Radsport

In Endingen zu Hause: Jean-Claude Leclercq war schon 31 Mal an der Tour de France

Jean-Claude Leclercq gewann unter anderem 1987 den Klassiker Flèche Wallonne. Heute fährt er noch immer gerne Rad, einfach spasseshalber.

Jean-Claude Leclercq gewann unter anderem 1987 den Klassiker Flèche Wallonne. Heute fährt er noch immer gerne Rad, einfach spasseshalber.

Der ehemalige französische Radprofi Jean-Claude Leclercq kommentiert für Eurosport das weltbekannte Rennen.

Mit über 3300 Radkilometern in den Beinen wird am Sonntag auf der Avenue des Champs-Élysées der Gewinner der 105. Tour de France erkoren. Bei der Siegerehrung in Paris wird auch der ehemalige französische Radprofi Jean-Claude Leclercq (56) dabei sein. Im Unterschied zu den Athleten wird Leclercq, der seit bald 30 Jahren in Endingen zu Hause ist, die Kilometer aber im Auto zurückgelegt haben: Gemeinsam mit dem ehemaligen deutschen Amateur-Radrennfahrer Karsten Migels kommentiert er als Experte für die deutsche Ausgabe des Sportsenders Eurosport die Tour de France.

«Nach dem Zeitfahren am Samstag werden wir von Espelette direkt nach Paris fahren», sagt Leclercq. Um anderntags rechtzeitig das Geschehen der 21. und letzten Etappe kommentieren zu können, werden die beiden die rund 900 Kilometer in der Nacht zurücklegen. «Das wird ganz schön anstrengend, aber wir freuen uns auf die Schlussetappe.»

Für Leclercq ist es die insgesamt 31. Tour de France, die am Sonntag zu Ende geht: Sechs fuhr er in seinen Profijahren von 1984 bis 1993 selber mit. Zwischen 1993 und 2010 berichtete er als Experte für das Schweizer Fernsehen, seit 2011 ist er für Eurosport tätig. Wenn Leclercq kommentiert, fährt er entweder mit dem Auto von Etappe zu Etappe und berichtet live vom Zielort oder von einem Eurosport-Studio in Europa. Bei Terminkollisionen ermöglicht die moderne Technik auch andere Übertragungsmethoden.

Aargau ist zur Heimat geworden

Seit 1989 wohnt Jean-Claude Leclercq im Zurzibiet. Nach Endingen zog es ihn, weil er ein eigenes Haus erwerben wollte. Mittlerweile ist der Aargau zu seiner Heimat geworden: «Ich fühle mich hier sehr wohl.» Ihm gefällt es so gut, dass er sich einbürgern möchte. Im Winter wird die Gemeindeversammlung über sein Gesuch entscheiden. Zu Leclercqs grössten Erfolgen zählen die Siege beim klassischen Eintagesrennen Flèche Wallonne 1987, bei den Französischen Meisterschaften 1985 und der zweite Rang beim Radrennen Lüttich–Bastogne–Lüttich 1990.

Ob ihm beim Verfolgen der Tour de France der Adrenalin-Spiegel zwischendurch nicht auch ansteigt? Leclercq winkt ab und sagt mit einem Lachen: «Das passiert mir nicht mehr, das Alter geht nicht spurlos an mir vorbei. Mit dem Spitzensport habe ich abgeschlossen.» Er fahre zwar noch immer sehr gerne Rad, aber einfach spasseshalber. Beispielsweise nimmt er das Velo zum Einkaufen, wenn er nach einer TV-Übertragung den Kopf lüften will oder wenn er mit Kollegen eine Tour im Schwarzwald unternimmt. Freude bereitet Leclercq aber jeweils, wenn ein Radrennfahrer, den er selber kennt, eine gute Leistung abliefert. «Als etwa Michael Schär bei der 13. Etappe nach Valence einer Fluchtgruppe angehörte, fieberte ich mit ihm mit. Obwohl er kurz vor dem Ziel als letzter Ausreisser aufgeben musste, hat er eine super Performance geliefert!»

Leclercq bezeichnet es als einen sehr schönen Beruf, als Radexperte für das Fernsehen tätig zu sein: «Die Arbeitstage sind zwar sehr lang. Auch ist es nicht immer einfach, ständig spannende Geschichten über die Teams und die Fahrer parat zu haben. Dennoch bereitet das Kommentieren Spass.» Mit seiner Erfahrung könne er die taktischen Überlegungen der Teams meist richtig voraussagen. «Viele technische Leiter kenne ich noch von früher. Ich weiss, wie sie ticken.» Dennoch gebe es unbekannte Faktoren wie Stürze, Tagesform oder Witterungseinflüsse, die er nicht vorhersehen könne. «Der Radsport ist keine exakte Wissenschaft. Als Experte versuche ich, das Geschehen bestmöglich einzuordnen und die Zuschauer mit spannenden Hintergrundinformationen zu beliefern.»

Wer wird seiner Meinung nach die Tour de France gewinnen? «Das ist eine Frage, die schwierig zu beantworten ist», sagt er. Stelle das Team Sky mit den Briten Geraint Thomas und Chris Froome doch die ersten beiden im derzeitigen Gesamtklassement. «Es wird sich zeigen, ob sich die Stallorder durchsetzt oder der Ehrgeiz eines einzelnen Athleten», so Leclercq.

In Paris den Geburtstag feiern

Nach fast vier Wochen ist der Vater erwachsener Kinder froh, dass die Tour de France am Sonntag zu Ende geht: «Es war eine schöne, aber intensive Zeit.» Als Abschluss des bekanntesten Radsportevents der Welt reisen seine Mutter und enge Freunde aus dem Aargau am Sonntag nach Paris. Gemeinsam feiern sie Jean-Claude Leclercqs Geburtstag, der – wie bereits 30 Mal zuvor – auf die Zeit während der Tour de France fällt.

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