Kirchen

«Spende Geld oder wir verkaufen die Kirche»

Claudia Bandixen, Präsidentin der reformierten Landeskirche Aargau, hat keine Bedenken, Kirchen umnutzen zu müssen

Claudia Bandixen, Präsidentin der reformierten Landeskirche Aargau, hat keine Bedenken, Kirchen umnutzen zu müssen

In Basel müssen die Kirchen vermietet werden, weil sie entweder nicht gebraucht oder weil sie für die Kirchgemeinde nicht mehr erschwinglich sind. Doch wie akut ist die Situation im Aargau?

Den Kirchen in der Schweiz geht es finanziell nicht gut. Nicht nur der Rückgang der Mitglieder, sondern auch die schwindende Zahl der praktizierenden Gläubigen machen den Kirchen zu schaffen. Im Juli führte der Zürcher reformierte Kirchenrat eine Berechnung in der Stadt Zürich durch, um herauszufinden, wie viele Kirchen künftig man noch werde halten können. Das Ergebnis war erschütternd: von den 47 Kirchen bräuchte es eigentlich nur jede Dritte. Doch wie sieht die Situation im Aargau aus? Müssen nun auch hiesige Kirchen verkauft oder umgenutzt werden?

«Kein Thema» im Aargau

Dass es im Aargau zu viele Kirchen gäbe, sei «kein Thema», sagt Claudia Bandixen, Präsidentin der reformierten Landeskirche Aargau. Die hohe Kirchendichte sei viel mehr in den Städten zu suchen, wo fast jeder Strassenzug eine Kirche oder Kapelle aufweise. In ländlichen Gebieten seien die Kirchen mehr Ausdruck der Gesamtkultur und Identität. Sie würden seit jeher verschiedentlich genutzt: so manche Kirche diente früher schon als Versammlungsraum der politischen Gemeinde, da kein anderer, genügend grosser Saal vorhanden war.

Doch zeigt sich Bandixen offen. Prinzipiell gelte als Regel jeder Kirchennutzung: «Das Kirchengebäude wie auch der Glaube sollen dem Leben dienen.» Trotzdem bekundet sie Mühe mit der Vorstellung, in einer Kirche eine Bar einzurichten, «in der nur gesoffen wird».

Bezüglich der Zukunft der Kirchen im Kanton Aargau sei sie nicht allzu besorgt, da die Zahl der Kirchengänger konstant sei: Die Geburtenrate gehe zwar zurück, doch werde der daraus resultierende Bevölkerungsschwund kompensiert durch die Zuwanderung vieler Schweizer in denn Aargau.

In anderen Kantonen akuter

Ähnlich sieht es bei den Katholiken aus. In ländlichen Gebieten gelte noch immer die Grundregel, dass auf eine Pfarrei eine Kirche komme, sagt Marcel Notter, Generalsekretär der römisch-katholischen Kirche des Kantons Aargau. « Dass eine Kirche wegen zu wenig Andrang schliessen müsste, wäre mir neu», sagt er. In anderen Kantonen sei die Problematik weit akuter, so beispielsweise in Genf. Dort sei der Verkauf von Kirchen immer wieder Thema, da es keine Kirchensteuer gebe, und Geldsorgen unmittelbarer sind. Folge davon sind Plakatkampagnen nach dem Motto: Spende Geld oder wir müssen die Kirche verkaufen.

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