Unterkulm
Dank Grossüberbauung: Kritische Bahnübergänge werden zugemacht

Derzeit liegt in Unterkulm das Baugesuch für die Grossüberbauung Parzelle 191 auf. Mit der Erschliessung über die Wyna könnten unbewachte Bahnübergänge geschlossen werden.

Rahel Plüss
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Unterkulm Baugesuch Parzelle 199
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Katasterplan Parzelle 191 mit Erschliessungsstrasse über die Wyna (l.), entlang der nördlichen Parzellengrenze zur Häuserzeile entlang des WSB-Trassees (r.).
Profilstangen markieren die geplante Brücke über die Wyna.
Modell der Überbauung «Parzelle 191», Blickrichtung Nordwesten. Von der bestehenden Überbauung im Hintergrund führt die Brücke über die Wyna.

Unterkulm Baugesuch Parzelle 199

Rahel Plüss

Es gibt keinen Fuchswinkel, keine Hasenweid und schon gar keinen Riverpark, obschon jeder dieser Namen auch hier Anwendung finden könnte. Nein, das grosse Bauprojekt, das derzeit in Unterkulm aufliegt, heisst ganz unspektakulär «Parzelle 191».

Ob von der Bauherrin, der avara Immobilien AG mit Sitz in St. Gallen, bewusst gewählt oder nur eben mal so beiläufig entstanden: Der Name darf nicht darüber hinweg täuschen, dass hier in Zentrumsnähe ein Bauvorhaben mit bedeutenden Auswirkungen für die Gemeinde entstehen soll.

Das wurde spätestens dann deutlich, als das Projekt im Juni 2014 zum ersten Mal auflag. Einwendungen und kantonale Auflagen haben eine Überarbeitung des Vorhabens nötig gemacht. Nun liegt ein redimensioniertes und den kantonalen Vorgaben angepasstes Projekt vor.

Auf der Parzelle 191, zwischen Wyna und der ersten Häuserzeile entlang des WSB-Trassees gelegen, soll eine Überbauung mit 50 Mietwohnungen und einer unterirdischen Autoeinstellhalle für rund 20 Millionen Franken entstehen. Geplant sind zwei Gebäudekomplexe: ein grösserer L-förmiger entlang von Pfaffentalbächlein und Wyna und ein kleinerer, quaderförmiger im nordöstlichen Parzelleneck.

Die im Verhältnis zu den angrenzenden Häusern recht grossen Bauvolumen sind in ihrer Grundform durch Versätze gestaffelt, was eine Gliederung und damit optische Unterbrechung der langen Fassaden bewirkt. Die Gebäude bilden einen Innenhof mit Spielbereichen und Sitzgelegenheiten in Form von Bänken unter Bäumen, Sitzstufen oder Mauern.

Für die Gemeinde Unterkulm ist das vorliegende Bauprojekt nicht nur insofern von Interesse, als dass «ein Stück Land, das so nahe am Dorfzentrum liegt, endlich überbaut werden kann», wie Bauverwalter Reto Müller sagt. Es ist auch deshalb wichtig, weil die geplante Grundstückserschliessung von Westen her über die Wyna gleichzeitig eine rückwärtige Zufahrt zur Häuserzeile entlang der WSB ermöglicht.

Und das ist ganz im Sinne von Gemeinde und Kanton. Damit könnten gleich mehrere unbewachte Bahnübergänge geschlossen werden, was im Zuge des Eigentrassierungsprojektes WSB im Jahr 2020 sowieso geschehen soll. Zwei Fliegen auf einen Streich also. Den Bauverwalter freuts: «Damit könnten wir die gefährlichen Zugänge zu sieben Liegenschaften jetzt schon zumachen.»

Da sich das Bauvorhaben in der Kernzone befindet, hat der Gemeinderat ein Gutachten eingeholt, um die Einpassung ins Unterkulmer Ortsbild von einer unabhängigen Fachstelle überprüfen zu lassen oder wie der Bauverwalter sagt: «um eine Aussenmeinung einzuholen». Das gebe der Gemeinde auch eine gewisse Sicherheit, mit der eigenen Beurteilung richtig zu liegen. Zu diesem Schluss kommt denn auch das Fachgutachten, das von der Metron Raum Entwicklung AG, Lenzburg, erstellt wurde.

Es besagt, dass das Projekt Parzelle 191 «die Anforderungen an eine Bebauung in der Kernzone erfüllt und einen wertvollen Beitrag zur verdichteten Bauweise im Sinne des revidierten Raumplanungsgesetzes leistet». Die öffentliche Auflage dauert noch bis zum 6. Mai. Die Unterlagen können bei der Gemeindekanzlei Unterkulm eingesehen werden.