Bad Zurzach
Die Tagesstrukturen standen kurz vor dem Aus – ab 2022 übernehmen professionelle Betreiber den Cheschtenebaum

Nach der Kündigungswelle und dem Beinahe-Konkurs: Die Tagesstrukturen Cheschtenebaum in Bad Zurzach wird neu organisiert und erhält einen professionellen Träger. Das haben die Mitglieder des gleichnamigen Trägervereins am Mittwoch beschlossen. Auch soll es in wenigen Monaten finanziell wieder aufwärts gehen.

Stefanie Garcia Lainez
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Der Betreiberverein gibt bald das Zepter bei den Tagesstrukturen in Bad Zurzach ab..

Der Betreiberverein gibt bald das Zepter bei den Tagesstrukturen in Bad Zurzach ab..

Sandra Ardizzone

Die Tagesstrukturen in Bad Zurzach haben turbulente Monate hinter sich: Zuerst verliess im vergangenen Spätsommer die Hälfte der Mitarbeiterinnen den Cheschtenebaum. Danach folgte Anfang Jahr beinahe der Konkurs. Nur dank Unterstützung der Gemeinde, die eine Taskforce einsetzte, konnte das Aus verhindert werden. Nun haben die Mitglieder des Betreibervereins an der Versammlung vom Mittwoch entschieden, dass der Verein einen professionellen Betreiber als neue Trägerschaft erhalten und dessen Zweck geändert werden soll. Bereits am Donnerstag wurden die Ausschreibungen an drei mögliche künftige Träger verschickt.

Den Antrag für eine neue Trägerschaft nahmen die Mitglieder mit grossem Mehr an: Von den 37 anwesenden Stimmberechtigten stimmten 34 zu, zwei lehnten den Antrag ab, eine Person enthielt sich der Stimme. «Das war ein klares Zeichen», sagt der Bad Zurzacher Gemeindeammann Bernhard Scheuber. Der Verein zählt rund 70 Stimmberechtigte, darunter sind vor allem Eltern, aber auch Passivmitglieder.

Die drei Interessenten erhielten bereits Post

Die Arbeitsgruppe «Zukunft» der Taskforce arbeitete bereits vor der Versammlung auf Hochtouren an der Ausschreibung. Die drei nun angeschriebenen Interessenten seien bereits vorab informiert worden, sagt Bernhard Scheuber. Wer diese sind, möchte er noch nicht verraten. Nur so viel:

«Alle drei haben Erfahrungen und führen bereits Kindertagesstätten und Tagesstrukturen im Aargau.»
Bernhard Scheuber, Gemeindeammann Bad Zurzach.

Bernhard Scheuber, Gemeindeammann Bad Zurzach.

Claudio Thoma

Teil der Ausschreibung ist, dass alle Mitarbeitenden übernommen werden. «Das war uns wichtig», sagt Bernhard Scheuber. Läuft alles nach Plan, übernimmt die neue Trägerschaft per 1. Januar 2022.

An der Mitgliederversammlung gab Bernhard Scheuber zudem bekannt, dass er Vizeammann Peter Lude als Gemeindevertreter im Vereinsvorstand ersetzt. Bereits Mitte März hatte er die Leitung der Taskforce von Peter Lude übernommen. Anfang April löste Cyrill Tait als künftiger Zurzacher Gemeinderat Peter Lude ganz in der Taskforce ab.

Mit Start der neuen Gemeinde Zurzach per 2022 wird Cyrill Tait auch den Sitz im Vorstand von Bernhard Scheuber übernehmen. Seit Ende März ist bereits bekannt, dass Miriam Kessler den Cheschtenebaum nach 1,5 Jahren per Ende Juni verlässt. Seither ist sie auch nicht mehr Teil der Taskforce.

Peter Lude und Miriam Kessler standen seit vergangenem Sommer in der Kritik. Als nach dem Beinahe-Konkurs beide Teil der Taskforce waren, sorgte dies erneut für Unverständnis bei Teilen der Eltern, während andere dies begrüssten. Unterdessen ist Ruhe eingekehrt, und als Zeichen der Wertschätzung brachte der Elternrat vergangene Woche den Mitarbeitenden Gebäck vorbei.

Eingeleiteten Massnahmen sollen ab August greifen

Bernhard Scheuber erläuterte an der Mitgliederversammlung nochmals, dass sich der Gemeinderat auf ausdrücklichen Wunsch des Vorstandes eingeschaltet und daraufhin die Taskforce eingesetzt habe. Diese hat nun die strategische Leitung der Tagesstrukturen inne. «Somit teilen sich der neue Vorstand und die Gemeinde diese Aufgabe», sagt Scheuber. Denn der Taskforce gehörten nebst Gemeindeschreiber Daniel Baumgartner, dem Ammann als Leiter und dem externen Berater Sergio Tassinari sämtliche Vorstandsmitglieder an.

Kritische Fragen gab es auch zur Rechnung 2020 mit einem Defizit im sechsstelligen Bereich und dem Budget 2021, das ebenfalls von einem Minus ausgeht. Bernhard Scheuber versichert aber: «Ab August rechnen wir wieder mit schwarzen Monatszahlen.»

Denn ab diesem Zeitpunkt sollen die Massnahmen greifen, welche die Taskforce beschlossen hatte. Nebst drei Kündigungen und Pensumsreduktionen wurden auch die Tarife erhöht. So zahlen Eltern beispielsweise für einen Betreuungstag in der Kita neu 110 statt 105 Franken.