«Auf und davon»

Aargauer Auswanderer-Paar tritt in SRF-Serie auf

Cornelia Breitschmid und Jean-Marie Suter aus Kölliken und Wohlen sind ab heute Freitag bei «Auf und davon» auf SRF 1 zu sehen. Ein Fernsehteam hat die Marokko-Auswanderer vom Beginn ihres Abenteuers an begleitet.

Im Januar 2016 haben sie zum ersten Mal einen Fuss auf marokkanischen Boden gesetzt – nun wohnen sie dort. Und ab Freitagabend wird auch das Schweizer Fernsehpublikum bei den beiden Aargauern zu Gast sein dürfen: Die in Wohlen aufgewachsene Cornelia Breitschmid und ihr Ehemann Jean-Marie Suter aus Kölliken, Aargauer mit welschen Wurzeln, haben den Sprung in eine neue Welt gewagt und im nordafrikanischen Land, das so überhaupt nicht afrikanisch sein mag, eine kleine Pension eröffnet.

Sie mussten sich zwar erst mühselig an die dortige Bürokratie gewöhnen, aber dann haben sie ihr Paradies in der Villa Tabouka bei Essaouira an der marokkanischen Westküste gefunden. Die Sendung «Auf und davon» von SRF hat sie von Anfang an begleitet und zeigt dies in sechs Episoden.

Trailer zu «Auf und davon»:

Pöstler, Älpler, Sozialarbeiter

Doch warum wanderte das Paar so kurzfristig aus? Von vorne: Kennen gelernt haben sich die beiden beim kantonalen Sozialdienst. Die 50-jährige Breitschmid war zwölf Jahre dort angestellt, zuletzt als Abteilungsleiterin. Der 61-jährige Suter arbeitete seit 1996 für die Abteilung, zuletzt als Verantwortlicher für das Operative im Asylwesen. Mit einem verschmitzten Lächeln erzählt er aus seiner spannenden Vergangenheit: Er hat als Briefträger und Alphirt gearbeitet, leitete ein Männerheim und ist Vater von acht Kindern sowie Grossvater von ebenso vielen Enkeln.

Breitschmid kündigte Anfang 2016 aufgrund der sogenannten «Vetterliwirtschafts-Affäre» (die AZ berichtete), an der sie jedoch nicht beteiligt war, wie der Kanton unmissverständlich erklärte. Suter verliess die Abteilung aus Solidarität, «aber nicht aus Wut», sagt er. So mussten sie sich neu umschauen. «Wir wollten zuerst ein paar Wochen Urlaub machen, in denen wir uns überlegen konnten, wie es weitergehen soll», erzählt Breitschmid.
Nach Marokko zog es das Paar, weil beide im Asylwesen oft mit schwierigen jungen Männern von dort zu tun hatten. «Wir wollten sehen, wie das Leben dort funktioniert.» Sie liessen ihre Fantasie schweifen – und auf einmal war die Idee geboren.

Marokkanische Bürokratie

Ihr eigentliches Ziel war es, in der Region, wo sie heute wohnen, «einen Gästebetrieb mit Landwirtschaft und Tieren aufzubauen, ganz im Sinne eines Agriturismo, wie man es aus Italien kennt», beschreibt Breitschmid. Sie wollten damit auch die Region und die einheimische Bevölkerung unterstützen. «Nachdem wir jedoch Monate nach Einreichung des Projekts noch immer keine Bewilligung in den Händen hielten und uns neben der zeitlichen Dimension auch immer mehr die Baukosten nicht konkret einschätzbar erschienen, beschlossen wir, vom Projekt Abstand zu nehmen.» Stattdessen mieteten sie eine Villa, die zwar etwas kleiner ist als ihr ursprüngliches Projekt, die aber immer noch auf dem Land liegt «mit einem grosszügigen Grundstück und Platz für Angehörige, Freunde und Gäste».

Pfeifen, Tiere, Konfitüren

Dort lebt das Paar nun und widmet sich den Dingen, die sie neben ihren Jobs im Aargau viel zu oft vernachlässigen mussten: Jean-Marie Suter baut Pfeifen aus marokkanischem Bruyèreholz, die er in Aarau ausstellen kann und meist in die Schweiz verkauft, «denn in Marokko raucht kaum jemand Pfeife». Er selbst habe als 12-Jähriger mit dem Pfeifenrauchen begonnen, ganz nach seinem Vorbild, Kommissar Maigret, erinnert er sich schmunzelnd. Breitschmid widmet sich vor allem den Tieren: Sie haben fünf Hühner, einen Hahn, ein Dutzend Schildkröten, einen Esel und Katzen. Daneben macht sie Joghurt, Konfitüren und Säfte. Beide kümmern sich um ihre Pension, die aus zwei Zimmern im Haupthaus sowie zwei Bungalows besteht. «Aber wir haben gelernt, dass im Leben nicht nur die Produktivität wichtig ist. Man darf sich auch eine Pause gönnen, sich mitten am Tag eine Stunde an den Pool setzen und ein Buch lesen», beschreibt Suter. «Wir sind glücklich in unserem neuen Zuhause. Natürlich vermissen wir unsere Familien und Freunde. Aber sonst vermissen wir an der Schweiz wirklich wenig.»

Auf und davon Ab heute, 5. Januar, wird die Geschichte des Paares immer freitags ab 21 Uhr in sechs Episoden auf SRF 1 ausgestrahlt. Mehr Infos zur Pension in Marokko unter www.tabouka.com

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