Lengnau
Anwohner laufen Sturm gegen die Eventhalle – «eine leidige Geschichte»

Hochzeiten statt Tennis: Der Lärmstreit zwischen den Bewohnern eines Lengnauer Quartiers und des Hallenbesitzers hört nicht auf. Anwohner fühlen sich nicht ernst genommen. Einige von ihnen seien bereits weggezogen.

Stefanie Garcia Lainez
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Grosse Diskussionen um die Nutzung der Tennishalle in Lengnau.

Grosse Diskussionen um die Nutzung der Tennishalle in Lengnau.

Alex Spichale

Es ist bereits das zweite Umnutzungsgesuch, und das zweite Mal, dass die Anwohner Sturm laufen: Die frühere Lengnauer Tennishalle soll nur noch als Eventhalle genutzt werden. Hochzeiten mit mehreren hundert Gästen finden bereits statt, vorgesehen sind auch Seminare, Geschäftsanlässe, Konzerte oder Bankette. Gegen das erste Umnutzungsgesuch von 2019, das danach sistiert wurde, gingen mehrere Einwendungen ein, darunter eine Sammeleinwendung mit 51 Unterschriften von Anwohnern des Steigquartiers. Auch beim zweiten Anlauf gingen mehrere Einwendungen ein, und wiederum eine Sammeleinwendung mit 44 Unterschriften.

Gemäss neuem, nachgebessertem Gesuch möchte Hallenbesitzer Tahir Fesli unter anderem das Dach sowie alle Fensterdichtungen ersetzen und die Aussenwände der 1984 erstellten Halle sanieren, um die Lärmemission zu reduzieren. Ab 22 Uhr sollen zudem Fenster und Türen geschlossen werden. Für Anwohner des Steigquartiers ist das nicht genug. «Eine 36 Jahre alte Tennishalle ist und bleibt ein altes Gebäude und ist kaum so aufzurüsten, dass sie die Stärke der heutigen Musikanlagen auffangen kann», heisst es in einem Schreiben mehrerer Anwohner. Sie fühlen sich und ihre Einsprachen vom vergangenen Jahr nicht ernst genommen.

«Musik jedes Wochenende: das halten wir nicht aus»

Teilweise mache sich Verzweiflung breit, ergänzt eine Anwohnerin. «Unterdessen steht ein Haus leer, ein zweites steht zum Verkauf, und eine dritte Person ist aus der Wohnung ausgezogen, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat – wegen des konstanten Lärms», ist sie überzeugt. Das Quartier habe nichts gegen vereinzelte Partys oder Hochzeiten, so wie es früher der Fall war. «Aber jedes Wochenende diese Bässe, Trommelschläge und Musik zu hören, das halten wir nicht aus.» Die Polizei sei schon verschiedentlich gerufen worden, weil bei vielen Hochzeitsfeiern, die im vergangenen Jahr fast jedes Wochenende stattfanden, die Nachtruhe nicht eingehalten worden sei. Dasselbe Problem habe es schon beim Vorbesitzer gegeben. Deshalb habe es bei der Erweiterung der Nutzung 2007 bereits zahlreiche Einsprachen gegeben. «Es ist also eine unendlich lange und leidige Geschichte.»

Über den Lärmbericht sind die Anwohner enttäuscht. Zum einen, da ihr Quartier gar nicht berücksichtigt wurde. Zum anderen, weil die Raucherecke zur Entlastung der zwei Wohnungen und des Einfamilienhauses westlich der Halle neu auf der Ostseite geplant ist – wie im Lärmbericht zwar empfohlen, aber in Richtung Steigquartier. Auch zweifeln die Anwohner daran, dass der Richtwert von maximal 86 Dezibel ab 22 Uhr eingehalten werden kann. «Jeder bringt aber seine eigene Musikanlage mit – wie soll so die Lautstärke kontrolliert und begrenzt werden?», fragt sich die Anwohnerin. Und zur Massnahme, mit einem privaten Ordnungsdienst dafür zu sorgen, dass in der Nacht die Gäste gestaffelt das Industriegebiet verlassen, schreiben die Anwohner: «So fahren über Stunden Autos mit zum Teil röhrenden Auspuffen weg.»

Besitzer will mehr als nötig in Sanierung investieren

Projektleiter und Bauingenieur Mehmet Balaban wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Tahir Fesli ist es sehr wichtig, zu koo- perieren.» Der Hallenbesitzer habe bereits verschiedene Massnahmen umgesetzt. So wurden die Bühne und die Boxen neu in Richtung Surb ausgerichtet und Anlässe mit DJ's seien bis zur abgeschlossenen Sanierung nicht zugelassen. «Zu Lärmbussen seitens der Polizei ist es bis jetzt nicht gekommen», stellt Mehmet Balaban klar. Seit über einem Jahr hat die Halle einen neuen Mieter, der mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich Catering und Veranstaltungen habe. Seither würde vieles super laufen, die Auflagen seitens des Eigentümers würden strikt umgesetzt. Auch habe Tahir Fesli rund 50'000 Franken in Lärmgutachten investiert.

Dass das Steigquartier nicht im Gutachten miteinbezogen wurde, habe mit den gesetzlichen Grundlagen zu tun. «Die Wohnung an der Weststrasse 7 liegt gleich neben der Halle und ist somit am stärksten betroffen», erklärt Mehmet Ba­laban. Könnten alle Auflagen im Zusammenhang mit dieser ­Wohnung erledigt werden, seien sie auch für weiter entferntere Häuser erfüllt. «Mit geschlossenen Fenstern und Türen könnten die Lärmgrenzwerte bereits eingehalten werden», sagt er. «Dennoch möchte Tahir Fesli mehr umsetzen als gesetzlich nötig und die Halle für viel Geld sanieren.»