Aargau

Lieni Füglistaller gibt den Kampf auf

Hat genug: Lieni Füglistaller.

Hat genug: Lieni Füglistaller.

Der SVP-Nationalrat hält die Anfeindungen nicht länger aus und tritt 2011 nicht mehr an: «So wie die letzten 10 Monate kann und will ich nicht noch einmal 10 Monate leben», sagt er.

Gestern hat die Kantonalpartei seinen Entscheid bekannt gegeben, nächstes Jahr nicht mehr zu den Wahlen anzutreten. Die vergangenen Monate hätten ihm gesundheitlich so zugesetzt, dass er sich und seiner Familie weitere Anfeindungen bis zu den Wahlen im Oktober 2011 nicht antun könne, heisst es in der Mitteilung.

Das Kesseltreiben hatte eingesetzt, nachdem die az Anfang Jahr über eine Auseinandersetzung Füglistallers mit einem säumigen Schuldner berichtet hatte. Diese gipfelte in einem Prozess gegen Füglistaller wegen versuchten Wuchers. Er wurde zwar unlängst freigesprochen. Es stehen aber weitere Vorwürfe wegen angeblich unmoralischen Geschäftsgebarens im Raum. Sie werden zum Teil anonym, aber auch von Exponenten seiner eigenen Bezirkspartei Bremgarten vorgebracht. Die Bezirkspartei hat Füglistaller das Vertrauen entzogen und bei der kantonalen
Parteileitung beantragt, er sei nicht mehr für die Nationalratswahlen im nächsten Jahr aufzustellen.

Enttäuscht über Kantonalpartei

Die Kantonalpartei hat bis jetzt nie zu den Anwürfen Stellung bezogen. Ein unabhängiges Gremium unter dem Vorsitz von alt Regierungsrat Ernst Hasler sollte der Sache nachgehen. Heute hätte der Ausschuss der Findungskommission rapportieren sollen, welche die Nationalratsnominationen vorbereitet. Dazu wird es jetzt nicht kommen. Vergangenen Dienstag habe er Ernst Hasler mitgeteilt, dass er keinen Bericht zu schreiben brauche und er auf eine Kandidatur verzichten werde, so Füglistaller. Den Ausschlag habe ein vorgängiges Gespräch mit dem Hasler-Ausschuss und den Frontleuten der Bremgarter SVP um Andreas Glarner, Präsident der Grossratsfraktion, gegeben. Füglistaller: «Ich habe gemerkt, dass das Kesseltreiben in jedem Fall, auch bei einem entlastenden Bericht des Gremiums Hasler, weitergehen wird und die meistens anonymen Unterstellungen kein Ende nehmen werden.» Der abtretende Nationalrat macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über das Verhalten der kantonalen Parteispitze mit Präsident Thomas Lüpold: «Wenn man eine Partei führt, muss man auch hinstehen und darf nicht nur hinsehen, man muss sich dazu erklären, ob der Stil der SVP Bremgarten der Stil der Kantonalpartei ist. Mein Stil ist das nicht, ich politisiere hart in der Sache, aber nicht gegen eine Person.»

Weg frei für Andreas Glarner?

SVP-Vize Thomas Burgherr weist den Vorwurf zurück. Die ganzen Anschuldigungen aus Bremgarten seien eine sehr komplexe Sache, da sei es für die Kantonalpartei schwierig gewesen, sich auf die Äste hinauszuwagen und sich vor einer Klärung auf die eine oder andere Seite zu stellen. Ob der interne Untersuchungsausschuss Lieni Füglistaller einen Persilschein ausgestellt hätte, wird man nun wahrscheinlich nie erfahren. Die Reaktion aus der Parteizentrale lässt zumindest erahnen, dass man dort nicht davon überzeugt war. Die Parteileitung respektiere Füglistallers Entscheid. Sie bedaure es, auf diese Weise einen verdienten Nationalrat zu verlieren, heisst es einigermassen trocken im Communiqué zum Rücktritt.

Der vermeintliche Profiteur von Füglistallers Rückzug gibt sich lammfromm. Er sei «erleichtert, dass Füglistaller zum richtigen Schluss kam», sagt der Bremgarter Bezirksparteipräsident Andreas Glarner zwar frank und frei. Und fügt aber säuselnd an: «Wir bedauern, dass die Querelen um das Geschäftsgebaren seine Gesundheit beeinträchtigten und verdanken seinen langjährigen Einsatz.» Glarner (den Füglistaller als Strippenzieher des Kesseltreibens gegen ihn sieht) hofft nun, mit einer reellen Wahlchance auf die SVP-Nationalratsliste gesetzt zu werden. Die öffnet sich nämlich erst jetzt so richtig, wo Lieni Füglistaller mürbe gemacht wurde. Denn für den frei werdenden Sitz von Walter Glur gilt mit dem Rochade-Plan Ständerat Maximilian Reimann fast als gesetzt. Schafft Ulrich Giezendanner den Sprung in den Ständerat, gilt nicht Andreas Glarner, sondern eher Kantonalpräsident Thomas Lüpold, der vor vier Jahren auf dem ersten Ersatzplatz landete, als heissester Anwärter auf «Giezis» Nationalratssitz. Nun wird das Rennen wieder offener.

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