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Nötige Verschärfungen oder ein Kreuzzug gegen Motorradfahrer? Gabriela Suter und Walter Wobmann in der Lärm-Debatte

Wenn der Frühling kommt, hört man auch wieder die vielen Töffs auf den Strassen. Doch wie viel Lärm dürfen sie machen? SP-Nationalrätin Gabriela Suter will laute Töffs verbieten. Für den SVP-Nationalrat und obersten Töfffahrer der Schweiz Walter Wobmann eine Diskriminierung der Motorradfahrer.

Dominic Kobelt
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Laute Töffs verbieten? Gabriela Suter und Walter Wobmann sind sich nicht einig.

TeleM1

In einigen Punkten sind sich SP-Nationalrätin Gabriela Suter und Walter Wobmann, Präsident der «Föderation der Motorradfahrer der Schweiz», durchaus einig: Wer mit seinem Motorrad zu viel Lärm verursacht oder illegal umbaut, der soll bestraft werden. Dazu Wobmann: «Man kann mit jedem Fahrzeug hochtourig oder niedertourig fahren und so mehr oder weniger Lärm verursachen. Das sagt die Vernunft, dass man in einem Dorf niedertourig fährt.»

Auf gewissen Strecken, etwa einen Pass hinauf, fahre aber auch er mal etwas schneller und hochtouriger. «Wer dann noch schneller fahren möchte, muss ins Ausland auf eine Rennstrecke, weil wir das in der Schweiz leider nicht haben.»

Gabriela Suter, Kämpferin gegen Motorenlärm, hat aber auch in diesem Frühling schon wieder viele Mails von Leuten erhalten, die sich belästigt fühlen. Das Fahrverhalten sei durchaus wichtig, stimmt sie Wobman zu. «Das Problem ist, dass wir keinen harten Lärmgrenzwert haben. Man muss zwar die 81 Dezibel einhalten, aber das gilt nur unter bestimmten Konditionen.

Braucht es schärfere Massnahmen?

Für die Leute, die sich durch den Lärm belästigt fühlen, habe er durchaus Verständnis, versichert Wobmann, und weist auf die Kampagne «Lärm ist out» hin. Gegen Leute, die illegal Teile abändern oder den Schalldämpfer abmontieren, könne man aber heute schon vorgehen. Auch führten die Kantonspolizeien Lärmkontrollen durch. «Es braucht keine weiteren Vorschriften.»

Suter hatte eine parlamentarische Initiative eingereicht, die ein Fahrverbot von Motorrädern mit einem Standpegel von über 95 Dezibel fordert. Daraus entstand in der Umweltkommission des Nationalrats eine Motion, die vom Nationalrat bereits gutgeheissene wurde. Konkret fordert die Motion Massnahmen, um die Verwendung von illegalen Bauteilen oder Veränderungen am Fahrzeug besser zu sanktionieren oder einzuschränken. Dabei geht es um höhere Bussen, Führerausweisentzug oder das Beschlagnahmen von Fahrzeugen. Auch einfachere Kontrollen sind ein Thema, zum Beispiel mit Lärmblitzern.

«Welche ist die wichtigste dieser Massnahmen?», will Moderator Rolf Cavalli von Suter wissen. «Es ist ein Dreiklang. Wir wollen die Kantonspolizei unterstützen, die Lärmblitzer wären da wichtig.» Zudem seien die Bussen, die zur Zeit ausgesprochen werden können, «Peanuts». «200 oder 300 Franken, das rechnen die Töfffahrer mit ein. Wir wollen, dass Strafen bis zum Führerausweisentzug möglich sind.» Das dritte seien Fahrverbote auf exponierten Strecken «für extrem lärmige Fahrzeuge».

Sind Lärmblitzer überhaupt möglich?

Das sei ein Kreuzzug gegen den motorisierten Strassenverkehr, findet der SVP-Politiker. Am meisten stört er sich an den Lärmblitzern. «Es gibt gar keine Lärmblizter, die funktionieren.» Suter bezeichnet das als Falschaussage: «In Chelsea in London gibt es einen solchen Blitzer, der auch Bussen verteilt.»

Trotzdem findet Wobmann, die Forderung der Aargauer SP-Nationalrätin sei nicht mit dem Rechtsstaat vereinbar: «Woher soll denn der Töffahrer wissen, wie laut er war? Das ist doch der entscheidende Unterschied zur Geschwindigkeit.» Genau dafür brauche es jetzt die gesetzlichen Grundlagen, sagt Suter: «Technisch wäre es möglich, an den Fahrzeugen Messgeräte anzubringen, die dem Fahrer zeigen, wie laut er ist. Genau das muss man jetzt diskutieren – sie betreiben Gesprächsverweigerung.»