Mathematik-Olympiade
Philipp Junghans aus Suhr ist der beste Knobler der Schweiz

Der Kantischüler Philipp Junghans setzte sich gegen 130 Mitstreiterinnen und Mitstreiter durch und gewann die schweizerische Mathematik-Olympiade. Nun will der 18-jährige Suhrer an den internationalen Wettbewerb in St.Petersburg.

Zara Zatti
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Fünf bis zehn Stunden übt der Suhrer neben der Schule für die internationale Olympiade.

Fünf bis zehn Stunden übt der Suhrer neben der Schule für die internationale Olympiade.

Bild: zvg

Philipp Junghans ist Schweizer Olympiasieger in der Disziplin Mathematik. Und der Weg dahin war ein richtiger Marathon: Insgesamt mehr als zwölf Stunden musste der Suhrer an den Testaufgaben knobeln.

In der Finalrunde betrug die Testzeit zwei Mal vier Stunden für je vier Aufgaben. «Danach war ich zwar schon geschafft, aber nicht so sehr wie letztes Jahr», sagt der 18-Jährige. 2020 nahm Philipp Junghans das erste Mal an der schweizerischen Mathematik-Olympiade teil, damals belegte er in der Finalrunde Platz 10 und qualifizierte sich auch für die Mitteleuropäische Mathematik-Olympiade. «Dieses Jahr hatte ich meine Resultate relativ schnell. Danach musste ich meine Beweise noch ausführen: Das war dann mehr Schreibarbeit als Denkarbeit.»

Seine Begabung für die Mathematik fiel schon seiner Lehrerin in der Primarschule auf. Nach einem Test war klar: Er ist hochbegabt. Um sich nicht zu langweilen, bekam er ein Sonderprogramm und spezielle Förderung. Mittlerweile besucht er die dritte Klasse der Alten Kantonsschule in Aarau mit dem Schwerpunkt «angewandte Mathematik und Physik». Und auch dort arbeitet er an seinen eigenen Projekten, während seine Mitschüler dem regulären Matheunterricht folgen: «Das ist interessanter für mich.»

Das Ziel ist die internationale Mathematik-Olympiade in St.Petersburg

Im Zuge der Mathematik-Olympiade, die dieses Jahr vom 14. bis zum
21. Februar stattfand, beschäftigte sich Philipp Junghans das erste Mal auch neben der Schule mit Mathematik. In der Vorbereitungswoche, die zur Olympiade dazugehört, knobelte er bis zu neun Stunden am Tag an Matheaufgaben. Jedes Jahr finden in der Schweiz neun Wissenschaftsolympiaden in verschiedenen Fächern statt. Organisiert wird die Olympiade hauptsächlich von jungen Forschenden, Studierenden oder Lehrpersonen, um junge Talente zu fördern.

Mit seinem Sieg hat der junge Suhrer sein Ziel noch nicht erreicht: Denn jetzt geht es um die Qualifikation für die internationale Olympiade. Vorausgesetzt, es klappt pandemiebedingt, soll diese in St.Petersburg stattfinden. Für Junghans wäre das ein grosses Ereignis. Der Sieger erhält eine Medaille, ein Preisgeld gibt es nicht. Doch das ist für Junghans auch nicht die Motivation: «Die Olympiade gibt einem die Möglichkeit, coole Mathematik von freiwilligen Helfern gelehrt zu bekommen. Das ist nicht selbstverständlich.» Für ihn ist das Erlebnis der Preis.

Die absolute Wahrheit der Mathematik fasziniert ihn

Fragt man ihn, was ihn an der Mathematik fasziniert, kommt die Antwort schnell. Wahrscheinlich wurde er das schon oft gefragt. «Ich mag das Knobeln, und dass die Mathematik nicht ausnahmegeprägt ist. Egal welche Theorie man liest, man kommt immer zum selben Ergebnis.» Mathematik als absolute Wahrheit also. Junghans mag Logik und Strukturen und begeistert sich für alle naturwissenschaftlichen Fächer. Was ihm allerdings gar nicht liegt, ist das Auswendiglernen. «Daten in der Geschichte, Vokabeln oder auch Namen fallen mir aus dem Kopf.» Dementsprechend kommt er mit den geisteswissenschaftlichen Fächern in der Schule auch weniger gut klar.

Philipp Junghans bezeichnet die Mathematik als «Leidenschaft». Allerdings nicht seine Einzige, wie er betont. Seine Zweite ist Handball beim HSC Suhr/Aarau. Wenn nicht gerade Corona ist, trainiert er drei bis vier Mal in der Woche.

Die Faszination für Naturwissenschaften liegt in der Familie. Der Vater hat einen Doktor in Chemie und auch der Grossvater war technisch und mathematisch begabt. «Eine solch ausgeprägte Inselbegabung wie bei mir, also meine starke Begabung für Logik und meine starke Nichtbegabung, mir Dinge zu merken, ist allerdings neu in der Familie.» Was er mit seinem Talent anstellen will, weiss er noch nicht. Für die Zeit nach der Kanti hat er noch keine konkreten Pläne.