Nationalratswahlen

Der gläubige Christ mit 100 Grills im Garten: «Wir machen Wahlkampf light»

Der EDU-Grossrat und Nationalratskandidat Rolf Haller (49) in seinem Garten in Zetzwil.

Der EDU-Grossrat und Nationalratskandidat Rolf Haller (49) in seinem Garten in Zetzwil.

Der Zetzwiler Rolf Haller kandidiert zusammen mit 15 anderen Aargauer EDU-Kandidaten für den Nationalrat. Der Grossrat ist seit über zwanzig Jahren politisch aktiv – und glaubt trotz wenigen Wahlplakaten an seine Chancen.

«Hallo, ich bin Rolf und habe 100 Grills», so würde ihn der Freund seiner Tochter vorstellen. Und in der Tat: Im Garten von Rolf Haller aus Zetzwil gibt es eine Feuerschale da, einen Holzgrill dort und einen Gasgrill auf der anderen Seite des Gartens. Er geniesse es, am Feierabend draussen am Feuer zu sitzen. «Ich verbrenne viel Holz», sagt der 49-jährige Grossrat und lacht.

Rolf Haller ist EDU-Politiker, verheiratet, Vater von vier Kindern im Alter zwischen 17 und 23 sowie Aargauer Grossrat. Im Oktober kandidiert er für den Nationalrat zusammen mit 15 anderen Aargauer EDU-Kandidaten. Die Eidgenössisch-Demokratische Union ist mit zwei Sitzen im Grossen Rat vertreten, im Nationalrat hat die Partei keinen Sitz.

Wahl zum Bezirksrichter sorgte für Aufsehen

Rolf Haller ist 1998 in die Politik eingestiegen. Damals ist er der EDU beigetreten und direkt in den Bezirksvorstand gewählt worden. Nachdem im Jahr 2000 für die Bezirksrichter-Ersatzwahlen am Bezirksgericht Kulm nur eine Kandidatin angemeldet war, meldete sich Haller kurzerhand ebenfalls an. «Damit die Bevölkerung eine Auswahl hatte», sagt er. Und er wurde gewählt.

Diese Wahl schlug hohe Wellen. «Weil ich offen zu meinem Glauben stehe», erklärt er. Das Richteramt und der Glaube hätten für viele nicht zusammengepasst. Es wurde aber schnell wieder ruhig um ihn. Bei den Gesamterneuerungswahlen ist er im gleichen Jahr in seinem Amt bestätigt worden.

Zwölfeinhalb Jahre lang ist er Richter geblieben. Bis er im Oktober 2012 in den Grossen Rat gewählt wurde. Ein Erfolg für eine kleine Partei wie es die EDU ist, die im Bezirk Kulm weniger als 50 Mitglieder und rund 200 Sympathisanten hat. «Es gibt viele, die mich wählen, weil sie mich kennen», sagt er.

Eine kleine Partei hat nur geringe Chancen

Haller ist zusammen mit zwei Brüdern und vier Schwestern in Zetzwil aufgewachsen. Sein Bruder Thomas ist seit Anfang Jahr im Zetzwiler Gemeinderat und kandidiert ebenfalls für den Nationalrat.

«Wir machen Wahlkampf light», erklärt Rolf Haller, angesprochen auf die verhältnismässig wenigen Plakate am Strassenrand talauf, talab. Die Chance, dass er mit einer kleinen Partei wie der EDU in den Nationalrat gewählt werde, sei praktisch bei null. «Dank Listenverbindungen gehen unsere Stimmen aber nicht verloren», so der Politiker.

Hallers Schwerpunkte liegen in der Familien-, Ausländer-, Verkehrs- sowie Energiepolitik. Beim Thema Verkehr und Energie ist er auch in beruflicher Hinsicht Experte. Rolf Haller arbeitet als Leiter Technik und Produktion bei der Firma Kaltband AG in Reinach. Der gelernte Elektriker setzt sich für Verkehrsfragen in der Region ein, etwa beim Böhler- knoten oder bei der Ostumfahrung Suhr. Von der Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft (IG) Ostumfahrung wurde er letzte Woche in den sonst unveränderten Vorstand gewählt. Rolf Haller verankere die IG stärker im oberen Wynental, sagte dazu Präsident Hans-Peter Zehnder. Haller ist auch Mitglied der Justizkommission des Grossen Rats.

120 Motocross-Rennen in 12 Jahren

In der Freizeit interessiert sich Haller für Tennis, Fussball und Motorsport. Als sein Neffe noch Motocross fuhr, besuchte er mit seinen Kindern viele Veranstaltungen in der ganzen Schweiz. «In zwölf Jahren haben wir so rund 120 Töffrennen gesehen», sagt der Motorsport-Fan. Seine Frau habe in dieser Zeit jeweils die sonntägliche Ruhe zu Hause genossen.

Haller ist aber nicht nur gläubiger Christ, Berufsmann, Politiker, Holzverbrenner und Motorsport-Fan. Er ist auch «Sonntagsspazierer», wie er es nennt. Jeden Sonntag packe er die drei Familienhunde – seine Frau Martina züchtet Australian Sheperds – und geht zwei bis drei Stunden spazieren. «Ohne Portemonnaie, ohne Handy, einfach zum Runterfahren.»

Am Sonntagabend kommt die ganze Familie zusammen. «Sonntags koche ich jeweils für die ganze Familie das Znacht», sagt Haller. Im Sommer meistens auf einem seiner «100 Grills».

Autor

Melanie Eichenberger

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