Vierfachmord Rupperswil

Was der nächste geplante Mord für Täter und potenzielle Opfer bedeutet

Familie Schauer war nur der Anfang: Der mutmassliche Mörder Thomas N. schmiedete bereits Pläne für seinen nächsten Mord. Werden die betroffenen Personen, falls den Behörden bekannt, überhaupt informiert?

Der Schock über die kaltblütige Tat des mutmasslichen Mörders Thomas N. sitzt auch Tage nach seiner Festnahme tief. Neben den schrecklichen Einzelheiten über die Geschehnisse vom 21. Dezember 2015 sorgte auch eine weitere Erkenntnis für Entsetzen. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Täter weitere, gleichgelagerte Delikte konkret geplant hatte und diese auch ausgeführt hätte“, erklärte Kripo-Chef Markus Gisin an der Pressekonferenz vom Freitag. 

«Indem er den jüngeren Sohn bedrohte, zwang er Frau Schauer, den älteren Sohn und dessen Freundin zu fesseln und zu knebeln»

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Markus Gisin, Chef der Kriminalpolizei Aargau, schildert an der Medienkonferenz am 13. Mai 2016, wie der Täter im Vierfachmord von Rupperswil vorgegangen ist.

Zu diesem Schluss kamen die Ermittler, nachdem sie bei einer Hausdurchsuchung einen gepackten Rucksack mit Waffen, Fesselmaterial und Brandbeschleunigern sicherstellten. Auch muss davon ausgegangen werden, dass Thomas N. nach seiner Verhaftung die geplante Tat gegenüber den Polizeibeamten gestand.

Realisation: Elia Diehl

Vierfachmord Rupperswil – Die Tat, der Täter, die Justiz (Stand: 18.Mai 2016)

Ob Thomas N. die Namen seiner geplanten nächsten Opfer gegenüber der Polizei gestanden hat, ist zur Stunde nicht bekannt. "Aus ermittlungstaktischen Gründen nehmen wir zu dieser Frage keine Stellung", sagt Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft zur az.

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Würde die Staatsanwaltschaft oder die Polizei die betroffenen Personen über die schrecklichen Absichten des Mörders aufklären oder würde sie dies wegen der Gefahr einer Traumatisierung unterlassen?

"Sie würden sie auf jeden Fall informieren", erklärt der ehemalige Kriminalkommissar Markus Melzl auf Anfrage der az. Auch wenn man den Betroffenen mit dieser schrecklichen Nachricht wohl einige schlaflose Nächte besorgen würde, so sei diese Massnahme dennoch wichtig für die Urteilsfindung.

"Im Gespräch mit diesen Personen könnten die Ermittler herausfinden, wieso der Mörder genau auf sie gekommen ist." Solche Informationen würden auch in die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens fliessen, mit dem schliesslich auch die Frage geklärt wird, ob der Mörder lebenslänglich verwahrt wird.

Was heisst eine weitere geplante Mordtat für das Strafmass? „Die Vorbereitung strafbarer Handlungen ist gesetzlich verboten und wird sich klar zu Ungunsten des Täters auswirken“, erklärt Daniel Jositsch, Rechtswissenschafter und SP-Ständerat. Trotzdem ist der Strafrechts-Experte überzeugt, dass die Planung weiterer Taten im vorliegenden Fall nicht entscheidend sei.

„Alleine für die vierfache Tötung dürfte der Täter im allerhöchsten Masse bestraft werden – ihm blüht unter Umständen eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit anschliessender Sicherheitsverwahrung.“

Rupperswil: Familie des Mörders unter Schock

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