Porsche weg

121 statt 60 km/h: Einmal reicht, um als Raserin hart bestraft zu werden

Einmal zu schnell fahren reicht, um vor dem Gesetz als Raser dazustehen und hart bestraft zu werden.

Einmal zu schnell fahren reicht, um vor dem Gesetz als Raser dazustehen und hart bestraft zu werden.

Christina Hartmann hat in einer 60-er Zone zwei Autos mit 121 Stundenkilometern überholt. Ihr Porsche wurde beschlagnahmt, den Führerausweis muss sie für zwei Jahre abgeben und ihr droht ein einjähriger Freiheitsentzug.

Die Aargauerin Christina Hartmann aus Oberkulm hat mit ihrem Porsche in der 60er-Zone zwei Autos überholt. Bei diesem Überholmanöver wurde sie mit 121 Stundenkilometern geblitzt. Eine harte Strafe folgte: Ihr Auto wurde beschlagnahmt und verkauft.

Die Aargauerin Christina Hartmann aus Oberkulm ringt mit den Tränen, während sie sich in einem Beitrag von Tele M1 an den Tag erinnert, als plötzlich zwei Polizisten vor ihrer Tür standen. «Ich erschrak fürchterlich, habe mich gefragt, was das soll.»

Die Vorgeschichte: Am 11. August 2015 fuhr Christina Hartmann in ihrem Porsche über den Böhler. Vor ihr waren zwei Autos, an einer vermeintlich sicheren Stelle setzt sie zum Überholen an. «Mein Porsche ist in 2,3 Sekunden von null auf hundert». Das sind nicht nur leere Worte, sie überholt die Autos vor ihr. Dass sie sich dabei in einer 60-er Zone befindet, ist ihr entgangen.

Als die Polizei sie blitzt, hat ihr Porsche 121 Stundenkilometer auf dem Tacho. Damit gilt die 58-Jährige vor dem Gesetz als Raserin. Die Staatsanwaltschaft hat ihren Porsche beschlagnahmt und verkauft, es erwartet sie eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr, den Führerausweis muss sie für zwei Jahre abgeben.

Grund für dieses harte Vorgehen ist der sogenannte Raserartikel im Strassenverkehrsgesetzt. Hartmanns Anwalt Kenad Melunovic kritisiert diesen  Artikel scharf, es treffe die falschen. «Der Richter hat keine Möglichkeit, einen Einzelfall zu überprüfen und die Sprache dementsprechend anzusetzen. Die Strafe ist an die gesetzlichen Mindestmasse gebunden.»

Für Melunovic sind das drakonischen Massnahmen, die in Hartmanns Fall unangemessen scheinen. «In diesem Fall handelt es sich um einen Ausrutscher, ein Jahr ist zu viel». Seine Klientin leide darunter.

Die Stiftung Roadcross sieht das anders. «Aus unserer Sicht Strafe absolut angemessen. Die Täterin war mit 121 Stundenkilometer in 60er Zone unterwegs, das ist schneller, als auf Autobahn erlaubt», sagt Patrizia Koller von Roadcross Schweiz.

«Wir sind schockiert, dass die Raserin das als Ausrutscher darstellt»: Patrizia Koller von Roadcross Schweiz.

«Wir sind schockiert, dass die Raserin das als Ausrutscher darstellt»: Patrizia Koller von Roadcross Schweiz.

Christina Hartmann bereut, was passiert ist. Was ihr jetzt alles blühe, sei zu hart. Die Ironie an der Geschichte: Hartmann war auf ihrer verhängnisvollen Fahrt auf dem Weg in die Garage – sie wollte ihren Porsche verkaufen, weil er ihr zu schnell war. (jgl)

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