Klingnau
Ein eigenes Museum für de Sede: Der Ledermöbel-Hersteller erzählt seine Geschichte

Der Ledermöbelhersteller eröffnet an seinem Firmensitz ein eigenes Museum. CEO Monika Walser sagt, wie das Unternehmen mit dem Frankenschock umging und was die Eröffnung des Showrooms in Los Angeles bedeutet.

Frederic Härri
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Museumseröffnung De Sede in Klingnau
26 Bilder
Museumseröffnung De Sede "Timeline", Klingnau Eingang zur neu eröffneten Ausstellung "Timeline" über die Geschichte des Möbelherstellers De Sede in Klingnau, am 19. Oktober 2017.
Das Sofa DS-P mit Wabenabheftung und Daunenfüllung (1971)
Monika Walser, Geschäftsführerin der de Sede Möbel AG  
Die flexible Endlossitzschlange DS-600 (1972), rechts, der zur Fussball-WM 2006 vorgestellte Sessel 9100, Mitte, und Terrazza DS-25 (von Ubald Klug, 1974) im Museum "Timeline" beim Möbelhersteller de Sede
Die Liege DS-150 von Santiago Callatrava ist ein sehr seltenes Sammlerstück
Die Liege DS-2660, kreiert von Christophe Marchand,
Die Liege DS-150 von Santiago Callatrava ist ein sehr seltenes Sammlerstück
Eingang zur neu eröffneten Ausstellung "Timeline" über die Geschichte des Möbelherstellers de Sede in Klingnau.
Showroom von de Sede
Ralf Koch, Ulrich Kössl, Monika Walser, Arben Mehmeti, v.l.n.r., an der Museumseröffnung der "Timeline"
Manager Ralf Koch an der Museumseröffnung.
Ulrich Kössl von de Sede
Arben Mehmeti, Management de Sede
Ralf Koch präsentiert die Liege DS-150, gestaltet von Santiago Callatrava und ein sehr seltenes Sammlerstück
CEO Monika Walser an der Museumseröffnung.
Entwickler Andrew Bryan führt an der Museumseröffnung beim Möbelhersteller De Sede durch die Ausstellung
Entwickler Andrew Bryan führt an der Museumseröffnung beim Möbelhersteller De Sede durch die Ausstellung
Entwickler Andrew Bryan neben der flexible Endlossitzschlange DS-600 (1972)

Museumseröffnung De Sede in Klingnau

SEVERIN BIGLER

«Wir haben vier Jahre auf diesen Tag hingearbeitet», sagt Monika Walser. Man sieht der Geschäftsführerin der de Sede AG den Stolz und die Begeisterung an. Sie hat allen Grund dazu: Der Klingnauer Hersteller für Edelmöbel aus Leder hat nun sein eigenes Museum. «De-Sede-Timeline» heisst die Ausstellung, in der die inzwischen schon 52 Jahre andauernde Firmengeschichte des Unternehmens vorgestellt wird.

Sehr seltenes Sammlerstück Die Liege DS-150 von Santiago Callatrava ist ein sehr seltenes Sammlerstück, fotografiert an der Museumseröffnung beim Möbelhersteller de Sede in Klingnau.

Sehr seltenes Sammlerstück Die Liege DS-150 von Santiago Callatrava ist ein sehr seltenes Sammlerstück, fotografiert an der Museumseröffnung beim Möbelhersteller de Sede in Klingnau.

SEVERIN BIGLER

Man wolle mit dem neu errichteten Museum die Brücke zwischen dem Traditionellen und dem Modernen schlagen, sagt Walser. Das Gezeigte sei jedoch nicht nur für Aussenstehende gedacht: «Wir wollten unsere ereignisreiche Geschichte vor allem auch für all jene festgehalten, die seit Jahrzehnten mit viel Herzblut in unserem Betrieb arbeiten.»

Bullenleder, Steve Jobs und Apple

Das Museum bietet den Besucherinnen und Besuchern einen Rundgang durch fünf Dekaden. Den Anfang macht das Jahr 1962, als die Firma von Ernst Lüthy gegründet wurde und noch ein reiner Sattlerbetrieb war. Erst drei Jahre später wurde das Familienunternehmen zur heutigen de Sede AG.

Auf den in Zickzack-Form angeordneten Informationstafeln werden nebst Bildern und Angaben zu Material, Design und Funktionalität der firmeneigenen Möbel auch weltgeschichtliche Ereignisse vermittelt. So erfährt man nicht nur, dass 1976 erstmals Bullenleder für Polstermöbel verwendet wurde, sondern auch, dass zur gleichen Zeit Steve Jobs mit Steve Wozniak und Ronald Wayne die Firma Apple gegründet hat.

Die flexible Endlossitzschlange DS-600 (1972), rechts, der zur Fussball-WM 2006 vorgestellte Sessel 9100, Mitte, und Terrazza DS-25 (von Ubald Klug, 1974) im Museum "Timeline" beim Möbelhersteller de Sede

Die flexible Endlossitzschlange DS-600 (1972), rechts, der zur Fussball-WM 2006 vorgestellte Sessel 9100, Mitte, und Terrazza DS-25 (von Ubald Klug, 1974) im Museum "Timeline" beim Möbelhersteller de Sede

SEVERIN BIGLER

Im Museum von de Sede werden auch Möbel zum Anfassen ausgestellt. Ikonische und zeitlose Modelle wie das Terrazza-Sofa, auf dem schon Mick Jagger abgelichtet wurde, oder die futuristische Calatrava-Liege laden zum Ausprobieren ein. Daneben können Besucher auch das Material und die verwendeten Werkzeuge hautnah betrachten und sich in einem Video über die aufwendigen Arbeitsprozesse informieren.

Beim Rundgang durch das Museum wird klar, dass sich über die Jahrzehnte einiges geändert hat bei de Sede. Nur eines ist konstant geblieben: Alle Produkte werden von den rund 110 Angestellten in der Klingnauer Manufaktur weiterhin in Handarbeit angefertigt. So wird auch die Handtaschenkollektion, die de Sede am 4. September auf den Markt brachte, von Hand gemacht.

Im Gegensatz zu anderen Herstellern von Handtaschen verwendet die Firma dabei kein Kalbsleder für die Verarbeitung, sondern setzt wie bei ihren Möbeln auf das stabilere Rindsleder. «Resistenz und Funktionalität sind mir auch bei den Handtaschen wichtig», sagt Monika Walser. Damit weist die Produktpalette von de Sede wohl die gleichen Eigenschaften auf wie das Unternehmen selbst: Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit.

Die «de-Sede-Timeline» präsentiert die illustre Firmengeschichte – daneben werden die Möbel ausgestellt.

Die «de-Sede-Timeline» präsentiert die illustre Firmengeschichte – daneben werden die Möbel ausgestellt.

SEVERIN BIGLER
Monika Walser, Geschäftsführerin der de Sede Möbel AG  

Monika Walser, Geschäftsführerin der de Sede Möbel AG  

SEVERIN BIGLER

Nachgefragt: «Wir sind in Klingnau zu Hause» Monika Walser, Sie produzieren in Klingnau. Ist dieser Standort unantastbar?

Im Leben ist nichts unantastbar, aber wir sind überzeugt, dass wir mit all unserem Wissen und so, wie wir aufgestellt sind, nicht zwingend an einen anderen Ort wechseln müssen. Wir sind in Klingnau zu Hause und wollen hier auch bleiben.

Hat der Frankenschock von 2015 das Geschäft beeinträchtigt?

Man kann immer jammern und jemand anderem die Schuld geben. Wir mussten uns aber so oder so neu aufstellen und unsere Abläufe effizienter gestalten. Durch den Frankenschock waren wir gezwungen, etwas schneller vorzugehen, was aber auch gut war.

Sie haben vor kurzem einen Showroom in Los Angeles eröffnet. Was ermöglicht das für de Sede?

Es ist toll, dass wir unsere ganze Palette – auch die Handtaschen und das Fashionlabel – zeigen können. Die Manufaktur für die Produkte des Modelabels ist in Los Angeles und wir präsentieren dort gleichzeitig unsere Möbel.

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