Bad Zurzach

Überbauung im Schlosspark: Der Gemeinderat zieht die Planungs-Bremse

Der Gemeinderat hat im Schlosspark eine Planungszone erlassen – damit liegt das grosse Überbauungsprojekt der Antonie-Deusser-Stiftung nun auf Eis. Lieber wäre dem Gemeinderat, der Park bliebe den Bad Zurzachern als Naherholungsgebiet erhalten.

Als die Antonie-Deusser-Stiftung letzte Woche zur Pressekonferenz lud, hing der Himmel über Bad Zurzach noch voller Geigen. Zusammen mit dem zuständigen Architekturbüro präsentierte die Stiftung nicht nur die Sanierungs- und Umbaupläne für das leer stehende Schloss, in welchem drei Wohnungen entstehen sollen. Sie stellte auch das Projekt «Wohnen im Park» vor: Im Schlosspark sollen vier Mehrfamilienhäuser mit rund 40 Wohnungen entstehen. Das Baugesuch für letztere hatte die Stiftung vor Weihnachten bei der Gemeinde eingereicht. Man arbeite konstruktiv mit den Behörden zusammen, hiess es.

Marschhalt wegen Planungszone

Nun macht der Gemeinderat der Stiftung einen dicken Strich durch die Rechnung: Diese Woche verhängte sie eine Planungszone über drei Parzellen im Schlossparkgebiet, welche nach rechtsgültiger Bau- und Nutzungsordnung in der Bauzone liegen. Betroffen ist just diejenige Parzelle, auf der heute das Mehrfamilienhaus Barzstrasse 10 steht – und auf der in gut zwei Jahren die neuen Wohnblöcke hätten stehen sollen.

Vorerst liegt das Projekt wegen der Planungszone aber auf Eis, denn: Der Gemeinderat will keine Überbauung, er prüft vielmehr die Erhaltung und Ausweitung des Schlossparks als Naherholungsgebiet.

Überrascht vom Vorgehen des Gemeinderats ist Deusser-Stiftungsratspräsident Marco Bottani: «Ich bin sprachlos», sagt er. Zwar habe man gemerkt, dass der Gemeinderat lieber wie bisher einen öffentlichen Park mit Museum und Café im Schloss gehabt hätte. Dennoch sei er sehr erstaunt gewesen, als ihm Ammann Reto S. Fuchs am Donnerstag den Entscheid des Gemeinderats mitgeteilt habe.

Bottani betont: «Verärgert bin ich nicht – das ist eben ein demokratischer Prozess. Wenn die Einwohnergemeinde einen Schlosspark will, dann muss sie das Geld dafür bereitstellen und uns enteignen.» Die Stiftung werde den Planungszonenerlass aber mit Sicherheit anfechten.

Die Bauprofile stehen bereits

Weniger diplomatisch drückt sich Architekt Walter Tschudin vom Brugger Architekturbüro Tschudin + Urech AG aus. «Das widerspricht dem Grundsatz von Treu und Glauben», sagt er. «Die Planungszone wirkt sofort und blockiert das ganze Überbauungsprojekt. Wir haben in Absprache mit der Gemeinde vor den Festtagen die Baupläne eingereicht und vor einer Woche die Profile aufgestellt - da war von Seiten des Gemeinderats noch kein Widerstand zu spüren.» Ausserdem hätte der Gemeinderat ein Jahr Zeit gehabt, um Schloss und Park zu kaufen, wenn ihm so viel daran liege, sagt Tschudin.

Ammann Reto S. Fuchs war am Freitagmittag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In einem Interview mit der az im Dezember sagte er jedoch, es sei nicht Sache der Einwohnergemeinde, das Schloss zu kaufen.

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