Kaiserstuhl
Gelebte Solidarität: Das Stadtlädeli bleibt dank Spenden bestehen

Freiwillige finanzieren die Miete für ein Jahr. Am Schluss bleibt gar noch etwas für die Stromrechnung übrig. Trotz der grossen Anteilnahme: Überleben kann das Lädeli nur, wenn die Bevölkerung auch dort einkauft.

Nadja Rohner
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Dank Spenden kann Mena Stupan ihr Stadtlädeli weiterführen.

Dank Spenden kann Mena Stupan ihr Stadtlädeli weiterführen.

Nadja Rohner

Ein Blick ins Weinregal des Kaiserstuhler Stadtlädelis zeigt es: Da steht der Walliser neben dem Zurzibieter Wein – und eine Flasche aus Zernez. Mena Stupan, die Geschäftsführerin des Ladens an der Hauptgasse, stammt aus dem Bündnerland und verkauft neben Artikeln des täglichen Bedarfs auch Spezialitäten aus ihrer Heimat.

Im letzten Frühling sah es allerdings so aus, als seien die Tage des einzigen verbliebenen Kaiserstuhler Lebensmittelladens gezählt. Nicht nur die Konkurrenz im deutschen Hohentengen, lediglich einen Steinwurf entfernt, machte dem Laden zu schaffen – Mena Stupan hätte plötzlich Miete für das Lokal bezahlen sollen, nachdem ihr der Vermieter ihrer Wohnung den Laden in den ersten Jahren gratis zur Verfügung gestellt hatte.

Lediglich rund 700 Franken verlangt er; zu viel für Stupan: «Im Schnitt versteuere ich monatlich 800 Franken. Es gibt aber auch Monate, in denen für mich nichts übrig bleibt», sagt sie.

Mindestens ein Jahr gesichert

Den rund 400 Kaiserstuhlern allerdings scheint ihr Lädeli lieb und teuer zu sein. Kurz nachdem bekannt geworden war, dass Stupan die geforderte Miete nicht zahlen kann, formierte sich die «Vereinigung Pro Stadtlädeli Kaiserstuhl» – eine Interessengruppe um Valentin Egloff, Präsident von «Pro Kaiserstuhl». «Wir haben angefangen, Geld für den Erhalt des Ladens zu sammeln», sagt Egloff. «Erstaunlich viele Leute haben gespendet. Manche 20 Franken, andere eine ganze Monatsmiete.» Der Frauenverein Kaiserstuhl habe sogar einen Drittel des Erlöses aus dem Basar im Dezember gespendet.

Wie viel genau die IG zusammengetragen hat, will Egloff nicht preisgeben; nur so viel: «Es reicht, um die Miete für ein ganzes Jahr zu zahlen. Dann bleibt noch ein Batzen für die Stromrechnung übrig.» Diese Stromrechnung, sagt Mena Stupan, sei immer sehr hoch – obwohl sie Energie spare, wo es nur gehe. «Da», sagt sie und weist zur Decke, «ich habe die Hälfte der Glühbirnen herausgedreht, obwohl es ohnehin Sparlampen sind.» Auch die grosse Kühlvitrine, ein älteres Modell, deckt Stupan immer mit einem Rolladen ab, wenn gerade kein Kunde da ist.

Viele positive Signale

Man merkt: Die quirlige Stupan hängt an ihrem Lädeli. Rund 50 Stunden setzt sie pro Woche dafür ein. «Ich will weitermachen, und solange die Spenden die Mietkosten decken, schaffe ich das auch», sagt sie. Aus der Bevölkerung kämen immer wieder viele positive Signale, man schätze ihr Angebot – und gehe doch auswärts einkaufen; nach Weiach, Bad Zurzach oder eben Hohentengen.

Valentin Egloff, der selber auch «ab und zu in Bad Zurzach einkauft», spricht von einem grossen Verständnis in der Bevölkerung für die Problematik. Er ist überzeugt: «Wir brauchen das Lädeli. Es ist nicht nur ein Ort zum Einkaufen, sondern auch ein wichtiger Treffpunkt für die Kaiserstuhler.» Deshalb wird die IG auch weiterhin nach externen Finanzierungsmöglichkeiten für das Lädeli suchen. «Am besten wäre aber, wenn die Bevölkerung öfter hier einkaufen würde», sagt Egloff.