Bad Zurzach

Superhelden-Autor Steven Schneider: «Mein Buch ist das Gegenstück zu Trump und Co.»

Selbstironisch und inspirierend - Steven Schneider hat ein Buch für und über Männer geschrieben.

Selbstironisch und inspirierend - Steven Schneider hat ein Buch für und über Männer geschrieben.

Steven Schneider aus Bad Zurzach gibt in seinem neuen Buch «Wir Superhelden» Einblick in die Männerseelen — Denn die männliche Spezies wird aussterben. Allerdings erst in zwei Millionen Jahren.

Braucht es Männer in der Zukunft überhaupt noch? Rein biologisch nicht, findet Autor Steven Schneider gleich am Anfang seines neuen Buchs «Wir Superhelden» mit dem Untertitel «Kleiner Kursus für Kerle zu Liebe und Leben» heraus.  

Er unterhält sich mit dem Leiter eines Kinderwunschzentrums. Und dieser bezeugt, dass die Qualität der männlichen Samenflüssigkeit laufend abnimmt und immer weniger zur Fortpflanzung taugt. Deshalb arbeitet die Forschung an der Entwicklung von Stammzellen, die selber Spermien produzieren. Experten-Berichte und Chromosomen-Berechnungen zeigen ganz klar auf: Die männliche Spezies wird aussterben. Allerdings erst in zwei Millionen Jahren. Doch Schneider findet: «Aussterben ist auch keine Lösung».

In der Folge setzt er sich intensiv mit dem Mann auseinander. Vor allem mit seinem Verbesserungspotenzial. Dafür erzählt er mit viel ironischer Selbstreflexion über seine eigenen Lebenserfahrungen auf der Suche nach seiner eigenen Identität und der Liebe.

Von Versagensängsten, Liebeskummer und Notlügen ist die Rede. Doch das ist längst nicht alles. Im Gespräch mit zwölf prominenten Zeitgenossen versucht der Autor, den Kernfragen des Lebens und der Männlichkeit auf die Spur zu kommen.

Gespräche mit Erfinder der Lila-Milchkuh und Geri Müller

Mit Psychotherapeut, Gemeinderat und Buchautor Peter Lude spricht Schneider übers «Anfangen», das oft so viel Überwindung kostet. Lude ist seit einem Unfall querschnittgelähmt. Er war gezwungen, nochmals völlig neu anzufangen und hat sich ins Leben zurückgekämpft.

Mit Outplacement-Berater Riet Grass diskutiert Schneider über das «Scheitern» und die Angst vor dem Versagen. Der Familienvater wurde einst aus einer höheren Kaderposition entlassen und gilt als Pionier des sogenannten «Outplacement». Sein Buch «Das Glück des Scheiterns» wurde ein Bestseller.

Besonders eindrücklich ist ein Gespräch über das «Zweifeln» mit Marcel Bosshard. Der früher erfolgreiche Werbeberater und Erfinder der Lila-Milchkuh fand über Nacht zum Glauben und verschenkte sein ganzes Vermögen. Seit 30 Jahren lebt er als Bruder Magnus hinter Klostermauern. Bereut hat er diesen drastischen Schritt nie. Trotzdem ist er kein hingebungsvoller Gläubiger, sondern immer ein Zweifler geblieben.

Geri Müller, den ehemaligen Badener Stadtammann, hat sich Schneider als Interviewpartner zum Thema «Achten» ausgesucht. Was bedeutet Respekt, Achtung und Liebe für jemanden, der einst zum Gespött einer ganzen Gesellschaft wurde? Paartherapeut Klaus Heer nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um männliche Sexualität geht. Da sei noch viel Entwicklungspotenzial vorhanden, findet der Experte. Seine Worte: «Von Zeit zu Zeit muss ein Mann ein Update herunterladen.»

Totale Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau

Auch Tagesschau-Chef Urs Leuthard, Automobilrennfahrer Marcel Fässler kommen unter anderem in «Wir Superhelden» zu Wort. Als Ergänzung gibt es Arbeitsblätter wie einen Streitfragebogen. Zudem wird häppchenweise die klassische Heldenreise nach Joseph Campells Buch «The Hero with the Thousand Faces» erzählt. Sie dient seit Jahren als Grundlage für jedes gute Storytelling und ist ein Spiegel der menschlichen Seele. Es geht dabei immer um dasselbe: Der wahre Held besiegt seine grössten Dämonen, in dem er sich seinen inneren Ängsten stellt und sie überwindet.

Die Quintessenz des Buches ist denn gemäss Schneider auch: «Wir Männer sollten – und vor allem können – über uns hinauswachsen und uns verändern.» Die «MeToo»-Debatte war ein wichtiger Zündfunke, um «Wir Superhelden» zu schreiben.

Für Schneider gibt es nur eine Lösung: die totale Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. «Da hinken wir in der Schweiz leider noch gewaltig hinterher.» Noch schlimmer seien aber die globalen Machos, die heute die internationale Politik beherrschen. «Mein Buch ist das Gegenstück zu Figuren wie Trump und Co.», sagt Schneider bestimmt. Bereits 15 Lesungen hat er hinter sich, über 20 stehen noch bevor. Im Publikum sitzen vor allem Frauen. Aber immer auch einige Männer. Einer gestand ihm vor kurzem: «In meinem Leben ist nach dem Lesen des Buchs ein Fenster aufgegangen.»

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