Postauto-Chauffeur

«An gewissen Orten müssten die Strassen breiter sein»

Postauto-Chauffeur Roger Fricker erlebte selbst schon brenzlige Situationen auf der Strasse.

Postauto-Chauffeur Roger Fricker erlebte selbst schon brenzlige Situationen auf der Strasse.

Trotz des tragischen Unfalls mit zwei getöteten Postauto-Passagieren ist der öffentliche Verkehr in der Schweiz sehr sicher. Darin sind sich die Experten einig. Ein Gurtenobligatorium oder breitere Strassen bringen nicht zwingend eine Verbesserung.

Nach dem schweren Unfall zwischen einem Postauto, einem Lastwagen und einem Personenwagen in Endingen, bei dem zwei Personen ums Leben kamen, stellt sich die Frage nach der Sicherheit im öffentlichen Verkehr und im Speziellen bei Postautos.

Diese seien grundsätzlich sehr sicher unterwegs, erklärte Bernhard Gerster, Experte für Fahrzeugsicherheit, in der Tele-M1-Sendung TalkTäglich. «Wir fahren Millionen von Kilometern unfallfrei. Wenn dann so etwas passiert, schauen natürlich alle hin.» 

TalkTäglich am Unglückstag zum Thema Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln. Es diskutieren Patrick Zingg, Vorgesetzter des verunfallten Postauto-Chauffeurs, Roger Fricker, Postauto-Chauffeur, und Bernhard Gerster, Experte für Fahrzeugsicherheit (v.l.).

TalkTäglich am Unglückstag zum Thema Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln. Es diskutieren Patrick Zingg, Vorgesetzter des verunfallten Postauto-Chauffeurs, Roger Fricker, Postauto-Chauffeur, und Bernhard Gerster, Experte für Fahrzeugsicherheit (v.l.).

Ausserdem werden alle Fahrzeuge regelmässig gewartet und die Chauffeure besuchen regelmässig Sicherheitskurse. Das bestätigt auch Postauto-Chauffeur Roger Fricker: «Innerhalb von vier Jahren sind das 35 Stunden Schulung.» Er selber habe diese auch absolviert. «Berufschauffeure müssen das ja. Privatchauffeure machen einmal die Prüfung und fahren dann ein Leben lang.»

Enge Fahrbahn gleich hohe Aufmerksamkeit

Die Frage, ob die Fahrbahn zwischen Lengnau und Endingen, wo sich der Unfall ereignete, zu eng ist, lässt sich derzeit nicht beantworten. «Zuerst muss man mal den Unfallbericht der Behörden abwarten», meint Patrick Zingg, Leiter der Postauto-Filiale Aarau, zu der auch das Unfallfahrzeug gehört.

«An gewissen Orten müssten die Strassen sicher breiter sein», findet Roger Fricker. «Der Kanton Aargau ist daran das anzupassen.»

Der Chauffeur und ehemalige Aargauer Grossrat spricht aus Erfahrung und hat selbst auch schon brenzlige Situationen auf der Strasse erlebt. 

TalkTäglich am Unglückstag zum Thema Strassenbreite. Es diskutieren Patrick Zingg, Vorgesetzter des verunfallten Postauto-Chauffeurs, Roger Fricker, Postauto-Chauffeur, und Bernhard Gerster, Experte für Fahrzeugsicherheit (v.l.).

TalkTäglich am Unglückstag zum Thema Strassenbreite. Es diskutieren Patrick Zingg, Vorgesetzter des verunfallten Postauto-Chauffeurs, Roger Fricker, Postauto-Chauffeur, und Bernhard Gerster, Experte für Fahrzeugsicherheit (v.l.).

Eine breitere Fahrbahn bedeutet ausserdem nicht automatisch mehr Sicherheit. Sicherheitsexperte Gerster: «Die Aufmerksamkeit wird grösser, wenn die Strasse enger wird. Es gab Untersuchungen bei Baustellen, wo es tatsächlich zu weniger Unfällen kam.» Allerdings sei es ein Unterschied, ob die Aufmerksamkeit für wenige Sekunden oder für eine halbe Stunde erhöht werden muss. 

Gurtentragpflicht unrealistisch

Ohne ausführlichen Unfallbericht lässt sich auch nicht sagen, ob die getöteten Fahrgäste überlebt hätten, wenn sie angegurtet gewesen wären. Ein Gurtenobligatorium in Postautos ist für Patrick Zingg schwer vorstellbar: «Wir haben Stehplätze und müssen diese in der Hauptverkehrszeit auch anbieten.» 

TalkTäglich am Unglückstag zum Thema Gurtentragpflicht in Postautos. Es diskutieren Patrick Zingg, Vorgesetzter des verunfallten Postauto-Chauffeurs, Roger Fricker, Postauto-Chauffeur, und Bernhard Gerster, Experte für Fahrzeugsicherheit (v.l.).

TalkTäglich am Unglückstag zum Thema Gurtentragpflicht in Postautos. Es diskutieren Patrick Zingg, Vorgesetzter des verunfallten Postauto-Chauffeurs, Roger Fricker, Postauto-Chauffeur, und Bernhard Gerster, Experte für Fahrzeugsicherheit (v.l.).

Roger Fricker sieht dies ebenso und sieht die Passagiere bei vorhandenen Gurten in der Eigenverantwortung. Der Chauffeur gibt zu bedenken: «Wenn es Pflicht wird, sind die Fahrzeiten nicht mehr machbar.»

In der Schweiz gilt das Gurtenobligatorium für Reisecars, nicht aber für den öffentlichen Nahverkehr. Das verunfallte Fahrzeug verfügte über Sitzgurte, weil es auch für Extrafahrten verwendet wird.

139 Millionen Fahrgäste pro Jahr

Einen unfallsicheren Platz im Postauto gibt es nicht. «Sitzt man rückwärts, hat man sicher gute Karten», erklärt Sicherheitsexperte Gerster. «Allerdings nur, wenn sich die Person gegenüber ebenfalls angurtet.»

Eine Statistik über die Gurtentragrate in Bussen und Postautos und deren Wirksamkeit gibt es laut Gerster nicht. Dies nicht zuletzt deswegen, weil es nur selten zu solch schweren Unfällen wie jenem in Endingen kommt, betont Patrick Zingg: «Wir befördern 139 Millionen Fahrgäste pro Jahr. 2012 und 2013 hatten wir keinen einzigen Todesfall zu beklagen. Der ÖV ist wirklich sehr, sehr sicher.» (cze)

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