Bottenwil
Flamenco, Comedy und Hip-Hop

Am Samstag präsentierte die ehemalige Miss Schweiz Stéphanie Berger im Fabrikli in Bottenwil ihre neue Comedy-Show «Höllelujah». Die Zürcherin traf mit dem Try-Out ihres zweiten Soloprogramms auf ein dankbares Publikum

Martin Bachmann
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Stéphanie Berger.

Stéphanie Berger.

mb

«Warum gibt es keine Werbung, in der Junkfood-Süchtige gezeigt werden? Warum sieht man im Fernsehen keine Losertypen, die wegen ihrer kaputten X-Box in Tränen ausbrechen?» Die Antwort gibt die Ex-Miss-Schweiz Stéphanie Berger gleich selber. Weil Männer sich immer als Siegertypen sehen wollen. Dies macht sich die Werbung zunutze und präsentiert daher der männlichen Kundschaft ein durchwegs positives Selbstbild.

Frauen hingegen wird pausenlos eingeredet, ihr Gesicht sei voller Falten, sie müssten abnehmen oder dringend etwas gegen ihr «Völlegefühl» unternehmen. Berger fand über den Diätkult den Link zu den verschiedenen Figurentypen, welche für Frauen gelten. Sie selbst sei ein Bleistift, erklärte Berger: «Kurz und dünn, dafür immer spitz und der Gummi ist auch dabei.»

Nebst Kritik an der Werbeindustrie übte sich Stéphanie Berger auch in der Parodie auf den Kulturzirkus. Dazu parodierte sie eine rothaarige kulturverantwortliche Mittvierzigerin. Emilie Sturzenegger heisst die Kunstfigur mit dem säuselnden Bernerdialekt. Berger gelingt es, im Kopf des Zuschauers das klischeehafte Bild einer selbstgefälligen Kulturverantwortlichen, welche sich grosszügig am Buffet im Backstagebereich gütlich tut, entstehen zu lassen. Leider verfällt sie dann aber zum Schluss der Nummer doch wieder einem unter der Gürtellinie angesiedelten Hau-drauf-Humor, wenn Emilie Sturzenegger von der Hochzeitsnacht mit ihrem Mann Rüedu berichtet. Rüedu habe gedacht, Emilie «pfeife ihn aus, dabei habe sie Asthma». Auch die Witze über Schwangerschaftsstreifen und Kinder, welche statt in die Krippe in die «Grippe» gehen, da sie in den Kitas mit Viren eingedeckt werden, waren nicht unbedingt Sternstunden der Comedy.

Steff La Cheffe in da Fabrikli

Dafür wusste Berger gesanglich zu überzeugen. So rappte sie im Stil der Schweizer Hip-Hop-Grösse Steff La Cheffe über den Gang zum Spielplatz mit der lieben Nachkommenschaft. Hier zeigte Berger Sinn für Witz und die Gabe, Situationen aus dem Alltag einer jungen Mutter ironisch darzubieten. Ebenfalls gelungen war der Song, den die Ex-Miss-Schweiz für ihren Sohn geschrieben hat. Der Text von «Chum zrugg» sei zur Abwechslung ernst gemeint, liess Berger ihr Publikum wissen, und man merkte es ihr an, dass dem so war. Allerdings konnte die Sängerin es nicht lassen, und baute am Ende des Songs eine kleine Pointe ein, welche hier allerdings nicht verraten wird. Vor der Pause mimte Berger dann einen Sportreporter, welcher beim Date mit ihr das Geschehen am Nebentisch kommentiert, als handle es sich dabei um ein Spiel der Meisterschaft. Die Parodie erschien dem Publikum als gelungen und dieses dankte der Künstlerin mit einem kräftigen Applaus.

Berger zeigte im zweiten Teil eine etwas überzogene Darstellung einer Single-Frau, welche sich aus Mangel an Selbstwert im Club dem Tequilarausch hingibt, aber auch ihr tänzerisches Können mit einer Flamencoeinlage. Die erste Voraufführung von Stéphanie Bergers neuem Soloprogramm «Höllelujah» fand grossen Anklang im Fabrikli in Bottenwil, trotz der etwas häufigen Spässe über die Verschiedenheit der Geschlechter.

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