Eigentumswohnung und seinem Porsche habe er, so Kevin, «noch 2000 bis 5000 Franken auf dem Konto.» Wenn er aus dem Gefängnis komme, wolle er arbeiten – «irgendetwas, am liebsten irgendwann selbstständig» – und eine Familie gründen. Die Vorwürfe bestritt Kevin nicht. Er habe damals bei seinem Drogenlieferanten noch Schulden gehabt und sei von ihm bedroht worden. Deshalb habe er weiter gedealt. Inzwischen seien auch diese Schulden beglichen.

Insgesamt 28 Monate

Das Gericht unter Präsident Cyrill Kramer verurteilte den 27-Jährigen zu 18 Monaten unbedingt und widerrief den bedingten Erlass der zehnmonatigen Freiheitsstrafe von 2013. Abzüglich der neun Monate, die Kevin bereits hinter Gittern sitzt, droht ihm solches nun weitere 19 Monate. Und – falls er und Jasmina nicht mehr warten können, müssen sie wohl oder übel in Lenzburg heiraten.