Uerkheim
Warum der Rosenkavalier fremd geht – und wo er industriellen Produzenten voraus ist

Erwin Koller will dieses Jahr zusätzlich zu seinen Rosen auch 40'000 Tulpen verkaufen. Der Anbau der Rosen ist nicht mehr lukrativ.

Fabio Baranzini
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Seit mehr als 20 Jahren baut Erwin Koller Rosen an – und jetzt auch Tulpen.

Seit mehr als 20 Jahren baut Erwin Koller Rosen an – und jetzt auch Tulpen.

Fabio Baranzini

Gelb, purpur, lila, weiss, rot – die vielen Farben der Tulpen im Verkaufsladen von «Rosen Koller» lassen die Kunden von warmen Frühlingstagen träumen. Und das, während draussen die Schneeflocken vom Himmel fallen.

Bunte Tulpensträusse stehen auf den Tischen und Regalen. Die einen sind geschnitten, die anderen stehen mitsamt den Zwiebeln in der Vase oder im Kistchen. «Ich finde es schön, wenn die Leute die Tulpe mitsamt der Zwiebel kaufen können. Das ist etwas Besonderes, das die industriellen Tulpenproduzenten nicht bieten können», sagt Erwin Koller.

Rosen rentieren nicht mehr

Dass er Tulpen produziert, ist neu. Denn eigentlich sind die Rosen das Spezialgebiet von Erwin Koller. Diese baut er seit mehr als 20 Jahren an. Und nun also auch Tulpen. 40'000 Stück und 35 verschiedene Sorten sind es, die er in diesem Jahr verkaufen will. Letztes Jahr – in seinem ersten Jahr als Tulpen-Produzent – brachte er trotz Corona 25'000 Stück unter die Leute.

Doch warum produziert Erwin Koller jetzt auch Tulpen? «Der Anbau der Rosen ist nicht mehr lukrativ», sagt Koller. «Seit die Kontingentierung aufgehoben wurde und alle Grossverteiler unbeschränkt Rosen aus dem Ausland importieren können, ist die Situation für uns regionale Produzenten noch schwieriger geworden.»

Darum hat er sich entschieden, Tulpen anzubauen. Denn die bringen zwei grosse Vorteile mit sich. Sie können von Januar bis Ostern verkauft werden – also genau dann, wenn Erwin Kollers Rosen nicht wachsen. Zudem benötigen die Tulpen nicht viel Energie. «Tulpen eignen sich ideal, um sie im Winter in unseren Breitengraden anzubauen. Dafür kann ich die Infrastruktur der Rosen nutzen.»

Preiskampf mit ausländischen Tulpen

Und so funktioniert der regionale Anbau der Tulpen: Im Mai hat Erwin Koller die 40'000 Zwiebeln bestellt. Verschiedene Sorten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten zwischen Januar und Anfang April blühen. So lässt sich der Anbau staffeln.

Im Herbst werden die Zwiebeln in Handarbeit in Kisten gesetzt. Immer 80 Stück pro Kiste. In diesen Kisten werden sie bei konstant 9 Grad gelagert für zwölf bis 15 Wochen. «In dieser Zeit schlagen sie Wurzeln und wachsen vielleicht zwei, drei Zentimeter», erklärt Koller. «Drei, vier Wochen, bevor ich die Tulpen verkaufen will, hole ich sie aus dem Kühler und stelle sie ins Gewächshaus. Dort werden sie regelmässig gewässert und genau kontrolliert.»

Die Tulpen werden geschnitten oder mitsamt Zwiebel verkauft.

Die Tulpen werden geschnitten oder mitsamt Zwiebel verkauft.

Fabio Baranzini

Sobald die Blüte vollständig entwickelt ist und man die Farbe erkennt, ist die Tulpe bereit für den Verkauf. Entweder wird sie dann geschnitten oder direkt mit der Zwiebel verkauft. 1.50 bis 1.80 Franken kostet eine Tulpe bei Erwin Koller. Wenig, gemessen am Einkaufspreis der Zwiebel in der 12+ Qualität, der zwischen 37 und 50 Rappen liegt.

«Natürlich müsste der Preis höher sein, aber das zahlt niemand, wenn man im Grossverteiler Tulpen aus Holland für 50 Rappen das Stück kaufen kann», sagt Koller, der seine Tulpen grösstenteils in seinen Läden in Uerkheim und Hagneck am Bielersee verkauft.

Kein Anbau mehr in Uerkheim

In Hagneck liegt auch die Produktion der Rosen und Tulpen. In Uerkheim baut Erwin Koller seit 2017 keine Blumen mehr an. Seine Gewächshäuser sind allesamt dem Hochwasser zum Opfer gefallen. «Ich hätte alles komplett neu aufbauen müssen. Das rentiert sich aber nicht bei den geringen Margen, die wir auf unseren Blumen haben. Darum habe ich mich entschieden, nur noch in Hagneck anzubauen», sagt Erwin Koller.

Dennoch ist er zufrieden mit dem Start in seine Laufbahn als «Tulpen-Produzent». «Obwohl genau zur Hochsaison wegen Corona alle Märkte schliessen mussten, konnten wir im letzten Jahr 25'000 Tulpen verkaufen. In diesem Jahr werden es rund 40'000 sein. Damit bin ich zufrieden. Vor allem auch, weil ich dank der Tulpen mein Sortiment vergrössern und meine Saison früher beginnen kann. Das hilft auch dem Verkauf der Rosen, denn die Leute haben uns dank der Tulpen schon früher auf dem Radar.»

40'000 Tulpen will Koller dieses Jahr verkaufen.

40'000 Tulpen will Koller dieses Jahr verkaufen.

Fabio Baranzini

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