Kölliken

Die neue Kies-Quelle ist zum Greifen nah

Noch baut die Hochuli AG in der «Hardmatte» Kies ab: Luftbild der Betonwerke neben der A1. Pascal Meier

Noch baut die Hochuli AG in der «Hardmatte» Kies ab: Luftbild der Betonwerke neben der A1. Pascal Meier

Die Hochuli AG nimmt die letzte Hürde zur Erschliessung des neuen Kies-Abbaugebiets im «Schürlifeld». 15 Jahre lang kann hier abgebaut werden. Danach wird das Landstück gemäss Baugesuch aufgefüllt und renaturiert.

Kölliken geht der Kies aus. Nur noch zwei Jahre lang kann der Betonhersteller Hochuli AG in der «Hardmatte», um die Autobahneinfahrt Aarau-West, Kies abbauen, danach sind die Reserven erschöpft.

Um ihren Betrieb in Kölliken weiterführen zu können, musste die Firma deshalb nach einem neuen Gebiet Ausschau halten, das sich zum Kiesabbau eignet. Fündig wurde sie im nördlich angrenzenden «Schürlifeld». Die vier Parzellen schliessen südlich an den Golfclub Entfelden an. Für 150 000 Franken soll das Gebiet für den Kiesabbau erschlossen werden. So viel kosten Anlagen und Bauten für die geplante Erschliessung gemäss Baugesuch, das die Hochuli AG auf der Gemeinde eingereicht hat.

Neue Verkehrsmassnahmen

Ein wichtiger Punkt im darin enthaltenen Ergänzungsbericht sind die Änderungen, die sich mit dem neuen Abbaugebiet für Verkehrsteilnehmer ergeben. Das «Schürlifeld» soll wie das heutige Abbaugebiet über die Hardstrasse von Süden her erschlossen werden, wobei zahlreiche LKWs dieses Gebiet queren werden. Am südlichen Rand des «Schürlifelds» verlaufen Rad- und Schulweg. Zur Sicherheit von Radfahrern und Fussgängern sind neue Vortrittsregeln mit Signalisationen vorgesehen.

Damit die Hochuli AG an den schlummernden Niederterrassenschotter rankommt, mussten bereits mehrere Hürden überwunden werden. Die Parzellen sind nach Bauzonenplan Fruchtfolgeflächen. Beim Prozess hin zur Materialabbauzone hatten der Grosse Rat, der Regierungsrat und nicht zuletzt die Stimmbürger via Mitwirkungs- und Einwendungsverfahren ein Wörtchen mitzureden.

2013 stimmten Regierungsrat und Grosser Rat der Anpassung des Richtplans zu. «Dieser Entscheid sichert die Zukunft eines Familienbetriebs», sagte Geschäftsführer Stefan Bürgler damals nach dem Entscheid. Als Folge ging man ein Jahr später die Änderung des Nutzungsplans Kulturlandplan an, um die 4 Schürlifeld-Parzellen zur Materialabbauzone zu machen. Im März 2016 stimmte die Gmeind der Nutzungsplanänderung zu, die Genehmigung des Regierungsrates folgte im November.

Bedenken wegen Grundwasser

Die Richtplanänderung ging nicht widerstandslos vonstatten. Der Gemeinderat Oberentfelden äusserte anfangs Bedenken, weil das neue Kiesabbaugebiet nahe der Oberentfelder Grundwasserfassung liegt. Auch die Aargauer Sektionen von WWF und Birdlife Aargau brachte damals Interessenskonflikte mit der Grundwassernutzung vor, da das «Schürlifeld» im Einzugsgebiet des wichtigen Suhrental-Grundwasserstroms liegt. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ergab jedoch, dass sich das Projekt nicht nachteilig auf das Grundwasser auswirkt. Denn dank Kernbohrungen und Grundwasserspiegelmessungen kann das Projekt den Verhältnissen im Untergrund genau angepasst werden. Wie im aktualisierten, dem Baugesuch beiliegenden Bericht zu entnehmen ist, müssen neu gar strengere Auflagen erfüllt werden: Zur Grundwasserüberwachung werden von der kantonalen Abteilung für Umwelt noch mehr Messstellen verlangt. Ausserdem muss bei Unfällen mit wassergefährdenden Flüssigkeiten die Polizei benachrichtigt werden.

Ebenfalls musste Hochuli eine Untersuchung zu potenziellen archäologischen Stätten mit dem Baugesuch einreichen. Der damit beauftragte Archäologe machte in seinen Proben 30 Funde, unter anderem prähistorische Keramikfragmente. Gut möglich also, dass bei der Erschliessung noch mehr zum Vorschein kommt. Deshalb wurde geregelt, dass der Kantonsarchäologe bestimmte Stellen vor Eingriffen untersucht.

15 Jahre lang, schätzt die Firma Hochuli, kann im «Schürlifeld» Kies abgebaut werden. Insgesamt wird mit 1,2 Millionen Kubikmetern gerechnet, die das Gebiet hergibt. Der Abbau erfolgt in 16 Etappen bis 2035. Nach etwa ein bis zwei Jahren werden die Gruben wieder aufgefüllt – mit unverschmutztem Aushubmaterial, wie die Hochuli AG betont. Während zweier Jahre nach Bauende werden die Parzellen renaturiert und wieder der Landwirtschaft übergeben.

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