Zetzwil
Hoffnung «Mairüti»: Sie kämpfen für 62,5 Aren Bauland

Das sind die Beweggründe der IG ländliches Wohnen Zetzbu. Sie erzwang mit einer Unterschriftensammlung die «Marirüti»-Abstimmung.

Cynthia Mira
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Die Kerngruppe der IG ländliches Wohnen Zetzbu. Diese kämpft dafür, dass die Wiese ob Zetzwil nicht ausgezont wird, sondern mit Einfamilienhäusern überbaut werden kann.

Die Kerngruppe der IG ländliches Wohnen Zetzbu. Diese kämpft dafür, dass die Wiese ob Zetzwil nicht ausgezont wird, sondern mit Einfamilienhäusern überbaut werden kann.

Cynthia Mira / Aargauer Zeitung

Dem Kanton die Stirn bieten: Das tun derzeit sieben Einwohner von Zetzwil, indem sie weiter dafür kämpfen, dass auf dem Landstück «Mairüti» dereinst Einfamilienhäuser stehen. Sie wollen die zwei Parzellen, über die seit Monaten diskutiert wird, weiterhin als Bauland deklarieren. Der Gemeinderat beantragte an der Gemeindeversammlung im Juni die Auszonung der 6255 Quadratmeter. Der Hang soll der Landwirtschaftszone zugeteilt werden.

Zwei Drittel der 86 anwesenden Stimmbürger stimmten diesem Antrag zu. Die Gegner aber ergriffen das Referendum und reichten 318 Unterschriften ein. Sie schlossen sich zur Interessengemeinschaft ländliches Wohnen Zetzbu zusammen. Unter ihnen sind auch die Eigentümer der beiden Parzellen. Das Ziel: Die Abstimmung am 26. September gewinnen. Es sei ihre letzte Chance.

«So verbaut man den Jungen den Traum vom Haus»

Mit Begehungen am 18. und 21. August will die Gruppe Interessenten den Hang zeigen und über den Sachverhalt informieren. Denn die Auszonungsfrage habe für Verwirrung gesorgt. «Eigentlich heisst die Zone nicht mal ‹Mairüti›, schon das ist falsch, die Parzellen befinden sich im ‹Chilacher›», sagt IG-Mitglied Ursula Morgenegg.

«Mit dem Gebiet ‹Mairüti› verbinden die Menschen im Dorf den Bauernhof weiter oben.»

In der Folge würden viele davon ausgehen, dass es sich um ein Landstück dort oben handle. Aber es gehe um eine Wiese, die direkt am Dorfrand liege und an bestehenden Gebäuden angrenze. «Es macht überhaupt keinen Sinn, diese auszuzonen.»

Die Diskussionen über diese Wiese am Dorfrand dauern schon seit Monaten an. Die IG will, dass Einfamilienhäuser gebaut werden können.

Die Diskussionen über diese Wiese am Dorfrand dauern schon seit Monaten an. Die IG will, dass Einfamilienhäuser gebaut werden können.

Cynthia Mira / Aargauer Zeitung

Dieser Meinung ist auch der 26-jährige Marc Hunziker. Er sagt:

«Die Auszonung verbaut uns Jungen den Traum vom eigenen Haus.»

Er engagiere sich, weil er für seine Generation im Dorf einstehe. Mit Frau und Kind wolle man nicht unbedingt in einem Block leben. Und es stimme nicht, dass Zetzwil über genügend Bauland verfüge, um Einfamilienhäuser zu bauen. «

Mairüti» darf laut Kanton nicht ausgeklammert werden

Der Kanton sieht dies anders. Zetzwil müsse verdichtet bauen und verfüge über genügend Bauland. Der Gemeinderat klärte beim Kanton ab, ob die «Mairüti»-Parzellen in der Bauzone belassen werden können – es gab eine abschlägige Antwort. Die Abklärungen erfolgten, nachdem der Souverän 2019 die neue Bau- und Nutzungsordnung (BNO) genehmigte unter der Bedingung, das Landstück «Mairüti» auszuklammern. Die kantonale Verwaltung akzeptierte diese Teilgenehmigung nicht, denn die BNO müsse als Einheit behandelt werden. Für Anton Graber, ebenfalls IG-Mitglied, ist der Fall klar. Er sagt:

«Im kantonalen Baugesetz steht, dass Teilbewilligungen möglich sind.»

Es gehe dem Kanton darum, dass Landstück einer anderen Gemeinde zu überlassen und in einen Topf zu werfen. Dagegen müsse man sich wehren. Zudem sei die Argumentation, warum das Landstück ausgezont werden müsse, teilweise willkürlich abgeändert worden, sagt er. Besonders ärgerlich sei der Berechnungsfehler, der an der Gemeindeversammlung im November 2020 aufgedeckt worden sei. Damals wollte man über die Nutzungsplanungsrevision befinden. Das Vorhaben wurde abgebrochen, weil sich bei der Berechnung der Quadratmeterzahl ein grober Fehler eingeschlichen hatte. Dass das weder der Gemeinde noch dem Kanton auffiel, sei eine Schande, so Graber.

Noch schlimmer sei aber, dass es danach plötzlich hiess, dass die Dichte der Einwohnerzahl ausschlaggebend sei und die Grösse des Gebiets für die Bestimmung doch nicht zähle.

Hat der Gemeinderat zu wenig intensiv gekämpft?

Dem Gemeinderat stellt die Gruppe keine guten Noten aus. Hunziker sagt:

«Wir haben vom Kanton schriftlich die Aussage in den Händen, dass von der Gemeinde nicht ­genügend Argumente geliefert wurden, die ‹Mairüti› in der Bauzone zu belassen.»

Dabei gebe es jede Menge. Etwa, die Nähe des Landstücks zum Dorfzentrum, die Sicherheit für Kinder, die auf dem Weg zur Schule nicht über die Hauptstrasse gehen müssten, oder die Steuereinnahmen, die dank der neuen Einwohner der Gemeinde zufliessen ­würden. Zudem sei dieses ­Landstück seit Jahren als Bauland versteuert worden. Und: Ein Teil der Eigentümer jener Parzellen, die der Gemeinderat und der Kanton als Möglichkeit angaben, um neue Häuser zu bauen, sei nicht daran interessiert, in naher Zukunft solche zu bauen.

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