Sie kamen im T-Shirt. Eine aussergewöhnliche Kleiderwahl für das Swiss Economic Forum (SEF), das am Donnerstag und Freitag in Interlaken stattfand. Hier trägt man Hemden oder Blusen. Für Nicholas Hänny, Robin Gnehm und Carla Hänny waren die T-Shirts kein Akt der Rebellion, sondern der Grund, warum sie hier waren: Ihr Jungunternehmen Nikin war für den «Swiss Economic Award 2019» nominiert.

Nikin, das sind die mit dem Baum als Logo. Angefangen haben sie mit Mützen, heute verkaufen sie eine ganze Reihe von nachhaltig und fair produzierten Produkten, vom T-Shirt bis zur Wasserflasche. Ihr Versprechen: Für jedes verkaufte Produkt wird ein Baum gepflanzt. Und so trugen sie auch am SEF T-Shirts aus ihrem Sortiment – unter dem Blazer. «Alles andere wäre nicht echt gewesen», sagt Firmengründer Hänny.

Selbstbewusst präsentierte er Nikin am Donnerstagnachmittag ein letztes Mal dem Publikum. «Dass Bäume pflanzen uns auf die Bühne vom Swiss Economic Forum bringen würde, hätte ich nie gedacht», sagt er. Nikin ist schnell gewachsen. 2016 gegründet, führten Hänny und Gnehm ihr Unternehmen anfangs als Freizeitbeschäftigung aus den Elternhäusern. Heute ist das Unternehmen auf einem Stock der ehemaligen Wisa Gloria eingemietet, die Grüner Hänny und Gnehm arbeiten Vollzeit. Für den SEF-Award mussten sie sich bewerben. «Das war viel Arbeit, wir haben je zirka anderthalb Wochen investiert», sagt Hänny. Die drei sind stolz, dass sie es so weit geschafft haben. Auf dem Gelände vor dem Kursaal werden sie erkannt und beglückwünscht. Natürlich würden sie gern gewinnen. «Aber schon nur hier zu sein, ist viel wert», sagt CFO Carla Hänny. Networking heisst das Zauberwort. «Wir haben schon viele Unternehmen kennen gelernt», sagt sie. Der Chef von Calida habe bereits seinen Besuch in Lenzburg angekündigt. «Diese Begegnungen und die Nomination zeigen uns, dass wir als Marke auf dem richtigen Weg sind», sagt Hänny. Eine Onlinemarke, die danke eines erfolgreichen Vermarktungskonzepts näher bei den Kunden sei als manche Offlinemarke. Inspirierend fanden die Jungunternehmer die Chefin der Snowboardmarke Burton. Eine selbstbewusste Frau, die sich getraue, unkonventionell zu sein. Die Frauendichte war am SEF sehr gering, das hat auch Carla Hänny festgestellt. Immerhin ein positiver Aspekt davon: «Vor den Männertoiletten gab es eine lange Schlange. Bei den Frauen musste ich ausnahmsweise nicht warten», sagt sie.

So ein Käse

Vor der Preisverleihung sind sie ein wenig nervös. Das Preisgeld von 25'000 Franken würden sie als Dankeschön an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und in neue Projekte investieren. «Und in Bäume», sagt Gnehm. Neun Unternehmen sind für den SEF-Award nominiert, in drei Kategorien. Das Thema des SEF war Optimismus. «Die nominierten Unternehmer gehören zur Sorte der dummen Optimisten», sagt Jurypräsidentin Monika Ribar. Das sei positiv gemeint: «Sie glauben an sich und ihre Fähigkeiten.» Nikin ist in der Kategorie Gewerbe und Produktion nominiert. Gewinnen tut ein anderes Unternehmen; «New Roots» aus Thun, die veganen Käse aus Cashewnüssen herstellen. Kein Grund für Trübsal bei Nikin. «Ein Sieg wäre das Tüpfli auf dem i gewesen», sagt Nicholas Hänny nach der Verleihung. Aber es sei auch so super gewesen. Die Marke Nikin ist schon heute bekannt und hat über 80'000 Follower auf den Social Media. Und jetzt tauscht vielleicht auch mal einer der Entscheidungs- oder Anzugträger vom SEF sein Hemd gegen ein faires Baum-Shirt.