Schlossrued
Wasserbüffel-Metzg geht Konkurs – dabei hatte er es doch gut gemeint

Das gut gemeinte Projekt scheiterte an den Mechanismen des Detailhandels – die Preise waren zu tief. Nun übernimmt ein anderer Aargauer Metzger das Wasserbüffel-Geschäft.

Nadja Rohner
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VR-Präsident der Firma «Prime Buffalo» in Schlossrued Christoph Flory: «Ich wollte nur helfen. Das war ein grosser Fehler.»

VR-Präsident der Firma «Prime Buffalo» in Schlossrued Christoph Flory: «Ich wollte nur helfen. Das war ein grosser Fehler.»

Walter Schwager/Bastian Heiniger

Es ist nur eine kleine Notiz im Amtsblatt: Die Firma «Prime Buffalo» in Schlossrued ist in Konkurs. Dabei hatte es so euphorisch angefangen. Vor gut fünf Jahren begann die Firma, im Ruedertal hochwertige Produkte aus Wasserbüffelfleisch und Schottischen Hochlandrindern, sogenannten Robust-Rassen, herzustellen. Schlachten, metzgen, verarbeiten, abpacken, versenden – alles wurde vor Ort gemacht.

Verwaltungsratspräsident und einer der vier Aktionäre der «Prime Buffalo» ist Christoph Flory. Ihm ist der Frust anzumerken, auch über den erheblichen finanziellen Verlust. «Dabei wollte ich nur helfen. Das war ein grosser Fehler.» Flory ist beruflich im Naturschutz-Bereich tätig. Und dort werden Wasserbüffel eingesetzt: Für die Beweidung von Feuchtgebieten sind sie ideal. Im Aargau gibt es nur eine Handvoll Bauern, die Wasserbüffel halten – etwa in der Aue Rietheim, im Reusstal oder beim Brugger Wasserschloss.

Schweizweit sind es etwa 30 Betriebe, auf denen Wasserbüffel leben. Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo sie zum Schlachter gehen. Wasserbüffelfleisch ist gesund, es enthält weniger Cholesterin als übliches Rindfleisch, dafür viele Omega-3- und -4-Fettsäuren. «Mir ist aufgefallen, dass die Produkte aus Wasserbüffelfleisch nicht bis zum Konsumenten kommen», erklärt Flory. «Die Bauern hatten nicht die Ressourcen für die Vermarktung.»

Der Preis war das Problem

Also übernahm Flory zusammen mit anderen Aktionären einen konkursiten Metzgerei-Betrieb (die damalige Aare-Metzg AG). In Schlossrued, so der Plan, sollten hochwertige, nachhaltige und besondere Produkte hergestellt werden. Euphorisch der Start, tief der Fall. Woran lag es? Flory zählt eine ganze Reihe von Gründen auf, sei es die abgelegene Lage im Ruedertal oder der Umstand, dass es heute kaum mehr gute Metzger gebe: «Jemanden, der von der Schlachtung bis zur Veredelung der Produkte und dem Verkauf alles beherrscht, so, wie es in einer kleinen Manufaktur gefragt ist, findet man schlicht nicht mehr.»

Und dann ist da die Sache mit dem Absatz. Bei Restaurants hat es die Firma versucht. «Einige wenige, etwa James Kong von der ‹Spedition› in Baden oder Harry Pfändler vom ‹Bären› in Birmenstorf waren gute Kunden, haben uns immer die Stange gehalten und anständige Preise bezahlt», so Flory. Aber es waren zu wenige. Und einen Grossverteiler, der die Produkte nehmen wollte, fanden sie nicht. Das heisst: Abnehmer gab es schon, die hatten aber ganz andere Preisvorstellungen als Flory und seine Partner. «Swissness finden die Grossverteiler wichtig, und dass hinter einem Produkt eine Story steckt», konstatiert Flory.

Besonders verärgert haben ihn die letzten Verhandlungen mit einem namhaften Abnehmer, der laut Flory «nicht ehrlich war»: Erst ganz am Schluss habe der Grossverteiler offengelegt, dass er pro Kilo Wasserbüffel-Hamburgerfleisch – höchste Qualität und aus tiergerechter Haltung – Fr. 17.60 zahlen wollte. Im Verkauf hätte es dann 48 Franken gekostet. Flory ist heute noch empört. «Wir haben ihnen alles geliefert – die Rezepte, die Verpackung, die Story dahinter.» Am Ende kam das Geschäft nicht zustande, nicht zu diesem Preis, betont der Verwaltungsratspräsident. Indes – wenn einem das Wasser bis zum Hals stehe, sei man in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition. Flory:. «Der Marktzugang wird extrem erschwert, man kommt fast nicht rein. Es ist ein abgekartetes Spiel.»

«So ein Metzger hat uns gefehlt»

Mit einem Umzug nach Würenlingen hätte die Prime Buffalo AG gerettet werden sollen. Hier übernahm der Schlachthof Büttner das Schlachten, die Verarbeitung des Wasserbüffelfleisches wurde weiterhin durch Prime Buffalo erledigt. Aber es klappte nicht. Ein Trost bleibt Flory. Metzger Michael Büttner vom gleichnamigen Schlachthof wird das Wasserbüffel-Geschäft weiterführen. «Er macht das super. So ein Metzger hat uns gefehlt. Und die Absatzmöglichkeiten hat er auch.» Es zeige ihm, so Flory, «dass unsere Idee doch nicht so verkehrt war».

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