Döttingen/Spreitenbach

Corona-Fall von Spreitenbach: Warum ist der Wohnort des infizierten Kindergarten-Lehrer relevant?

Ein 31-jähriger Kindergarten-Lehrer, der in Spreitenbach arbeitet, hat sich mit dem Corona-Virus infiziert. (Symbolbild)

Ein 31-jähriger Kindergarten-Lehrer, der in Spreitenbach arbeitet, hat sich mit dem Corona-Virus infiziert. (Symbolbild)

Ein Kindergarten-Lehrer, der in Spreitenbach arbeitet, hat sich vor einer Woche mit dem Corona-Virus (COVID-19) infiziert. Der Kanton veröffentlichte die Wohngemeinde des 31-jährigen. In Döttingen zeigt man dafür kein Verständnis.

In Döttingen war gestern einiges los. Beherrschendes Thema: Der im Ort wohnhafte 31-jährige Kindergarten-Lehrer, der sich mit dem Corona-Virus angesteckt hat und in Spreitenbach arbeitet (die AZ berichtete).

Die Unsicherheit in der Gemeinde ist gross. In den Einkaufsläden gab es an den Kassen lange Schlangen. Ihr mache das ganze Angst, sagte eine Frau. Ihr Wagen war vollbepackt mit diversesten Grundnahrungsmitteln. Dass die Leute verunsichert sind, kann Gemeindeammann Peter Hirt gut nachvollziehen. Weniger Verständnis bringt er dafür auf, was zu diesem Verhalten geführt haben dürfte. Hirt macht die Kommunikation des Kantons verantwortlich.

Erstmals seit Ausbruch der Krankheit wurde der Wohnort einer positiv getesteten Person bekannt gegeben. Der Ammann versteht nicht, weshalb die zuständigen Stellen in ihrer Mitteilung die Wohngemeinde des Kindergärtners erwähnt haben. «Das tue nichts zur Sache», findet Hirt. «Ich bin darüber masslos verärgert.»

Ebenfalls irritiert zeigt sich Res Fankhauser, Schulleiter Kindergarten und der Primarschule in Döttingen. Er wolle den Fall nicht dramatisieren, doch im Ort sei damit Unruhe entstanden. Fankhauser musste einige besorgte Eltern via E-Mail und am Telefon beruhigen, weil sie unsicher waren, ob der Kindergärtner auch in Döttingen tätig sei.

Kanton entscheidet von Fall zu Fall

Der Kanton begründet sein Vorgehen wie folgt: «Bei der Kommunikation von Infektionen mit dem Corona-Virus ist auf der einen Seite eine offene und transparente Kommunikation gefordert, um Gerüchten und Spekulationen vorzubeugen. Auf der andern Seite ist die Privatsphäre der Betroffenen so weit als möglich zu schützen», sagt Jelena Teuscher, Sprecherin des Departements Gesundheit und Soziales (DGS).

Peter Hirt hätte sich gewünscht, wenn nach diesen Richtlinien informiert werde, die entsprechende Gemeinde ebenfalls davon erfahre. «Bei uns hat sich aber bis heute niemand gemeldet.» Beim DGS heisst es dazu: «Im Falle von Spreitenbach mussten zwingend der Doppelkindergarten in Spreitenbach und der Beruf des Betroffenen kommuniziert werden.» Um weiteren Gerüchten und Spekulationen vorzubeugen, sei auch der Wohnort erwähnt worden. Die Kommunikation im Zusammenhang mit Corona-Virus-Infektionen müsse in jedem Fall einzeln beurteilt werden. «Dabei fliessen die bisherigen Erfahrungen, Reaktionen und Entwicklungen in den Entscheidungsprozess ein.»

Peter Hirt sieht dies anders: Er bezeichnet die Öffentlichkeitsarbeit des DGS in diesem Fall als einen Lapsus.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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