Paul-Scherrer-Institut
Nachhaltige und störungsfreie Stromversorgung ab 2050: Zehn Institutionen betreten für eine Studie Neuland

Ausstieg aus der Kernenergie, Erhöhung der Energieeffizienz, mehr erneuerbare Energien: Das will die Schweizer Energiestrategie 2050. Forschende von zehn verschiedenen Institutionen forschen unter der Führung des Paul-Scherrer-Instituts gemeinsam, wie das nachhaltig und störungsfrei geht.

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Tom Kober erforscht, wie die Energieversorgung in der Schweiz sicher und nachhaltig bleiben kann.

Tom Kober erforscht, wie die Energieversorgung in der Schweiz sicher und nachhaltig bleiben kann.

zvg/Mahir Dzambegovic

Der Zwischenfall hätte zu einem Blackout in Europa führen können: Im Januar konnte ein flächendeckender Unterbruch der Stromversorgung in Europa nur durch grosse Anstrengungen der Netzbetreiber sowie Verbrauchern in Italien und Frankreich verhindert werden. Ursache für das beinahe eingetretene Unglück: Mehrere Netzbetriebsmittel wie Stromleitungen oder Schaltanlagen fielen aus, und gewisse Gebiete wurden innerhalb kurzer Zeit für etwa eine Stunde vom Strom entkoppelt.

Was aber, wenn es wieder zu einem technischen Ausfall oder zu politischen oder ökonomischen Schocks kommt? Diese Frage stellen sich zehn Institutionen unter der Führung des PSI im Forschungsprojekt Sure (Sustainable and Resilient Energy for Switzerland), wie es in einer Mitteilung heisst.

Wie sicher ist die Stromversorgung in der Schweiz?

Denn dieser Vorfall zeigt: Selbst in hochentwickelten Ländern kann es zu schweren Störungen der Stromversorgung kommen. Zudem hat die Schweiz mit der Energiestrategie 2050 einen schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie, die Erhöhung der Energieeffizienz und den Ausbau der erneuerbaren Energien beschlossen. Auch möchte das Land ab 2050 unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstossen.

Die Forschenden untersuchen deshalb in den nächsten sechs Jahren ausgewählte Ereignisse, die das Schweizer Energiesystem der Zukunft beeinflussen könnten. Und wie man die Versorgung so gestaltet, dass sie möglichst widerstandsfähig, anpassungsfähig und nachhaltig ist. «Neben Nachhaltigkeit sind Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit zentrale Themen für die Schweizer Energieversorgung», sagt Tom Kober, Leiter der Gruppe Energiewirtschaft im Labor für Energiesystemanalysen am Paul-Scherrer-Institut und Koordinator des Projekts Sure.

So könnten wichtige Energieinfrastrukturen aufgrund technischer oder energiepolitischer Einschränkungen nicht voll verfügbar sein oder extreme Wettererscheinungen die Stromproduktion zumindest zeitweise beeinträchtigen. Auch Infrastrukturprojekte im Energiebereich wie Wasserkraftwerke, tiefengeothermische Anlagen und grosse Fotovoltaikanlagen machen es immer wieder deutlich: Die Akzeptanz der Bevölkerung oder regulatorische Rahmenbedingungen und die Ausgestaltung von Förderinstrumenten sind entscheidend, wenn sich eine Technologie durchsetzen soll. Auch dies spielt deshalb für die Resilienz des zukünftigen Energiesystems eine wichtige Rolle.

Deshalb ist beim Projekt von Beginn an ein enger Austausch mit 16 Partnern aus der Praxis vorgesehen, darunter Kommunen, Energieversorger und Politik. Geplant ist unter anderem eine Onlineplattform für das breite Publikum sowie Empfehlungen und Richtlinien für Entscheidungsträger.

Einzigartiges Projekt für sechs Millionen Franken

Mit Sure betreten die Forschungspartner wissenschaftliches Neuland: Diese Art von weit in die Zukunft reichenden Schockszenarien bis sogar 2050 kombiniert mit einem breit auf Indikatoren gestützten Analyseansatz gibt es für die Schweiz noch nicht. Und noch nie waren die Rechenmodelle für so unterschiedliche Aspekte wie Infrastruktur, erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit eng zu einem systemischen Ansatz miteinander gekoppelt.

Das mit sechs Millionen Schweizer Franken geförderte Projekt ist eines von vier in der ersten Ausschreibung des neuen Förderprogramms SWEET (Swiss Energy Research for the Energy Transition) des Bundesamtes für Energie.

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