Zurzibiet
Gegen die Potenzialräume formiert sich Widerstand

Der Planungsverband ist von den Gemeinden beauftragt worden, an der Regionalkonferenz die Ablehnung zu fordern

Louis Probst
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Felix Binder

Felix Binder

Aargauer Zeitung

Gegen die drei sogenannten Potenzialräume - Kalkabbau Mellikon, Schlatti Weiach und Schladwiesen Schneisingen - für eine Oberflächenanlage für ein Tiefenlager für radioaktive Abfälle im Gebiet Lägern Nord formiert sich Widerstand.

Der Planungsverband Zurzibiet bereitet einen Antrag an die Regionalkonferenz Lägern Nord vor, der einen Verzicht auf diese Optionen fordert. «Unsere Absicht ist es, ein politisches Signal zu setzen», betonte Planungsverbandspräsident Felix Binder. «Für uns geht es um einen zentralen Punkt.»

Antrag aus Rekingen

Das Thema Potenzialräume stand im Mittelpunkt der Sitzung des Vorstandes des Planungsverbandes Zurzibiet. Dafür sorgte ein Antrag des Gemeinderates Rekingen, in dem der Planungsverband beauftragt wird, «an der Regionalkonferenz Lägern Nord die Ablehnung des Standort-Vorschlages Mellikon-Rekingen im Auftrag der Gemeinden im Einzugsgebiet Surbtal, Rheintal und Studenland zu postulieren.»

In der Begründung weist der Gemeinderat Rekingen darauf hin, dass ein Oberflächenanlagen-Standort Mellikon-Rekingen nicht den regionalen Vorstellungen der Entwicklung des Zurzibiets entspreche. «In der Vision Zurzibiet wird für das Gebiet Rheintal und Studenland ein Entwicklungsschwerpunkt Tourismus, Freizeit und Erholung festgelegt», schreibt der Gemeinderat.

«Die Oberflächenanlage entspricht nicht dieser Zielsetzung. Eine Oberflächenanlage in unmittelbarer Nähe eines Thermal-Kurortes ist ungeeignet und schadet diesem regionalen Wirtschafts-Schwergewicht. Die Oberflächenanlage bringt auch keinen wesentlichen Entwicklungsschub, der andere Nachteile aufwiegen könnte.»

Der Gemeinderat Rekingen hat auch 15 Gemeinden aus dem Zurzibiet angeschrieben und um Support für seinen Antrag gebeten.

Entscheid im Juni

Ins Spiel gebracht worden waren die Potenzialräume Kalkabbau Mellikon, Schlatti Weiach und Schladwiesen Schneisingen durch die Fachgruppe Oberflächenanlagen der Regionalkonferenz Lägern Nord auf zehn Vorschläge der Nagra hin.

Die Fachgruppe hat in der Folge die Nagra beauftragt, bis Mitte Mai 2013 Standortvorschläge auszuarbeiten. Die Fachgruppe Oberflächenanlage befindet anschliessend, ob diese Vorschläge in die weitere Beurteilung aufgenommen werden können. Ziel ist es, dass die Regionalkonferenz Lägern Nord am 29. Juni mindestens einen möglichen Standort für eine Oberflächenanlage bezeichnet.

Zweifel an der Methodik

An der Vorstandssitzung des Planungsverbandes Zurzibiet kam grundsätzliche Kritik an der Auswahl der drei Potenzialräume zum Ausdruck. «Die zehn Vorschläge für die Potenzialräume sind von der Nagra innerhalb von zwei Monaten vorgelegt worden», sagte Regionalplanerin Dunja Kovàri.

«Sie konnten gar nicht genügend tief betrachtet werden. Die Grundlagen haben gefehlt. Die Bewertung erfolgte sehr oberflächlich. Es gibt auch fachliche Argumente, die gegen diese drei Potenzialräume sprechen. Der Potenzialraum Mellikon befindet sich in einem Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung. Da gibt es schon die Möglichkeit, den Finger aufzuhalten.»