Reitnau

Besucherrekord: Über 13000 Auto-Fans am 50. Reitnauer Bergrennen

Über 13’000 Zuschauer schwitzten und fieberten am Sonntag am 50. Reitnauer Bergrennen mit den rund 230 Hobby-Rennfahrern. Das ist Rekord. Den Präsidenten freuts.

«Reitnau braucht kein Standortmarketing», sagt Bernhard Taeschler, Präsident der Sektion Mitte des Schweizerischen Automobilklubs (ACS), der das Bergrennen organisiert.

Taeschler kennt die Geschichte des Rennens, war er doch bereits bei der ersten Auflage dabei: «Als Bub hab ich meinen Vater begleitet.»

50 Jahre Bergrennen Reitnau

50 Jahre Bergrennen Reitnau

Wie sein Vater ist auch Bernhard Taeschler selber mitgefahren, von 1969 bis 1972. Die «Renngeräte», einen Messerschmitt Tiger Jahrgang 1958 und einen Jensen Healey Jahrgang 1972, fährt er heute noch an historischen Rennen.

Am ersten Rennen in Reitnau vor 50 Jahren seien etwa 50 Autos dabei gewesen. Und heute? Ein Grossanlass und erweitertes Dorffest. Und mit einer Rekordzuschauerzahl am diesjährigen Sonntag: 13'000 Zuschauer!

Helm auf – Hirn ab?

Am Sonntag früh beginnen die Trainingsfahrten. Oder Besichtigungsläufe, wie Bernhard Taeschler sagt. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Bereits um zehn nach sieben muss der Ford von Pierre Crittin aus Hérémence abtransportiert werden. Wie kann man nur 60 Meter nach dem Start in die erste Mauer krachen!

«Selber schuld», sagt Taeschler. Mangelnde Konzentration? Noch etwas verschlafen? Oder war er übermotiviert? «Helm auf – Hirn ab», umschreibt Bernhard Taeschler die Haltung übermütiger Jungspunde. Wer das Rennen ernst nimmt, gehe die Strecke am Tag zuvor zu Fuss ab. Das gilt auch für den Tagessieger Eric Berguerand.

«Man kann sich die Ideallinie merken», sagt Corinne Pflug aus Hefenhofen, und ihre Kollegen Thomas Maegli aus Däniken und Rolf Jungi aus Alchenstorf ergänzen: «Auch Schlaglöcher und Wechsel des Strassenbelags sieht man.» Das Wichtigste aber sei die Erfahrung: was mag es leiden?

Leidenschaft ist auch die Triebfeder von Lokalmatador Roger Bolliger mit seinem Pontiac Trans Am. Auf mehr als einem Auto ist zu lesen: «Ich trage keinen Schmuck, ich fahre ihn.»

Die Vereine profitieren

Bernhard Taeschler trägt eine Blache unter dem Arm. Sie hat am Vorabend, als AZton vor 6500 Zuschauern den Berg rockten, eine Leitplanke abgedeckt.

Er weist auf Spuren der Berührung durch Fahrzeuge hin. «Millimeterarbeit», sagt er und bewundert damit das Können der Drifters an der Show am Samstag.

Diese Truppe fuhr, pardon schleifte die Bergrennstrecke hoch, und das mit speziell präparierten Autos. «Die fahren nie geradeaus», sagt Taeschler. Man siehts der Strasse an: So viel Gummi lag noch selten auf der Bergstrasse.

«Beim Hornussen gibts das weniger, dass die Strasse schwarz wird», sagt Urs Hintermann am Verkaufsstand des STV Reitnau. Für die engagierten Vereine – Turnverein und Männerchor – ist das Bergrennen fast eine finanzielle Lebensversicherung. «Wir arbeiten seit der zweiten Auflage mit den lokalen Vereinen zusammen», sagt Präsident Taeschler.

Ein Geben und Nehmen halt. Es habe früher kritische Stimmen gegeben in den Vereinen, sagt Hintermann vom Turnverein, doch man könne nicht motzen und die hohle Hand machen. Schliesslich koste eine Turnfest-Teilnahme mit allem Drum und dran gut und gerne 12 000 Franken.

Natürlich gebe es auch im Verein Mitglieder, die sich lieber in der Badi braten liessen, als Würste zu bräteln. Doch am Tag des Bergrennens gilt ein strikter Einsatzplan. «Ich bin seit 6 Uhr da und werde um 13 Uhr abgelöst», sagt Urs Hintermann.

Auch der Männerchor organisiert sich so, zum Wohle der Vereinskasse, der es am Sonntag beim Grossaufmarsch des Publikums vortrefflich ging. Da nimmt man etwas Kopfweh in Kauf, wenn – wie bei der Drifter-Show am Samstag – ein Abgasnebel über den Hang wabert.

Und einige Anwohner machen gute Miene zum bösen Spiel und verkneifen sich die Frage nach dem tieferen Sinn der Veranstaltung – und dieses Standortmarketings.

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