Schreiner Willy Barfuss
Warum Gemeinderätin Geiser besorgt ist – und einen Brief an Regierungsrat Attiger schreibt

Die Oberkulmer Gemeinderätin Denise Geiser schreibt Regierungsrat Stephan Attiger. Sie kann nicht verstehen, wie es im Fall von Schreiner Willy Barfuss und seinen zu nahe an der Wyna stehenden Bauten läuft.

Drucken
Denise Geiser, einst Mitglied der Acapickels, ist Gemeinderätin in Oberkulm.

Denise Geiser, einst Mitglied der Acapickels, ist Gemeinderätin in Oberkulm.

Severin Bigler

Denise Geiser (60) ist landesweit bekannt als ehemaliges Mitglied des Musik- und Comedyquartetts Acapickels. Seit vier Monaten gehört sie als Parteilose dem Gemeinderat von Oberkulm an. In ihrer Funktion als Gemeinderätin ist sie besorgt.

So besorgt, dass Sie Regierungsrat Stephan Attiger (FDP) einen Brief geschrieben hat, den sie der AZ zur Publikation übergab.

Denise Geiser schreibt:

«Sehr geehrter Herr Regierungsrat Attiger. Seit 1. Januar 2018 bin ich in Oberkulm Gemeinderätin und betreue unter anderem das Ressort Bauwesen. Ich komme aus einer ganz anderen Branche, und da ich erst seit 5 Jahren in Oberkulm wohne, bin ich nicht imprägniert von alten Geschichten rund um das Dorf und habe deswegen einen frischen und unverstellten Blick auf die Gemeinde.

Weshalb ich mich an Sie wende? Weil ich Ihre Hilfe brauche!

Es geht um den Oberkulmer Wyna-Uferabschnitt auf Höhe der Liegenschaft von Willy Barfuss. Sicher ist Ihnen bekannt, dass dieser Konflikt bald 30 Jahre, also 7 Legislaturperioden überdauert hat. Trotz wechselndem Personal bei Gemeinde und Kanton ist es noch immer nicht gelungen, eine Lösung zu finden. Am 4. April fanden sich insgesamt acht Personen ein für einen Augenschein vor Ort: Herr Willy Barfuss, sein Anwalt Fritz Tanner, die kantonalen Vertreter Frau Jasmin Leuthard (Projektleiterin Baugesuche), Herr Roger Holle (Abteilung für Baubewilligungen), Herr Arnold Meyer (Gewässernutzung), Herr Hanspeter Lüem (Gewässerunterhalt), Herr Reto Müller (Bauverwalter Bezirk Kulm), Herr Roger Schmid, (Gemeindeammann Oberkulm) und ich.

Es ging meines Erachtens unter dem Strich während dieses fast 90 Minuten dauernden Augenscheins im Grunde genommen um die Schuldfrage. Die Schuld von Herrn Barfuss, zum Schutz vor dem Hochwasser, welches seine Liegenschaft schon mehrere Male überflutet hat, eine Uferverbauung ohne Baubewilligung erstellt zu haben. Das war sicher eine grobe Missachtung der Form. Nur: Solange es um die Schuld geht, solange es darum geht, wer recht hat und wer im Unrecht ist, kann es nicht um die Sache an und für sich gehen: Nämlich den Ist-Zustand anzuschauen und eine Lösung zu finden, die für alle Sinn macht, das Problem an beiden Ufern behebt, machbar – und bezahlbar – ist. Ich konnte beim besten Willen keinen lösungsorientierten Ansatz erkennen, und das trifft mich sehr. Ist es tatsächlich so, dass wir in unserem Lande eine Verhinderungspolitik betreiben? Und wer profitiert davon? Ich kann das nicht verstehen. Vielleicht können Sie mir das erklären?

Geschätzter Herr Regierungsrat und Vorsteher des Bau-, Verkehrs- und Umweltdepartements: Ich ergreife weder für Herrn Barfuss noch für seinen Nachbarn auf der anderen Seite der Wyna Partei. Es geht mir um die Beilegung eines seit Jahrzehnten schwelenden Missstands, welcher nur Wut, Hass und Verachtung schürt, enorm viel Ressourcen, Personalaufwand und Geld kostet, die Nerven aller strapaziert und dazu noch schlicht und einfach frustrierend ist. Warum verständigen sich die Fachleute des Kantons nicht untereinander auf pragmatische Art und Weise, damit das Problem endlich aus der Welt geschafft werden kann? Ich möchte Sie deshalb kniefällig bitten, in dieser Sache Ihre dezidierte Einflussnahme walten zu lassen.»

Aktuelle Nachrichten