Schöftland
«Zu 90% hat der Abfall mit Sucht zu tun» – Müllsammelaktion am Clean-up-Day

Am Clean-up-Day sammelten 26 Unentwegte bei strömendem Regen 188 Kilogramm Müll. «Mich ärgert die Gleichgültigkeit, mit der Sachen liegen gelassen oder fortgeworfen werden», so Teilnehmer Hans Amsler.

Peter Weingartner
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Monika Widmer mit Tobias und Pascal Ramseier (v. r.) am Clean-up-Day.

Monika Widmer mit Tobias und Pascal Ramseier (v. r.) am Clean-up-Day.

Von Peter Weingartner

Garstiger könnte das Wetter kaum sein: Dauerregen und böige Winde, die den Niederschlag beinahe quer auf die Teilnehmer des Clean-up-Days loslassen. 26 Unentwegte kennen nichts. Sie machen sich auf den Weg durch Schöftlands Quartiere. Organisiert natürlich: Roger Maurer vom Bauamt drückt jeder Gruppe einen Plan in die Hand.

Für Familie Ramseier und Monika Widmer führt die Route den Staudenrainweg hoch. Bierbüchsen, Papier, eine Getränketüte, vor allem aber Zigarettenstummel füllen die Säcke. Alle aufzupicken geht nicht. «Den Schal nehme ich jetzt; er hängt schon seit mehr als einer Woche da», sagt Pascal Ramseier. Nässe bringt mehr Gewicht. Und am Ende wird gewogen; die Raiffeisenbank spende je nach Gewicht einen Betrag für die flinken Finken, die jungen Suhrentaler Naturschützer.

Andreas Rüdlinger (53) Schöftland «Mich ärgert, dass so viele Sachen einfach fortgeworfen werden. Ich fahre jeden Tag über den Böhler. Da liegt so viel am Strassenrand; es ist schlimm. Das ist die Gesellschaft, passt zu unserer Zeit. Früher hatte man mehr Achtung, mehr Respekt vor der Natur.»
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Annelise Meier (45) Schöftland «Ich finde es wichtig, dass man Sorge trägt zur Natur. Unsere Kinder sollen das mitbekommen. Darum sind sie heute dabei. Eine Investition in die Zukunft. Warum liegt so viel Abfall herum? Ich glaube, man macht es sich zu einfach. Aus Bequemlichkeit? Nachlässigkeit?»
Adrian Matter (53) Schöftland «Ich finde diese Aktion eine gute Sache. Weniger erfreulich ist aber, dass viele Leute offenbar das Gefühl haben, was der Allgemeinheit gehört, gehe sie nichts an. Besonders schlimm finde ich, dass man die Ressourcen für unsere Nahrung gefährdet, die Böden, die Tiere.»
Irina Frehner (10) Schöftland «Ich mache beim Jugendnaturschutz Schöftland mit, weil ich gerne für Natur und Tiere etwas tue. Meine Eltern haben mir beigebracht, dass man nichts wegwirft, auch wenn gerade kein Kübel in der Nähe ist. Viele Kinder finden aber das Fötzele beim Schulhaus nicht so cool.»
Hans Amsler (75) Schöftland «Jeder muss helfen, zu seiner Umgebung Sorge zu tragen. Mich ärgert die Gleichgültigkeit, mit der Sachen liegen gelassen oder fortgeworfen werden. Ich lese auch beim Spazieren Abfall auf, der herumliegt. Er muss ja sowieso weg, da kann ich ihn gleich mitnehmen.»

Andreas Rüdlinger (53) Schöftland «Mich ärgert, dass so viele Sachen einfach fortgeworfen werden. Ich fahre jeden Tag über den Böhler. Da liegt so viel am Strassenrand; es ist schlimm. Das ist die Gesellschaft, passt zu unserer Zeit. Früher hatte man mehr Achtung, mehr Respekt vor der Natur.»

Peter Weingartner

«Ich hab mal einen Schirm gefunden, der heute noch funktioniert», sagt Monika Widmer, derweil der Zweitklässler Tobias Ramseier beim Aufnehmen von Tüten, Plastikbechern und Zeitungen seine Feinmotorik trainiert. Eines wird schnell klar: In Quartieren ohne Durchgangsverkehr liegt kaum etwas auf der Strasse.

Dann gehts hinunter zur Ruederstrasse, wo die Abfalldichte deutlich zunimmt. In den Teichen am Hermenbächli ist Grasfroschlaich zu sehen. Aber Abfall? «Erfreulich wenig», meint Andrea Ramseier. Auch am Waldrand und ums Waldhaus herum herrscht Ordnung. «Viel Erfolg!», wünscht ein Passant mit Hund. Der Spaziergang zurück zum Werkhof erfüllt seinen Wunsch; die Säcke füllen sich ordentlich. «Schau dort, ein Plastiksack!», sagt Andrea Ramseier, und Tobias rennt.

Auf dem Weg durchs Fehlmann-Areal zur Picardiestrasse kommt einiges zusammen. Von der Damenbinde bis zur Velolampe, vom Single-Handschuh bis zur Autobahnvignette. «Riserva», sagt Pascal Ramseier anerkennend, als er ein Nest mit leeren Weinflaschen aushebt. Das gibt Gewicht! Wogegen die Energy-Drink-Dosen weniger in dasselbe fallen. «Zu über 90 Prozent hat der Abfall mit Sucht zu tun.» Monika Widmers These kann nicht so daneben sein: Zigaretten, Bier in Flaschen und Dosen von Feldschlösschen über Heineken bis Eichhof.

Damenslip am Strassenrand

Zurück im Werkhof winkt ein gemütliches Beisammensein bei Wurst und Brot und Bier und Kaffee. Fundgegenstände bieten Raum zu Spekulationen über die Geschichten dahinter. Wie kommt ein Damenslip an den Strassenrand? Gesammelt wurden 188 Kilo Müll, 13 Kilo mehr als im Vorjahr. Wars doch das Wasser?