Mongolei
Menziker wollte Armenviertel neu gestalten und scheitert – vorerst

Reinhold Lückhardt wollte mit modernen Jurten das Wohnen revolutionieren. Korrupte Banker und ängstliche Investoren machten es ihm beinahe unmöglich.

Michael Küng
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Reinhold Lückhard: Von Menziken aus Asien verändern

Reinhold Lückhard: Von Menziken aus Asien verändern

zvg
Reinhold Lückhardt (rechts) beschliesst die grossen Pläne.

Reinhold Lückhardt (rechts) beschliesst die grossen Pläne.

Michael Küng

Die Hoffnungen waren gross, als Reinhold Lückhardt eines Abends an einem Anlass in der Mongolei lokale Stadtentwickler traf. Er war im Land, um für Rohstoffunternehmen Mineralien zu suchen. Die Stadtentwickler erzählten ihm von ihren Plänen, mehrere Stadtviertel in Ulan-Bator komplett neu zu bauen und zu modernisieren. Da kam der europäische Geschäftsmann wie gerufen. Prompt erhielt er die Verantwortung über das grösste Projekt, die Neugestaltung des Armen-Viertels Khan-Uul.

Das bringt Herausforderungen mit sich: Ulan-Bator gilt nicht nur als die kälteste Hauptstadt der Welt, sondern auch als eine der schmutzigsten. 70'000 Menschen hätten umgesiedelt werden sollen, um grosse Blöcke und kleine, moderne Häuser mit sanitären Einrichtungen für bis zu 180'000 Menschen zu schaffen. Für das Projekt suchten die Stadtentwickler westliche Investoren. Die Mongolen hofften, Lückhardt könne mit seinen Beziehungen in den Westen Investoren überzeugen. Und Lückhardt selbst wurde durch das Projekt im ganzen Land bekannt – was dazu führte, dass viele anfingen, ihm Proben gesuchter Rohstoffe zu bringen und ihn auf mögliche Vorkommen hinzuweisen. «Als Unternehmer geht es ja oft darum, dass man gut im Organisieren ist und die richtigen Leute zusammenbringen kann», sagt der Deutsche.

Also fing er mit einem Schweizer Generalunternehmen und einem Architekten an, in einem kleinen Büro in Menziken das neue Viertel zu planen. Dabei entstand die Idee, kleine Häuser traditionellen Filzjurten nachzuempfinden, die noch heute auch viele sesshafte Mongolen nutzen. Die Häuschen sollten in ganz Zentralasien zu einem mongolischen Exportschlager werden. Das war um das Jahr 2013.

Am Rande des Kollapses

Damals beflügelte das günstige Geld der Notenbanken die Wirtschaft im Land, jährliche Wachstumsraten von bis zu über 17 Prozent wurden erreicht. Das trieb allerdings die Inflation in die Höhe und das Land übernahm sich. Kurz darauf brach der Boom in sich zusammen und die Banken gerieten an den Rand eines Kollapses. Erst letzten Monat hat China eingegriffen und eine der grössten Banken im Land gerettet, nachdem ein Eigner Gelder veruntreut hatte. Das machte es für Lückhardt beinahe unmöglich, Investoren zu finden – nur schon, weil man in dem Land um eine Kooperation mit einer lokalen Bank fast nicht herumkomme. «Das Land tut sich schwer und nach einem Regierungswechsel wurde schliesslich auch noch das Stadtentwicklungsprojekt gestoppt», sagt Lückhardt. Das eigens gegründete Unternehmen in Menziken löst er auf. «Den Projektstopp bedauern wir sehr und hoffen natürlich, dass ein weiterer Richtungswechsel der Regierung dem Projekt einmal zu neuem Leben verhelfen wird», sagt Lückhardt.

Verliebt am anderen Ende der Welt

Priorität hat nun wieder sein eigentliches Geschäft, das Finden von Rohstoffen für Unternehmen wie Glencore. Aktuell: Gold und verschiedene Mineralien in Norwegen, die in der chemischen Industrie gesucht sind. Doch das Abenteuer in der Mongolei hat sein Leben dennoch verändert: Er hat bei einer seiner ersten Reisen seine Frau kennen gelernt. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt er. Schon bald heirateten die beiden und seine Frau zog aus der Mongolei in die Schweiz. Bis heute wuchs aus der glücklichen Beziehung eine fünfköpfige Familie. Im Wynental hoffen sie nun gemeinsam auf einen erneuten Regierungswechsel in der Mongolei, der dem Projekt neues Leben einhauchen könnte. Dann sässe Lückhardt ganz schnell wieder im Flugzeug nach Ulan-Bator.

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