Neuzuzüger im Aargau
Familie Wydler aus Oberkulm: «Wir wurden sehr gut aufgenommen und fühlen uns wohl hier»

Die Familie Wydler lancierte ihre Geschäftsidee zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Vor rund einem halben Jahr konnte sie ihren Kinderabenteuerhof in Betrieb nehmen und sich in Oberkulm einen Traum verwirklichen.

Christine Wullschleger
Merken
Drucken
Teilen
5 Bilder
Familie Wydler aus Oberkulm

Chris Iseli

Die Idee, die schon lange in den Köpfen von Liliane und Peter Wydler herumschwirrte, wurde zu einem ausgereiften Projekt mit Hand und Fuss. Und dieses Projekt führte die Familie Wydler vom zürcherischen Hedingen in den Kanton Aargau, genauer nach Oberkulm.

Vor rund einem halben Jahr konnte sie den Kinderabenteuerhof in Betrieb nehmen, neu gebaut wurde er, so wie es sich die Wydlers vorstellten.

Die ursprüngliche Idee war simpel: Die Familie Wydler wohnte in Hedingen und besass in Mühlau im Freiamt drei Pferde. «Nicht der Weg war zu weit, sondern der Wunsch war da, die Pferde selber und vor dem eigenen Haus zu halten», sagt Liliane Wydler.

Die Wydlers begannen, sich nach einem alten Bauernhaus umzusehen, in dem sie wohnen und wo sie ihre Pferde unterbringen konnten. Im Säuliamt sahen sie dann auch einen Hof, doch sie wurden im Kaufpreis überboten.

«Ein Freund von mir warnte mich auch: Entweder sei ich nach dem Kauf dieses Hauses ruiniert oder wohne in einer Ruine», sagt Peter Wydler rückblickend. Er sei ganz froh, dass heute alles anders gekommen sei.

Land gefunden, Strategie geändert

«Wir haben das Thema Haussuche schon ein wenig auf die Seite geschoben, als wir in Oberkulm dieses Landstück ausgeschrieben sahen», sagt Liliane Wydler.

Das Land war perfekt: nicht mitten im Wohnquartier und trotzdem nicht abgelegen, direkt an der Wyna, im Grünen. «Wir haben danach unsere Strategie geändert und planten einen Neubau», ergänzt Peter Wydler.

Sie konnten das Land kaufen und mit der Planung beginnen.

Liliane Wydler, die Kindergärtnerin, begann, die Idee weiterzuentwickeln. Als Diplomarbeit für ihre Ausbildung im heilpädagogischen Reiten verfasste sie eine Geschäftsidee für die Umsetzung eines Kinderabenteuerhofs.

«Ich dachte mir, warum sollte ich sie nicht umsetzen?» Gesagt, getan. Der Neubau wurde als Kinderabenteuerhof konzipiert.

Seit einem halben Jahr wohnen die Wydlers in ihrem neuen Haus, gebaut aus Holz. Die Wände sind kahl. «Wir haben bewusst nicht mehr Bilder aufgehängt, weil das grosse Fenster im Wohnzimmer das Bild nach draussen auf die Pferde sein soll», sagt Liliane Wydler.

Die Pferde sind ihre grosse Leidenschaft. Kennen und reiten gelernt hat sie die Islandpferde während mehreren Besuchen auf Island. An ihrem früheren Wohnort kümmerte sie sich zusammen mit ihren drei Töchtern um Pflegepferde und irgendwann hat sich die Familie selber drei Isländer angeschafft. Sie waren wegweisend für das Entstehen des Kinderabenteuerhofs.

Liliane Wydler bietet nun Kinderreiten, Lagerwochen, Kindergeburtstage, Kurse und Therapeutisches Reiten an. Vor allem das Kinderreiten sei sehr beliebt, bereits Dreijährige dürfen bei Wydlers aufs Pferd.

«Aufgrund der grossen Nachfrage glaube ich, dass ich damit eine Nische bediene. Denn oft können die kleinen Kinder noch keine Reitkurse besuchen», sagt sie. Bereits seien 25 Reitkinder eingeschrieben und Liliane Wydler muss eine Warteliste führen.

«Das Tier kann das Eis brechen und das Selbstvertrauen eines Kindes fördern.» Immer wieder beobachte sie, wie selbst die wortkargsten Kinder im Kontakt mit einem Tier zu sprechen beginnen.

Auf Wydlers Hof gibt es nicht nur Islandpferde, sondern auch Ponys, eine Katze, Hennen und Gockel sowie einen Gecko. Während Peter Wydler als Projektmanager in Zürich arbeitet und auf dem Hof hobbymässig mithilft, arbeitet Liliane Wydler hauptberuflich auf dem Hof.

Neue Freundschaften geschlossen

Den Schritt, in den Kanton Aargau zu ziehen, bereut die Familie keineswegs. «Wir wurden von den Nachbarn sehr gut aufgenommen und fühlen uns wohl hier», sagt Liliane Wydler.

Ihr Mann ergänzt: «Wir sind ja hier in Oberkulm nicht ab der Welt.» Trotzdem vermisst Liliane Wydler ihre beste Freundin in Hedingen, auch Tochter Fayun vermisst ihre Schulkolleginnen, obwohl sie in Oberkulm bereits neue Freundschaften geschlossen hat. Ihre zwei älteren Schwestern sind erwachsen und wagen bald den Schritt in die Unabhängigkeit.

Für Liliane Wydler hat nun ein anderer Alltag begonnen. Sommerferien bedeuten auf dem Abenteuerhof viel Action. «Mir ist wichtig, dass die Kinder auf dem Hof mit den Tieren eindrucksvolle Tage verbringen können und ich Zeit habe, individuell auf sie einzugehen. Deshalb soll das Projekt auch nicht weiter wachsen.»

In Oberkulm hat sich die Familie ihren Traum verwirklicht. Und die Gemeinde hat sie gleich eingeladen, die Rede an der kommenden 1.-August-Feier zu halten.