Endingen

Postauto-Drama mit zwei Toten: Lastwagen-Chauffeur akzeptiert zwei Jahre bedingt

2 Jahre bedingt für Lastwagenfahrer

2 Jahre bedingt für Lastwagenfahrer

Ende 2014 geriet im Surbtal ein Lastwagen auf die Gegenfahrbahn und prallte in ein Postauto. Zwei Personen kamen dabei ums Leben.

Der Lastwagenfahrer des Postautounfalls im Surbtal von 2014 zieht das Urteil des Bezirksgerichts nicht weiter.

Das Bezirksgericht Zurzach sprach im März 2017 den Lastwagen-Chauffeur schuldig der mehrfachen fahrlässigen Tötung, der mehrfachen fahrlässigen Körperverletzung sowie des Nichtbeherrschens des Fahrzeugs. Mit dem einstimmig gefällten Urteil folgte das fünfköpfige Bezirksgericht den Anträgen des Staatsanwalts und verurteilte den 26-jährigen Schweizer zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren und einer Busse von 5000 Franken. 

Nun steht fest: Der Chauffeur zieht das Urteil nicht weiter ans Aargauer Obergericht, sondern akzeptiert die Strafe, wie sein Verteidiger gegenüber dem Regionalsender Tele M1 sagt. 

Kollision vermeidbar

Bei der Urteilsbegründung sagte der Gerichtspräsident, der Chauffeur habe die Kontrolle über den Anhängerzug verloren. Der Mann sei genügend geschult gewesen, sich auch in heiklen Situationen richtig zu verhalten. Es wäre möglich gewesen, die Kollision zu vermeiden.

Todes-Lastwagenfahrer vor Gericht

Der Lastwagenfahrer vor Gericht (22. März 2017)

Vor Gericht gab der Lastwagen-Chauffeur an, sich an nichts erinnern zu können. 

In den schweren Verkehrsunfall waren am frühen Morgen des 11. November 2014 der Anhängerzug, ein Postauto und ein Personenwagen verwickelt gewesen. Im Postauto starben eine 18-jährige Frau und ein 24-jähriger Mann. Zwei Monate vor dem Unglück hatte der Mann geheiratet - und er war zwei Wochen vor dem Drama Vater eines Mädchens geworden.

Zwei weitere Insassen des Postautos wurden schwer verletzt. Im Auto, das hinter dem Postauto fuhr, erlitten zwei jüngere Menschen schwere Verletzungen. Der Chauffeur des Postautos und der Lastwagenfahrer blieben unverletzt.

"Es ging alles so schnell"

Bei der Befragung vor dem Bezirksgericht sagte der Angeklagte: "Es ging alles so schnell." Er könne sich nicht mehr an die Details erinnern. Der unscheinbar und gehemmt wirkende Mann sprach mit einer Bubenstimme.

Ein Gutachten zeigte auf, wie es genau zum Unfall kam. "Es ist möglich, dass ich so gehandelt habe", gab der Mann zu Protokoll. Er zeigte bei der Befragung wenig Einsicht - anerkannte jedoch die durch ein Gutachten erhärteten Tatsachen: Er allein verursachte den schweren Verkehrsunfall.

Erst kurz vor dem Prozess schickte er den Angehörigen und den Verletzten ein Kärtchen: "Es tut mir leid, was passiert ist." Der Mann, der auch in der Armee Lastwagen fährt, arbeitet zur Zeit des Prozesses bei einem anderen Transportunternehmen. Den Führerausweis hatte er vorsorglich für sechs Wochen abgeben müssen.

Auf die Gegenfahrbahn geraten

Der Berufschauffeur war mit dem 25 Tonnen schweren Anhängerzug kurz vor 6 Uhr in einer langgezogenen Linkskurve zwischen Lengnau und Endingen leicht über den rechten Fahrbandrand hinaus und in die angrenzende Wiese geraten. Die Fahrgeschwindigkeit betrug 78 Kilometer pro Stunde.

Danach versuchte er, durch eine stärkere Lenkbewegung nach links den Lastwagen wieder vollständig auf die Fahrbahn zu bringen. Er geriet auf die Gegenfahrbahn und kollidierte seitlich mit dem korrekt entgegenkommenden Postauto. Nach der Streifkollision mit dem Postauto prallte der Lastwagen seitlich frontal in einen Personenwagen. (sda/pz)

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