Fahrplanwechsel

So profitiert der Aargau vom Fahrplanwechsel

Dank dem dritten Gleis im Gebiet Gexi wird der Bahnhof Lenzburg wieder zur Drehscheibe für den öffentlichen Verkehr des Freiamts.

Dank dem dritten Gleis im Gebiet Gexi wird der Bahnhof Lenzburg wieder zur Drehscheibe für den öffentlichen Verkehr des Freiamts.

Der öffentliche Verkehr wächst und wächst, mit jedem Fahrplanwechsel kommt mehr Zug in die Bahnen und Busse – wie es Regierung und Parlament vorgespurt haben. Die grössten Neuerungen im Kanton auf einen Blick.

Im Fernverkehr gibt es wenige Neuerungen, der Aargau ist davon nicht betroffen. Das Freiamt wird mit modernen Flirtzügen wieder via Lenzburg an die Verkehrswelt angebunden, neues Rollmaterial gibt es auch für die Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDWM) und teils für die Wynental-Suhrentalbahn (WSB).

Lichtblicke gibt es für die Grossregionen Aarau und Baden-Wettingen. «Die S-Bahn aus Zürich wird in den Nächten auf Samstag und Sonntag verlängert, neu gibt es in Aarau eine Vernetzung mit Bussen, die um 03.10 Uhr noch in die Täler fahren», sagt Jürg Bitterli, Projektleiter der öVAngebotsplanung im BVU. In Baden bringt der bessere RVBW-Takt einen starken Ausbau.

Neubauten in Lenzburg und Suhr

Jahrzehntelange aufgegleiste und jetzt endlich umgesetzte Grossprojekte verändern die Pendlerwelt. Das dritte Gleis Lenzburg-Gexi befreit die Freiämter vom Trauma Othmarsingen. Der 12. Dezember bringt ihnen ein zweites verfrühtes Weihnachtsgeschenk: moderne, schnelle Flirtzüge mit Klimaanlage, 1. Klasse und Niederflur, die zusammen mit dem neuen Fahrplankonzept zu besseren Anschlüssen in den Knoten Lenzburg und Rotkreuz führen.

In den Spitzenzeiten verkehren ab Muri zusätzliche Flirt-Züge, jede Stunde rollen die modernen Kompositionen via Birrfeld bis nach Turgi. Dank der Verlegung weg von der Strasse sind SBB und WSB im neuen Bahnhof Suhr unter einem Dach. Die Tramstrasse wird markant entlastet, zwischen Aarau und Suhr wird der Busverkehr angepasst und spürbar besser. Trotz oder wegen vieler Ausbauten gibt es mitunter auch Nachteile: Weil die Schnellzüge nach dem Gexi-Ausbau in Aarau eine Minute früher nach Basel losfahren, funktioniert der Anschluss vom Wynental nicht mehr.

Vorteile für die Spätheimkehrer

Die Bahn passt sich weiter der nächtlichen Ausgehfreude vieler (junger) Leute an. Darum fährt die S-Bahn in der Nacht auf Samstag und Sonntag über Baden und das Birrfeld nicht mehr nur bis Lenzburg, sondern bis Aarau. Und zwar stündlich von 01.00 bis 04.00 Uhr, «die neue Vernetzung mit den Bussen ist für Aarau wirklich ein Highlight» verspricht Bitterli. Denn diese bringen die Spätheimkehrer um 01.45 und um 03.10 Uhr in die Täler, neu auch bis nach Olten und Kölliken.

Mit Bussen Strasse entlasten

Auf den oft verstopften Strassen im Ostaargau soll ein verstärkter öV einen Teil der Pendler zum Umsteigen bewegen. Der heutige 20-Minuten-Takt bei den RVBW ist für die Anschlüsse an die Züge nicht optimal: «Schon frühmorgens um 6 Uhr beginnt der neue 15-Minuten-Takt und dauert bis 20 Uhr, auch an Samstagen», versichert der Projektleiter. «Das ist ein Quantensprung und bedeutet, dass auf den Parallellinien alle siebeneinhalb Minuten ein Bus kommt», ergänzt Bitterli.

Insgesamt steigt damit die öV-Leistung um rund 20 Prozent. Als Neuerung verkehren künftig Schnellbusse vom Bahnhof Brugg direkt ins Paul-Scherrer-Institut in Villigen, «denn diese Verbindung ist sehr gut frequentiert». Für die Reisenden auf den Strecken mit veraltetem Rollmaterial besteht immerhin Aussicht auf Besserung: Ab 2011 sollen von Baden ins untere Aaretal sukzessive neue Fahrzeuge des Typs Domino eingesetzt werden, für den Regio-Express Baden–Olten ist das ab Dezember 2012 geplant.

Ausbau bringt hohe Zusatzkosten

Als Besteller der Leistungen muss der Kanton tief in die Tasche greifen, allein der Flirt kostet zusätzlich 3Millionen Franken im Jahr. «Sorgen bereitet uns der Bund, er will die Teuerung nicht bezahlen und sich auch am Flirt nicht beteiligen», sagt Projektleiter Reto Kobi von der Abteilung Verkehr. Die Sparpläne des Bundes treffen den Aargau stärker, weil andere Regionen das Rollmaterial früher erneuert haben. Im Aargau beteiligt sich der Bund ohnehin nur mit 39 Prozent, in anderen Kantonen sind es bis 80 Prozent.

«Die zusätzlich 12 Millionen Franken Aufwand im nächsten Jahr entstehen zu zwei Dritteln durch besseres Rollmaterial, zu einem Drittel durch das Angebot.» Das erklärt Hans Ruedi Rihs, neuer Leiter öffentlicher Verkehr im BVU. Insgesamt kostet der öffentliche Verkehr 2011 laut Mehrjahresprogramm rund 300 Millionen Franken, an die ungedeckten Kosten von rund 170 Millionen Franken zahlt der Kanton nach Abzug der Bundesbeiträge 60 Prozent, die Gemeinden steuern 40 Prozent bei.

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